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Nordkreis: Geduldsprobe bei Optiker und Augenarzt

Nordkreis : Geduldsprobe bei Optiker und Augenarzt

Wer in diesen Tagen eine neue Brille auf Rezept haben will, der hat erst einmal das Nachsehen.

Volle Wartezimmer bei den Augenärzten, längere Wartezeiten bei den Optikern, so sieht die aktuelle Situation auch im Nordkreis aus. Uwe Grotensohn übte sich derweil mit seinem Sohn Connor ebenfalls in Geduld in der Praxis eines Alsdorfer Augenarztes: „Was will ich anders machen?”

Die Ursache für die sprunghaft steigende Zahl der Sehschwächen ist schnell ausgemacht: Zum Jahreswechsel tritt das Gesetz zur Modernisierung der gesetzlichen Krankenversicherung in Kraft. Dann müssen Brillen komplett selbst bezahlt werden. So versuchen viele in diesen Tagen, noch einen Termin beim Augenarzt zu vereinbaren.

„Ich habe mit mehreren Ärzten telefonieren müssen. Aber es ist ganz schwierig, die sind ausgebucht”, berichtet Silvia Kawalski aus Baesweiler, die noch Glück in der Alsdorfer Praxis hatte. „Ich habe seit längerem einen Termin”, ist die Alsdorferin Bianca Oberhäuser sichtlich erleichtert, dass ihr dieser Stress erspart blieb.

Für Arzthelferin Marianne Hufschmidt hat der Andrang natürlich ebenfalls Konsequenzen in der damit alles andere als besinnlichen Adventszeit: „Wir haben deutlich mehr zu tun als normalerweise in diesem letzten Quartal.” Im Moment wird in der Praxis nur noch nach Terminvereinbarung gearbeitet. „Manchmal verzichten wir sogar auf unsere Mittagspause”, erzählt sie.

Der Run auf die Optiker-Geschäfte ist in diesen Tagen ebenfalls sehr groß. Nur noch wenige Tage gibt es die Zuschüsse für die Sehhilfen, die immerhin rund 15 bis 80 Euro ausmachten. „Manche waren einige Jahre nicht mehr zum Sehttest und wollen jetzt schnell noch zum Zuge kommen”, berichtet Optiker Thomas Froitzheim.

Der Sehttest beim Optiker wird noch von der Krankenkasse übernommen. „Ab dem nächsten Jahr müssen die Kunden die zehn Euro dann wahrscheinlich selber bezahlen”, berichtet Froitzheim, dass Verhandlungen darüber allerdings noch im Gange seien.

„Vor solchen Reformen ist der Andrang immer groß. Wir sind jetzt komplett ausgelastet”, sagt Optiker Rudolf Schwarz aus Herzogenrath. Und auch in Würselen sieht es nicht anders aus, wie Optiker Thomas Becker berichtet: „Wir haben merklich mehr zu tun. Das ist ganz schön verrückt: Die Leute rennen jetzt in einer gewissen Panik los. Dafür werden wir die ersten vier Monate im neuen Jahr dann deutlich weniger zu tun haben.”

Zuschüsse zahlen die Krankenkassen im kommenden Jahr weiterhin für Kinder unter 18 Jahren und Sehbehinderte mit einer Sehschärfe unter 30 Prozent.

Andrang herrscht übrigens auch bei vielen Allgemeinmedizinern und Zahnärzten im Nordkreis. Viele Patienten versuchen, Medikamente auf Vorrat zu besorgen und auch der Zahnersatz „last minute” ist gefragt. Zuzahlungen für Arzneimittel: Grundsätzlich müssen bei allen Leistungen zehn Prozent zugezahlt werden. Es gilt allerdings eine Höchstgrenze für die Zuzahlung von zehn Euro.

Praxisgebühr: Beim ambulanten Arzt wird eine Praxisgebühr in Höhe von zehn Euro je besuchtem Arzt und Quartal erhoben. Ausgenommen davon sind Arztbesuche aufgrund einer Überweisung.