Alsdorf: Gedenken an schweres Bergbauunglück vor 100 Jahren

Alsdorf: Gedenken an schweres Bergbauunglück vor 100 Jahren

Der schwere Bergbauunfall vom 30. Oktober 1930 hat sich tief ins kollektive Gedächtnis von Alsdorf und der Region eingebrannt. Aber der 29. November 1917? An diesem Tag erschütterte das zweitschwerste Unglück auf Anna die Stadt Alsdorf, aber auch das gesamte Deutsche Reich. 58 Tote, davon 17 russische Kriegsgefangene, sowie 40 Verletzte waren zu beklagen.

Eine defekte Benzol-Lok hatte ein Feuer untertage auf Anna I ausgelöst. Lediglich ein Gedenkstein auf dem Alsdorfer Nordfriedhof erinnert noch an die Katastrophe auf Anna I.

Genau 100 Jahre nach dieser Tragödie veranstaltete der Alsdorfer Geschichtsverein jetzt gemeinsam mit dem Verein Bergbaumuseum Grube Anna im Energeticon eine Gedenkfeier. „Eine Veranstaltung gegen das Vergessen“, wie es Franz Josef Müller-Maqua, Vorsitzender des Geschichtsvereins, formulierte. „Wir wollen den Toten jenseits von nüchternen Zahlen ihre Individualität zurückgeben“, kommentierte Museumsvereins-Vorsitzender Georg Kehren, als die lange Liste der Opfernamen über die Leinwand lief.

Karl Peter Schröder und Georg Kehren rezitierten abwechselnd mit Franz Josef Müller-Maqua Tageszeitungen von 1917, die eindrucksvoll die reichsweite Bestürzung über die Katastrophe verdeutlichten. Mitten im Ersten Weltkrieg waren Tote an der „Heimatfront“, in der kriegswichtigen Bergbauindustrie zu beklagen. Die Quellenlage sei nicht sehr ergiebig, und Fotos vom 29. November 1917 habe man bisher noch gar nicht gefunden, forderte Kehren die Bürgerschaft auf, gegebenenfalls noch privat vorhandene Dokumente den Veranstaltern zu melden.

Für die emotionale Tiefe dieser hervorragend und angemessen gestalteten Veranstaltung sorgte Professor Hans-Christian Schweiker, Kammermusikfreunden bekannt als Intendant des jährlichen Mai-Klassik-Festivals im Energeticon. Mit drei melancholisch interpretierten Cello-Solo-Suiten von J. S. Bach leitete er die Gedenkfeier ein, und untermalte musikalisch einen Stummfilm zum Unglück von 1930. Die Besucher zeigten sich sichtlich berührt von der stilvollen Feier in Erinnerung an die Katastrophe von 1917.