Gemischte Tendenz bei den Einbruchszahlen im Nordkreis

Tipps der Polizei : Gemischte Tendenz bei den Einbruchszahlen im Nordkreis

Die sogenannte dunkle Jahreszeit hat begonnen, allgemein korreliert mit einer Steigerung der Einbruchszahlen. Wie sieht es im Nordkreis aus? Welche Tipps gibt die Polizei?

Es ist eine höchst verstörende Vorstellung: in den eigenen vier Wänden überfallen zu werden. Eine 71-jährige Frau hat dies am Samstag an der Elbinger Straße in Alsdorf erleben müssen. Maskierte Unbekannte waren in ihr Haus eingedrungen und bedrohten sie mit einer Pistole und einer Art Schlagstock, wie die Polizei schildert. Offenbar vermuteten die Täter einen Tresor im Haus und zwangen ihr Opfer, den vermeintlichen Standort preiszugeben.

Der Frau gelang es jedoch, in den Garten zu flüchten, wo sie laut um Hilfe rief und zum Glück von Nachbarn gehört wurde, die sofort herbeieilten. Die Täter flüchteten daraufhin in unbekannte Richtung. Wie sich herausstellte, waren die Einbrecher zunächst in die Wohnung des Sohnes der 71-Jährigen im Obergeschoss des Hauses eingedrungen, der zum Tatzeitpunkt nicht zu Hause war. Hier hatten sie Schmuck und Bargeld erbeutet. Über die Treppe gelangten sie dann in den Wohnbereich der Mutter, von der sie sich offensichtlich Aufschluss über noch mehr Beute erhofften. Eine sofort eingeleitete Fahndung brachte die Polizei nicht auf die Spur der beiden Männer, die offenbar im Schutz der Dunkelheit entwischen konnten.

Einer der Täter war laut Zeugenaussage etwa 1,85 Meter groß und schmal. Der zweite Täter etwa 1,70 Meter groß und korpulent. Beide sollen Deutsch mit ausländischem Akzent gesprochen haben. Wer also im Bereich der Siedlung Ost verdächtige Beobachtungen gemacht hat, sollte dies unverzüglich melden. Hinweise erbittet die Kripo in Aachen, 0241/9577-31401 oder -34210 (außerhalb der Bürostunden).

„Riegel vor!“

Alle Jahre wieder startet die Polizei mit Beginn der dunklen Jahreszeit ihre Kampagne „Riegel vor! Sicher ist sicherer“. Kern der Aktion, die auch auf der Homepage der Polizeibehörde Aachen ausführlich beschrieben wird, ist der „dreifache Riegel“ gegen Einbrecher: auf verdächtige Personen oder Situationen im Umfeld achten, im Verdachtsfall sofort über 110 die Polizei alarmieren und sich „neutral und kostenlos“ von der Polizei zum Thema Einbruchsschutz beraten lassen.

Zur Wirksamkeit probater Sicherungsmaßnahmen an Haus und Wohnung nennt die Polizei Zahlen: Bereits im Jahr 2017 sei die Zahl der Wohnungseinbrüche landesweit deutlich zurückgegangen. Mit rund 39.000 Fällen habe es ein Viertel (25,7 Prozent) weniger Wohnungseinbrüche als im Jahr 2016 gegeben. Von den 39.057 Wohnungseinbrüchen in NRW seien 46,3 Prozent im Versuch stecken geblieben. Hier zeige sich, so die Landespolizei, „wie wichtig es ist, den Einbruchschutz des Hauses oder der Wohnung zu verbessern“.

Paul Kemen, Sprecher der Aachener Polizei, nennt auf Nachfrage unserer Zeitung für das laufende Jahr zwar keine Zahlen („Die können wir noch nicht nennen“), aber Tendenzen in Sachen Wohnungseinbruch in unserer Region bis zur 45. Kalenderwoche, sprich inklusive 11. November. Städteregionsweit seien die Einbruchsfälle um rund 20 Prozent zurückgegangen, so die „vorsichtige Feststellung“, da der Dezember gerade erst begonnen habe.

Einbruchsserie zu Jahresbeginn

Was die vier Nordkreiskommunen angeht, so sei in Alsdorf eine deutliche Steigerung zu verzeichnen. Hier hatte es im vergangenen Jahr 81 angezeigte Fälle gegeben, die ein Minus von rund 23 Prozent im Vergleich zu 2016 bedeuteten.

Zu Beginn des Jahres 2018 war es dann zu einer Serie an Einbrüchen gekommen. Vor allem in Zopp, Duffesheide und Busch häuften sich die Taten, die die Kripo aufgrund der Vorgehensweise, der Art der Beute und der teilweise relativ langen zeitlichen Abstände zunächst keiner professionellen Bande zuordneten. Im April wurde ein 30-Jähriger aus der Alsdorfer Drogenszene festgenommen. Wie sich später herausstellen sollte, waren die Taten doch bandenmäßig organisiert.

In Baesweiler hat sich die Zahl der Wohnungseinbrüche nahezu verdoppelt, wie Kemen darlegt. Allerdings liegt hier das Niveau ohnehin niedrig, waren im Vorjahr insgesamt nur 22 Fälle gemeldet worden, die einen 26-prozentigen Rückgang zum Aufkommen von 2016 darstellten.

Deutlich weniger Fälle als im vergangenen Jahr hat die Polizei indessen in Herzogenrath und Würselen verzeichnet. 87 Fälle waren es in Herzogenrath in 2017, wo 2016 allerdings 172 Fälle angezeigt wurden. 91 Fälle wurden 2017 in Würselen aktenkundig, 120 waren es hier 2016 gewesen. In beiden Städten ist die Einbruchshäufigkeit also fortgesetzt rückläufig – und entspricht damit dem Landestrend.

Der von der Polizei regelmäßig gepflegte „Einbruchsradar“  verzeichnet zuletzt für die 47. Kalenderwoche im Nordkreis je einen Einbruch in Straß, Forensberg, Würselen und Broichweiden sowie fünf Fälle in Alsdorf: „Dabei handelt es sich um die vermeldete Serie an versuchten Geschäftseinbrüchen“, so Paul Kemen. Tatorte waren ein Bike-Shop an der Bahnhofstraße sowie eine Apotheke und eine Shisha-Bar an der Rathausstraße. Die Einbrüche scheiterten unter anderem, weil Ladenlokale mit Sicherheitsglas ausgerüstet waren, die auch Pflastersteinen standhielten. Bei einem Kiosk an der Luisenstraße war das aber offenbar nicht der Fall, den Unbekannte in der Nacht zum 29. November heimsuchten. Sie zerschlugen das Schaufenster und stahlen Waren aus der Auslage. https://aachen.polizei.nrw