Gegen das Insektensterben: Herzogenrath soll tätig werden

Herzogenrath: Gegen das Insektensterben: Stadt soll tätig werden

Die Stadt Herzogenrath soll sich intensiv mit dem massiven Insektensterben befassen — das fordern lokale Naturschutzverbände. Denn: Das Problem sei zwar seit langem bekannt, getan habe sich aber leider viel zu wenig.

Deswegen wollen die Naturfreunde Herzogenrath-Merkstein, das Soziokulturelle Zentrum „Klösterchen“, der Bioland-Hof Gut Paulinenwäldchen, die AG Wurmtal sowie der Naturschutzbund (Nabu) Aachen-Land und der BUND Aachen-Land, dass schnellstmöglich Maßnahmen in die Wege geleitet werden, die das Insektensterben aufhalten, wenn nicht sogar beenden.

Heimische Blühpflanzen

Dafür haben sie eine Liste mit Forderungen, die zum Teil nur von der Stadt umzusetzen sind, zusammengestellt. Unter anderem sollen die städtischen Grünflächen mit heimischen Blühpflanzen versehen werden, Flächenversiegelungen sollen reduziert und Mäharbeiten an Wegesrändern und Straßen vor dem Aussamen der Wildkräuter unterlassen werden.

Damit aber nicht genug. Die Naturverbände fordern zudem, dass die Stadt bei allen Grünarbeiten auf Pestizide verzichtet. Und: Flächen, die im Besitz der Stadt Herzogenrath sind, sollen auch als pestizidfrei ausgewiesen werden.

„Die Stadt hat eine Vorbildfunktion. Wenn sie auf Pestizide verzichtet, werden sich andere Unternehmen und Privatleute vielleicht auch Alternativen überlegen“, hofft Wilfried Hammers vom „Klösterchen“, der die Bürgeranregung mit initiiert hat.

Kleinere Projekte, etwa Wildbienenhotels an Wegesrändern, könnten die Initiativen selbst installieren. Dafür bräuchten sie allerdings eine Genehmigung, und die muss wiederum von der Stadt erteilt werden. Klar. „Eine Stadt Herzogenrath kann sicher nur einen kleinen Beitrag zu einer Umkehr leisten“, sagt Bruno Barth, Vorsitzender der Naturfreunde. „Aber auch kleine Schritte sind wichtig, wenn sie in die richtige Richtung gehen.“

Einer aktuellen Studie zufolge ist die Zahl der Fluginsekten in Teilen Deutschlands erheblich zurückgegangen. In den vergangenen 27 Jahren hat die Gesamtmasse um mehr als 75 Prozent abgenommen, berichten Wissenschaftler im Online-Fachmagazin „Plos one“. Die Analyse bestätigt erste, im Sommer vorgestellte Ergebnisse.

Die Ursachen des Insektensterbens sind längst bekannt: der Wegfall landwirtschaftlicher Vielfalt zugunsten einer industriellen Landwirtschaft mit massivem Einsatz von Pestiziden, Massentierhaltung, Agrarmonokulturen. Hecken, Sträucher und naturbelassene Flächen haben immer größerer Versiegelung weichen müssen.

Umso wichtiger ist es für die Akteure, schnellstmöglich zu reagieren. Schließlich bestäuben Insekten Pflanzen und dienen anderen Tieren als Nahrung — das Ökosystem müsse zusammengehalten werden, so lange es noch möglich ist.

Andere Städte, beispielsweise Alsdorf und Würselen, haben bereits Grünstreifen und Blühinseln geschaffen, auf denen unter anderem Wildblumen ausgesät wurden. Die Naturverbände wünschen sich das so auch für Herzogenrath. Allerdings, so sagt Hans Raida vom Nabu, seien die Grünflächen zwar ein erster Schritt, aber man müsse noch viel mehr machen: „Wichtig ist vor allem, dass der Grasschnitt nach dem Mähen abgefahren wird und nicht auf den Flächen liegenbleibt.“

Das sei besser für den Boden und folglich auch für die Insekten. Der Wunsch der in Herzogenrath initiativ gewordenen Organisationen war es eigentlich gewesen, dass ihre Bürgeranregung schon im gestrigen Umwelt- und Planungsausschuss hätte diskutiert werden können. Der Antrag sei fristgemäß eingereicht worden. Geklappt hat das allerdings nicht.

Wie der Technische Beigeordnete der Stadt, Ragnar Migenda, auf Anfrage unserer Zeitung sagt, hätte man das zeitlich auf Grund der vielen andere Projekte nicht geschafft. „Es ist ja nicht damit getan, den Antrag auf die Tagesordnung zu setzen. Man muss Zahlen und Fakten liefern, um das Thema diskussionsfähig zu machen“, sagt Migenda.

Er habe zugesichert, die Bürgeranregung in der kommenden Sitzung, die für Januar vorgesehen ist, auf die Tagesordnung zu setzten. Generell habe er Verständnis dafür, dass die Bürger darauf drängen, die Maßnahmen schnellstmöglich umzusetzen.

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