Herzogenrath: Gemeinsam Wurzeln schlagen

Herzogenrath: Gemeinsam Wurzeln schlagen

Wichtig ist das Interesse von Einheimischen und Migranten - denn nur zusammen macht Gärtnern im interkulturellen Garten Sinn.

Die Menschen sollen durch gemeinsame Arbeit auf der Scholle zueinander finden und, im Falle der Bürger mit Migrationshintergrund, im wahrsten Sinne des Wortes in Herzogenrath Wurzeln schlagen. Die Idee hinter den Gärten, die Menschen zusammenbringen sollen, wird Gudrun Walesch am 18. April vorstellen.

Das Grundstück für das Projekt, initiiert vom Integrationsrat und dem Soziokulturellen Zentrum Klösterchen, ist gefunden: ein Streifen am Rand des ehemaligen Vetrotex-Geländes. Das habe Bürgermeister Christoph von den Driesch zugesagt, erklärt Wilfried Hammers, Vorsitzender des Fördervereins Arbeit, Umwelt und Kultur in der Region Aachen, Trägerverein des Klösterchens. Der Flecken direkt dahinter bringt Vorteile, kann doch die Infrastruktur mitbenutzt werden. Hier können Hobby-Gärtner Schutz vor Regen finden, Geräte unterstellen oder einem dringenden Bedürfnis nachkommen.

Jetzt kommt es auf die Resonanz an. Uniformität lehnen Fehmi Tarasi, Vorsitzender des Integrationsrats, und Wilfried Hammers jedoch nicht nur in den Nationalitäten ab, die im Garten aktiv sein sollen. Nach dem Motto „Zusammen ernten, essen, feiern” sollen auch Anbau, Zubereitung und Verzehr von Pflanzen aus verschiedenen Teilen der Welt beitragen, sein Gegenüber kennenzulernen. Neben alteingesessenen Rodabürgern sollen vor allem Menschen angesprochen werden, die erst seit kurzem hier zu Hause sind. „Willkommen ist aber jeder, der Interesse hat”, betont Tarasi. Mit geringen Mitteln könne hier Integration auf einer anderen als der politischen Ebene erreicht werden. Denn viel braucht es nicht: ein Grundstück, ein wenig Material, Leute und guten Willen. Begonnen hatte alles mit einem Antrag der Linken im Integrationsrat, einen interkulturellen Garten zu schaffen. Dann konnte man sich aber nicht auf ein Grundstück einigen.

Diese Saat soll aufgehen

„Erst mit dem Vorschlag von Wilfried Hammers, beim Klösterchen einen interkulturellen Garten zu installieren, kam alles ins Rollen”, sagt Tarasi. Persönliche Parzellen sind nicht geplant, vielmehr eine Fläche, auf der alle mitarbeiten. Wenn aus dem Projekt etwas wird, erwarten die Initiatoren Aha-Effekte. Denn Landwirtschaft gehört zur Kulturgeschichte aller Menschen. „Wenn von der Saat im Garten nur 60 bis 70 Prozent aufgeht”, sagt Hammers, „dann ist das ein Spiegel der Integration, die eben auch nie zu 100 Prozent gelingt”.

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