Alsdorf: Gemütlicher Abend für die Sinne

Alsdorf: Gemütlicher Abend für die Sinne

Es war ein Abend bei alten Freunden. In der Heimat sozusagen, wo er lange nicht mehr aufgetreten war. Autor Georg Schneiderwind wohnt mit seiner Familie, mit Frau und Tochter, in Mönchengladbach, stammt aber aus der Begau. Seine Anhängerschaft ist ihm treu geblieben, so war der Raum auf der ersten Etage der Stadthalle, in dem Schneiderwind zusammen mit Ehefrau Elke verschiedene Texte vortrug, durchweg gut gefüllt.

Kerzen brannten auf den Tischen, willkommen zu einem gemütlichen Abend für die Sinne. Was zum Schmunzeln gab es, was zum Nachdenken, was zum Wachrütteln. Georg Schneiderwind, im wahren Leben Lehrer an einer Gesamtschule, ließ keinen Aspekt des Lebens außen vor. Eine lange verflossene Liebe schilderte er mit der Stilblüte „Zum Abschied haben wir uns noch mit scharfem ‚s‘ geküsst.“ Er beschwor den Zeitgeist; Wortspiele und -verdrehungen sind sein besonderes Geschick.

Ist unser Wohlstand gefährlich oder gefährdet, vielleicht auch mit Blick auf den Strom der Flüchtlinge? Schneiderwind benannte das Mittelmeer, in dem schon so viele Flüchtenden ihr Leben gelassen haben, in Tränenmeer um. Dann wieder eine Wortspielerei par excellence mit dem Begriff Chancengleichheit. Keiner seiner Zuhörer hat diesen Begriff wohl schon von so vielen Seiten betrachtet wie Schneiderwind an diesem Abend.

Um der Interpretation des Gehörten den nötigen Raum zu geben, spielte Joel Kamphausen, ehemaliger Schüler des Autors, zwischendurch kurze Stücke auf der Oboe.

Schneiderwind hatte sein Ende 2015 im Altius Verlag erschienenes Buch „Spuren vor der nächsten Welle — Gedichte“ im Gepäck, dessen Titelseite Tochter Jessica mit einem Foto von der Insel Langeoog schmückte. Inspiriert von den Weiten der See und dem Rauschen des Meeres hat Schneiderwind diese lyrischen Episoden verfasst. Beim Vortrag seines Lieblingsstückes forderte er das Publikum auf, die Augen zu schließen, um das Gehörte intensiver erfahren zu können.

Die zentrale Botschaft des Autors, der Philosophie und Religion studiert hat, lautete, dass Liebe und Kreativität dem Misstrauen in der Gesellschaft entgegenzuwirken vermögen.

(ust)
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