Alsdorf: Gerichtstermin: Vom Zirkus um den Circus Amany

Alsdorf: Gerichtstermin: Vom Zirkus um den Circus Amany

An diesem Freitag treffen sich die Stadt Alsdorf und der Circus Amany vor Gericht. Hintergrund ist eine recht verworrene Geschichte. Und die geht so: Der Circus Amany wollte am Anfang der Prämienstraße auf Höhe der Euregiobahn-Haltestelle sein Winterquartier beziehen und einen Weihnachtszirkus veranstalten. Er fragte den mutmaßlichen Eigentümer der Fläche nach Erlaubnis, die Franz Plum GmbH & Co.KG, in Alsdorf kurz „Schrott-Plum“ genannt.

Der Seniorchef sagte zu, stellte sogar einen Container und setzte einen Vertrag auf — offenbar ohne genaue Kenntnis darüber zu haben, wo genau seine eigene Grundstücksgrenze verlief. Tatsächlich schlug die Familie Neigert dann ihre Zelte nicht auf Plums Gelände auf, sondern auf einer Fläche des EBV, die an die Stadt Alsdorf verpachtet ist. Und die sagt nun, ihr Privatgelände sei ungefragt okkupiert worden.

„Wir sind uns keiner Schuld bewusst“, sagt Bianca Neigert, in ihrem Wohnwagen sitzend. Ihr Vater, Ludwig Neigert, setzt sich ein paar Minuten später mit an den kleinen Esstisch. Die Heizung läuft auf Hochtouren, draußen ist es nasskalt. „Wenn wir hier Gastspiele abgehalten haben, hat sich ja auch nie einer beschwert“, so die Tochter weiter. Von November bis Anfang März wollten die zwölf Familienmitglieder mit ihren 20 Tieren auf dem größtenteils unbefestigten Areal bleiben.

„Wir haben keine Alternative, wo wir bleiben könnten“, sagt der Vater. Vier Jahre habe man in Scherpenseel (Übach-Palenberg) in der kalten Jahreszeit Quartier beziehen können, aber nun sei das Gelände verkauft. Bemühungen, hier in der Umgebung eine Alternative zu finden, schlugen bislang fehl. Genügend Platz muss vorhanden sein, außerdem Wasser-, Strom- und Kanalanschlüsse.

Bürgermeister Alfred Sonders (SPD) zeigte sich am Dienstag mehr als verärgert ob des Umstands, dass der Zirkus nach mehreren Wochen immer noch auf dem Platz steht. „Wenn jemand kommt und anständig fragt, ist das alles kein Problem. Aber unverschämt, frech und dreist einfach ein Privatgelände zu besetzen — da geht meine Bereitschaft zum Entgegenkommen gen Null.“ Die Stadt sei laut Pachtvertrag verpflichtet, die Fläche, die als Park- and Ride-Parkplatz gedacht ist, freizuhalten.

Im Pachtvertrag steht aber auch, dass die Stadt die Fläche für Zirkusveranstaltungen zur Verfügung stellen darf. Von einem mehrmonatigen Winterquartier ist allerdings nicht die Rede. Wieder Sonders: „Als ordentlich funktionierender Zirkus muss man sich auch um ein ordentliches Winterquartier kümmern. Strom habe Plum der Familie Neigert zur Verfügung gestellt, für Frischwasser habe der Zirkus einfach eine öffentliche Leitung angezapft.

„Wie ein guter Nachbar“

Ulrike Plum, Prokuristin des Unternehmens, war sichtlich zerknirscht. „Das sind arme Menschen. Wenn die eine Frage an uns hatten, haben wir immer geholfen.“ Auf den Parkplatz habe man immer „wie ein guter Nachbar“ Acht gegeben, wilde Camper ferngehalten und auch mal das Grün weggeschnitten. Bislang habe es keine Differenzen gegeben, wenn der Zirkus zu Gast gewesen sei.

Aber seit diesem Jahr habe sich die Tonart deutlich verändert. Warum, wisse sie nicht. Als sehr unglücklich empfinde sie es, dass dem Vater ein Fehler unterlaufen sei, was die eigenen Grundstücksgrenzen anbelange. Sie hoffe aber, dass sich die Angelegenheit noch regeln lasse.

Da es sich um keinen öffentlichen Raum handelt, kann die Stadt in diesem Fall nicht als Ordnungsbehörde eingreifen. Sie muss als privater Pächter auch den privatrechtlichen Weg beschreiten und versucht nun am Freitag vor dem Amtsgericht Aachen, eine Verfügung zu erwirken.

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