Alsdorf: Geschichte ist seine große Leidenschaft: Rudolf Bast wird 80

Alsdorf: Geschichte ist seine große Leidenschaft: Rudolf Bast wird 80

Natürlich arbeitet Rudolf Bast an der nächsten Ausgabe der „Jahresblätter des Alsdorfer Geschichtsvereins“. Denn Geschichte ist seine große Leidenschaft, und die von Alsdorf ganz besonders. In vier bis fünf Wochen soll das Heft herauskommen. Bast hat diesmal eine kleine Abhandlung beigesteuert, über zwei Funde im EBV-Archiv zur Geschichte von Anna.

Bast will es mit den Studien über Alsdorfer Geschichte nun etwas ruhiger angehen lassen und sich vorrangig auf die Redaktion und die Produktion der Jahresblätter konzentrieren. Die Jahresblätter gibt es seit 1982, Rudolf Bast seit 1936. Am heutigen Freitag wird er 80 Jahre alt. Gefeiert wird im Familien- und Freundeskreis, aber an einem anderen Tag.

In der Alsdorfer Burg, in der das Archiv des Alsdorfer Geschichtsvereins untergebracht ist und wo bald ein Büro nebst Arbeitsmöglichkeiten zur Auswertung der Bestände eingerichtet wird, wird beim Rückblick schnell klar: Rudolf Bast hat mittlerweile so viele Beiträge zum besseren Verständnis seiner Heimatstadt verfasst, Vorträge gehalten und Exkursionen organisiert, dass er schon selbst Geschichte in Alsdorf geschrieben hat.

Bast hat zudem für andere nachhaltige Spuren gesorgt, im menschlichen Bereich. Er hat sich mit vielen Menschen in Alsdorf im positiven Sinne auseinandergesetzt. Er hat eine ganze Reihe von Schülergenerationen am städtischen Gymnasium betreut, anfangs als einfacher Lehrer für Deutsch und Geschichte und zuletzt von 1990 bis 2001 als Oberstudiendirektor und Leiter der Bildungseinrichtung. Das hätte er selbst wohl am wenigsten für möglich gehalten.

Seine jungen Jahre waren wie die so vieler Kinder, die den Zweiten Weltkrieg noch bewusst erlebten und anschließend unter schwierigen Bedingungen zum Erwachsenen heranreiften: nicht einfach. Bast wurde an der BRathausstraße in Alsdorf geboren. Sein Vater war Schreiner und arbeitete zuletzt auf der Grube Anna. Im Jahre 1945 kam er dort durch eine Bombe ums Leben, die eigentlich in dem schon weiter gezogenen Krieg von einem Flugzeug der Royal Air Force ausgeklinkt werden sollte. Auch der jüngere Bruder überlebte das Ende des Krieges in Folge der Strapazen nicht lange.

Abitur trotz Beinbruch gemacht

Seine Mutter hat trotz aller Nöte dafür gesorgt, dass er in Alsdorf aufs Gymnasium gehen konnte, das damals noch an der Rathausstraße untergebracht war, erzählt er dankbar. 1956 hat er dort sein Abitur gemacht. „Nach den schriftlichen Prüfungen brach ich mir ein Bein, die mündlichen Prüfungen wurden im Krankenhaus abgenommen“, erinnert er sich. An der Universität zu Köln, wo er Deutsch und Geschichte studierte, humpelte er auf Krücken zur ersten Vorlesung. Er folgte bei der Berufswahl der Stimme anderer („Du bist der geborene Lehrer“), dann immer mehr seiner eigenen — und wurde ein Pädagoge, wie er sagt.

Es folgte das Referendariat in Mönchengladbach-Rheydt. 1983 heiratete Bast. Die Ehe blieb kinderlos. „Leider“, wie der bekennende Menschenfreund betont. 1964 trat er die erste Stelle als Lehrer am Stiftischen Gymnasium in Düren an. Dann zog es ihn nach Alsdorf. Wie war das, an der alten Penne Lehrer zu werden? „Ich war am Anfang etwas befangen, aber die Lehrer, die mich noch unterrichtet hatten und andere dieser Generation nahmen mich offen und freundlich in ihren Kreis auf.“ Bast fasste Fuß, arbeitete sich bis zum Schulleiter hoch. Gute Jahre, anstrengende Jahre. Seine Lebens- und Arbeitsphilosophie als Lehrer und als Mensch lautet bis heute: „Man muss den Menschen solange für gut halten, bis er einem nachhaltig das Gegenteil beweist.“ Da war und ist einer bis heute mit offenem Visier unterwegs.

Heute noch freut er sich darüber, wenn ehemalige Schüler oder deren Eltern auf ihn zukommen und ihn in dem, was er zu ihnen einmal in jüngeren Jahren gesagt hat, bestätigen und ihm Dank für seinen Rat aussprechen.

Natürlich hat er sich das im Bau befindliche Kultur- und Bildungszentrum (Kubiz) auf dem Annagelände einmal angesehen, gemeinsam mit Alsdorfs ehemaligen Landtagsabgeordneten Hans Vorpeil. Zusammen mit dem Ehrenbürger Vorpeil hat er mehrere Projekte zur Geschichte Alsdorfs und des Bergbaus umgesetzt, so die Präsentation Schwarzes Gold, den Weg der Energie und die Gestaltung des Kaminzimmers in der Alsdorfer Burg. Zum Kubiz sagt Bast: „Das ist eine hochinteressante und sehr ansehnliche Konzeption. Das ist die Rückkehr von der dezentralisierten Bauweise in Ofden hin zu einer geschlossenen Einheit“, sagt er. Und aus Sicht des Freundes der Geschichte fügt er hinzu: „Die Lage auf dem Annagelände ist das Bekenntnis zu Alsdorfs Mittelalter.“ Wie das? Bast teilt nach eigenem Bekunden die Geschichte Alsdorf in drei Epochen auf. Altertum: vor dem Bergbau — Mittelalter: Zeit des aktiven Bergbaus — Neuzeit: die Zeit danach. „Der Bergbau hat Alsdorf geprägt und sein Zentrum bestimmt. Das nimmt das neue Kultur- und Bildungszentrum auf, auch mit der grau gehaltenen Außenfront. Man kehrt zu seinen Wurzeln zurück. Das hat eine innere Logik“, sagt Bast.

Da ist sie wieder, die Liebe zur Geschichte, die ihn im Jahre 1980 mit Gleichgesinnten den Alsdorfer Geschichtsvereins gründen ließ. Wo kommt das her? „Neben Erdkunde war Geschichte schon in der Schule mein liebstes Fach. Wie war das eigentlich? Warum sind wir da und so, wie wir sind?“ Mehr noch: „Wie konnte es zum Nationalsozialismus und den unsägliche Taten kommen?“ Und lernt der Mensch aus der eigenen Geschichte? „Identische Vorgänge gibt es nicht, aber Parallelen. Also Vorgänge, aus denen der Mensch durchaus lernen könnte“, sagt er. „Aber offenbar werden immer wieder dieselben Fehler gemacht“, bedauert er. Das heißt aber nicht, dass der Stein nicht immer wieder den Berg hinaufgerollt werden muss, in der Hoffnung, dass da mal was an Erkenntnis hängen und der Stein auf dem Gipfel liegen bleibt. Sisyphos lässt grüßen.

Bast hat in seinem langen Leben entsprechend gesellschaftlich relevante Aktivitäten entwickelt, gerade als Mahner der Gräuel des NS-Regimes. Bei aller Ernsthaftigkeit hat Bast in all den Jahren auch reichlich Sinn für Humor bewiesen. Er gilt als Vater der „Gardeströpp“. Die Nachwuchsabteilung der Alsdorfer Prinzengarde fand ihren Ursprung 1971, als Sportlehrer Georg Jäger Prinz im Alsdorfer Karneval war. Die Gardeströppsitzungen sind dank karnevalsbegeisterter Schüler und Lehrer des Gymnasiums zu einer Institution geworden.

Und jenseits der 80? Reisen will er, und weiterhin für das Erscheinen weitere Jahresblätter des Geschichtsvereins Alsdorf Sorge tragen, sagt Bast. „Ich will mich und meine grauen Zellen in Bewegung halten. Wer rastet, der rostet.“ Und schlägt das Angebot aus, ihn mit dem Wagen nach Hause zu fahren. Denn es ist ein schöner, sonniger Tag, dem hoffentlich noch viele weitere folgen werden.