Würselen: Gesamtschule hat Hausaufgaben gemacht

Würselen: Gesamtschule hat Hausaufgaben gemacht

Bis auf Kleinigkeiten sind die Aufgaben bereits erledigt und das Haus bestellt. Die Schüler können kommen — und sie werden auch bald da sei. 108 Fünftklässler werden es sein, aufgeteilt in vier Klassen. Die Gesamtschule Würselen startet also vierzügig.

Am Donnerstag, 13. August, öffnet sie in Würselen ihre Pforten. Ab 9 Uhr werden in der Turnhalle der in zwei Jahren auslaufenden Gemeinschaftshauptschule an der Lehnstraße bei einer kleinen Feier unter anderem Vertreter der Bezirksregierung und des Schulträgers Stadt Würselen das Wort ergreifen. Danach lernen sich die Klassenleiterteams und die Schüler kennen, haben Angehörige die Gelegenheit, miteinander und mit Vertretern der Schule zu sprechen. Ein historischer Tag für Würselen, denn eine neue Schulform geht dort an den Start. Schulleiter Olaf Staecker und sein Stellvertreter Jan Brumberg freuen sich, dass es jetzt endlich losgeht.

Für die beiden „Chefs“ und ihr Team, das zunächst aus zehn Lehrern (davon zwei Förderlehrer in Sachen Inklusion) sowie einer Sekretärin besteht, die stundenweise vom nahen Gymnasium „ausgeliehen“ wird, steht echte Pionierarbeit an. Was in anderen länger existierenden Schulen bewährte und dauernd zu aktualisierende Praxis ist, muss sich in der neuen Gesamtschule erst einmal einspielen. Eine spannende Herausforderung, sagen die beiden. „Wir wünschen uns, dass es endlich losgeht“, sagt Brumberg.

Die Vorbereitungen dazu laufen bereits seit Februar, ruft Staecker in Erinnerung. „Der Schulträger Stadt Würselen hat hier viel Geld investiert, damit die Gesamtschule auch gut startet.“ Alle Räume der GHS, die nun die Gesamtschule zwei Jahre nutzen soll, bevor hoffentlich der Umzug an den neuen, jetzt noch nicht feststehenden Standort erfolgt, wurden renoviert (siehe Infobox).

Die ihrem „Ende“ nahe GHS nutzt noch mit den beiden Neuner- und Zehner-Klassen das Erdgeschoss. Die drei Etagen darüber stehen der neuen Gesamtschule zur Verfügung. Gemeinsam genutzt werden die naturwissenschaftlichen Räume (Chemie und Biologie), wie Staecker beschreibt.

Im provisorisch eingerichteten Lehrerzimmer der Gesamtschule liegen Wanduhren bereit, die zum Schulbeginn auf die Klassen verteilt werden. Bereits gut ausgestattet ist der Werkraum. „Hier wird es zu Anfang vorrangig um Holzarbeiten gehen“, sagt der Schulleiter. Erste Instrumente zur Ausstattung des Musikraums sind geliefert. Weitere folgen. Viel gutes Mobiliar und auch Technikausrüstung wurde von der auslaufenden Förderschule herübergeschafft, wie Brumberg sagt.

Erfreulicher Weise hat sich aus dem Kreis der Eltern des ersten Jahrgangs bereits ein Förderverein gebildet, wie Staecker hervorhebt. Dieser wolle auch schon am Eröffnungstag aktiv werden. Angesichts dieses Elans dürfte sich die Schule auf weitere effektive Unterstützung aus Reihen der Erziehungsberechtigten freuen.

Die neue Gesamtschule wird als Ganztagsschule gefahren. Das heißt: Bis auf einen Konferenztag die Woche und freitags wird jeweils bis 15.45 Uhr unterrichtet. Das Mittagessen kann nur freitags in der Mensa des nahen Gymnasiums eingenommen werden.

Ansonsten liefert ein Caterer im Auftrag des Mensavereins Würselen zum Verzehr „heißes“ Essen an, das Lehrer und Schüler gemeinsam im Forum des Gesamtschule einnehmen. „Dieses Gemeinschaftserlebnis inklusiver damit verbundener Dienste ist Bestandteil unseres Konzepts“, sagt Staecker (48), der zuletzt Leiter der Realschule Linnich war und der somit über reichlich Erfahrung als Leiter verfügt. Sein Stellvertreter Brumberg (41) bringt mitsamt eigener Pennälerzeit rund 30 Jahre „Gesamtschulerfahrung“ ein, war zuvor zwölf Jahre lang an der Gustav-Heinemann-Gesamtschule in Alsdorf tätig. Er ist der Fachmann für die Sekundarstufe II.

„Wir werden alle Abschlüsse an der Gesamtschule Würselen ermöglichen“, sagt der Schulleiter Staecker. Ziel sei es aber, möglichst viele Kinder in Richtung Abitur zu führen, „wenngleich auch auf anderen Wegen als am Gymnasium“. Mit Einführung der zentralen Abschlussprüfungen sei die Vergleichbarkeit gegeben, will die Leitung der neuen Gesamtschule die Konkurrenz unter Schulen und Schulformen keinesfalls scheuen.

Klares Votum für Neubau

Im nächsten Jahr wird das Kollegium mit den nächsten Eingangsklassen wachsen. Danach aber müsse der Umzug in neue Räume realisiert werden. Staecker und Brumberg lassen keinen Zweifel daran, dass aus ihrer Sicht die Unterbringung in einem Neubau die sinnvollste Variante sei. „Wir brauchen eine moderne, konkurrenzfähige Einrichtung. Andere Kommunen haben das auch“, sagt Staecker.

Der Würselener Stadtrat will Ende September entscheiden. Alternativ wird die Ertüchtigung der auslaufenden Realschule an der Tittelsstraße diskutiert. Staecker rät davon ab: „Unter einem Umbau im laufenden Schulbetrieb leiden alle Beteiligten. Das würde viel Unruhe im Schulalltag geben.“ Zudem seien Verzögerungen beim Umbau nicht auszuschließen. Wer wisse schon, auf welche Überraschungen dabei die Handwerker treffen. Nur im Notfall könnte die Gesamtschule noch ein drittes Jahr ohne zusätzliche Containerklassen im alten GHS-Gebäude zurecht kommen. „Aber pädagogisch sinnvoll wäre das nicht“, betont der Schulleiter.