Geflüchtete junge Menschen erzählen ihre Geschichte

Ausstellung eröffnet : Geflüchtete junge Menschen erzählen ihre Geschichte

„Wir sind eine große Familie“, sagt Künstlerin Vera Sous über die Künstlergruppe AHOI. Nachdem seit 2015 jährlich neue Projekte ins Leben gerufen werden, konnte die Künstlergruppe nun erstmalig bei ihrer eigenen Ausstellung mit selbst gemachten Kunstwerken glänzen.

„Weltkulturerben“ ist nun bis zum 7. April im Kunsthaus Eurode-Bahnhof ausgestellt. Von traditionellen Malereien bis hin zu Installationen aus Plastik und dokumentarischen Elementen ist alles dabei.

Wieder zurück zur Kunst

Das Besondere daran ist nicht nur die Mitarbeit von insgesamt 30 Personen, sondern auch, dass die Ausstellung ausschließlich die bewegenden Arbeiten junger Künstler zeigt, die aus Afghanistan, Eritrea, Iran, Kurdistan, Marokko und Syrien geflüchtet sind. In Aachen werden sie seit vielen Jahren von Vera und Ana Sous sowie von Mechthild und Martin Richter-Hassel liebevoll betreut.

„Jeden Freitag treffen wir uns im Ludwig-Forum. Da machen wir Kunst, Musik, quatschen, haben Spaß und trinken Tee“, sagt Ana Sous. „In den letzten Jahren ist viel passiert. Wir haben im Ludwig Forum ein Restaurant gebaut und zwei Monate darin gekocht. Wir haben verschiede Workshops gemacht und ein wunderbares Theaterstück selbst geschrieben und aufgeführt. Jetzt wollten wir wieder zurück zur Kunst und sind wahnsinnig stolz, was hier alles auf die Beine gestellt wurde“, freut sich Vera Sous. „Wir haben Hilfe von so vielen großartigen Menschen, und unsere Familie wächst immer weiter. Wir hören nicht auf!“ Auch neue Leute sind jeden Freitag herzlich willkommen und werden mit großer Freude empfangen.

Mit dem Projekt haben sich die jungen Erwachsenen kritisch und experimentell mit der Frage nach persönlicher und kultureller Identität auseinandergesetzt. Die Ausstellung zeigt auf der einen Seite die politische Ebene der Flucht und erzählt verschiedene Geschichten, auf der anderen Seite wird die Gemeinschaft und der Zusammenhalt thematisiert. „Kunst und Kultur sind eine starke Grundlage, auf die man gesellschaftlich aufbauen kann. Wir haben die Chance, uns im Austausch kulturell weiter zu entwickeln. Auf der einen Seite lernen wir von den verschiedenen Kulturen der Gruppe und auf der anderen Seite können wir unsere Kultur näherbringen.“, sagt Ana Sous über AHOI, „alle sind mit Herz und Seele dabei. Sie wollen gesehen werden und sie wollen steuern, wie sie gesehen werden, nämlich aus einer gemeinschaftlichen, verständnisvollen Sicht.“

Eröffnet wurde die Ausstellung von Professor Fritz G. Rohde. „Ich bin überwältig. Die Kunst, die hier gezeigt wird, ist ganz anders. Hier wird ein politisches und gesellschaftliches Anliegen ausgestellt und Geschichten geschaffen“, sagt Rhode, der sich freut, die Ausstellung im Forum für Kunst und Kultur Herzogenrath begrüßen zu dürfen.

Die Ausstellung ist dienstags bis samstags von 15 bis 18 Uhr im Eurode Bahnhof Herzogenrath in der Bahnhofstraße 15 geöffnet. An Montagen sowie an Feiertagen ist sie geschlossen. Einen ganz besonderen Überraschungsabend, der durch Musik und Lesungen untermauert wird, findet am 23. März  ab 16 Uhr statt.

(lgob)
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