Herzogenrath: Gesamtschule Kohlscheid: „Entsetzt“ über Fertigstellungstermin August 2021

Herzogenrath : Gesamtschule Kohlscheid: „Entsetzt“ über Fertigstellungstermin August 2021

Erst im März 2019 ende das Bieterverfahren und zum August 2020 solle die Schule schon fertig sein? Daran wollten weder Dr. Manfred Fleckenstein (SPD) noch seine Ratskollegen glauben. In einer Sondersitzung haben die Ausschüsse für Bildung, Sport und Kultur (BSK) sowie Bau und Verkehr jetzt den Start zum Um- und Anbau der Schule Kircheichstraße und den Bieterwettbewerb für qualifizierte Totalunternehmer diskutiert.

Parallel wurde die Erkundung respektive Sicherung der unter dem Grundstück verlaufenden Flöze Großlangenberg, Meister und Geelarsch, Relikte des in Kohlscheid allgegenwärtigen Altbergbaus, beschlossen.

Im Sommer 2020 läuft die Gesamtschule mit dem letzten Jahrgang (13) voll, spätestens dann sollen auch die baulichen Gegebenheiten stimmen, so zumindest lautete einst die Vorgabe der Politik.

Die Zeitschiene der Planer läuft derweil auf August 2021 hinaus. So war es den Informationen im Ausschuss zum Ablauf des Vergabeverfahrens zu entnehmen, das in enger Verzahnung mit der Stadtverwaltung von der Firma DU Diederichs Projektmanagement betreut wird. Basis ist das Raumkonzept, das das Büro Kersting & Gallhoff für die Erweiterung und die Umbaumaßnahmen im Bestand entwickelt hat. Dabei stehen — abhängig vom Flözverlauf und dem Bescheid zur Kostenübernahme für die Bodensanierung durch die Bezirksregierung Arnsberg sowie von der Entscheidung in Sachen Standort neue Schwimmhalle drei Varianten in Rede: 1) ein dreigeschossiger Ergänzungsbau entlang der Zellerstraße, der vor dem KSV-Sportplatz abgewinkelt wird; 2) ein mit Blick auf den Flöz Großlangenberg verkürzter Anbau an der Zellerstraße und ein zweiter Neubau anstelle der abzureißenden Toiletten- und Umkleideanlage gegenüber; 3) letztere Variante ergänzt um ein Lehrschwimmbecken im Erdgeschoss des zweiten Neubaus.

Per Matrixsystem, in das die Bieter ihre Gebote eintragen können, soll die Ausschreibung nun vorangebracht werden, EU-weit, wie Projektmanager Alexander Wirtz für DU Diederichs darlegte. So sind neben dem Raumkonzept Funktionsschemata erstellt und Materialqualitäten definiert worden, wie der Technische Beigeordnete Ragnar Migenda im Gespräch mit unserer Zeitung erläutert. Im ersten Schritt der Ausschreibung erfolge die Auswahl des Bieters — anhand seiner Matrixeinträge, aber auch seiner Referenzen. Der zweite Schritt stelle die engere Ausschreibung mit Entwurf, Preiskalkulation und Zeitschiene dar. Erfolgt der Zuschlag, werde im Vertrag schließlich die Kostenobergrenze genauso festgelegt wie das Übergabedatum. Migenda verweist auf Gestaltungsspielräume des Bieters, der hinsichtlich der Bauausführung möglicherweise auch zeitsparendes Know-how einbringe — und dazu unter Umständen einen variierten Entwurf. Raumprogramm und Funktionsschema seien vorgegeben, so Migenda, „der Rest muss sich entwickeln“.

Barbara Onkels, Gesamtschuldirektorin und Vertreterin für die weiterführenden Schulen im BSK, gab sich zum einen fast schicksalsergeben („Als Schule sind wir am Ende der Kette, ich habe gelernt, mit der Situation umzugehen“), umriss dann nochmals die jetzt schon knappe Raumsituation samt Doppelnutzungen in den beiden zur Verfügung stehenden Schulgebäuden und appellierte, das Beste aus der Lage zu machen.

Die Reaktionen der Politik zum aus ihrer Sicht um ein Jahr verzögerten Fertigstellungstermin reichten von „entsetzt“ (Bruno Barth, UBL) über Verunsicherung (Dr. Bernd Fasel, Grüne) bis „angst und bange“ (Renate Gülpen, CDU), bevor man sich parteiübergreifend auf die Suche nach Zeiteinsparpotenzial machte. Bergbauingenieur Martin Buschmann von der Aachener Ingenieurgesellschaft SST, der mit technischen Details zur Bodensanierung aufgewartet hatte, winkte sofort ab („Kein Potenzial erkennbar, wir müssen die Fläche baureif machen“). Und die Experten von DU Diederichs sahen in puncto Bieterverfahren und Bauausführung unter anderem mit Blick auf die derzeitige Marktsituation („volle Auftragsbücher“) allenfalls „Luft von ein bis zwei Monaten“. Wobei natürlich alles vom fertigen Baugrund abhänge ...

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