Alsdorf/Eschweiler: Fußball: Acht Monate Sperre nach einem Griff ins Gesicht

Alsdorf/Eschweiler: Fußball: Acht Monate Sperre nach einem Griff ins Gesicht

Für die Dauer von acht Monaten ist der Zuschauer wegen Tätlichkeit und Beleidigung gesperrt, der den Tumult beim Finalspiel der Hallenstadtmeisterschaft in Alsdorf ausgelöst hatte. Dieses Urteil hat die Spruchkammer des Fußballkreises Aachen am Montagabend in Haus Lersch in Eschweiler gefällt.

Über den Hergang waren sich alle einig, Angreifer, Zeugen der betroffenen Vereine und des Gastgebers. Eines stellte Spruchkammervorsitzender Heinrich Josef Loritz klar, bevor er dem Beschuldigten Daniel M. das Wort erteilte: „Wenn es so war, dass Sie den Spieler angegriffen und beleidigt haben, dann sagen Sie es lieber gleich. Denn ich habe hier noch einen anderen Spielbericht vorliegen, aus dem geht hervor, dass sie einen Gegenspieler geschlagen haben.“ Auch wenn M. keinen kausalen Zusammenhang erkennen wollte, bestritt er wenigstens nicht die Ereignisse vom 8. Januar, die zur Rangelei von rund 50 Menschen führten.

An dem Sonntag befand er sich am Spielfeldrand als Zuschauer des Endspiels zwischen SV Alemannia Mariadorf und SpVgg Glück-Auf Ofden. Daniel M., selbst aktives Mitglied von Glück-Auf Ofden, hatte kurz zuvor die Herrensitzung in der Stadthalle besucht. „Ein paar Bierchen“, habe er da getrunken, und weil sein Verein im Finale war, sei die Stimmung ein „bisschen emotionsreicher“ gewesen. Lautstark und gegen die Bande tretend habe er seinem Unmut Luft gemacht.

Nach dem Foulspiel, das zum Freistoß für Ofden führte, sei er aufgesprungen, habe sich über die Bande gebeugt und dem Landalemannen Mert Büyükkelek an den Kopf gepackt. „Das war übertrieben“, räumte M. ein. Er habe „über die Strenge geschlagen“. Aber er habe niemanden angegriffen oder beleidigt. „Schade, dass der Mert nicht hier ist, der könnte das vielleicht bezeugen“, meinte M.. Büyükkelek war am Montagabend verhindert, was aus Sicht der Spruchkammer aber kein Grund für eine Terminverschiebung war.

M.‘s Argument „Ich kenne den Mert schon extrem lange“ ließ Loritz nicht als Relativierung des Geschehenen gelten. Mit anderen Worten: Die Dauer einer Bekanntschaft sagt nichts über deren Qualität aus. Selbst unter Freunden kann es Auseinandersetzungen geben. M. dazu: „Wenn ich jemanden hätte angreifen wollen, dann hätte ich das vielleicht auch gemacht, ich hatte ja ein bisschen was getrunken.“

Zurück zu den Fakten: Unmittelbar nach dem Griff an den Kopf des Mariadorfer Spielers schlug die eh schon aufgeheizte Stimmung in der Halle vollends um. Zuschauer rannten auf das Spielfeld, vor allem aus einem Mariadorfer Fanblock. Die Spieler selbst hielten sich zurück, wie alle Zeugen und Schiedsrichter Thomas Bongard übereinstimmend berichteten.

Durch das sofortige Eingreifen unter anderem der Vereinsverantwortlichen konnte der Tumult schnell unter Kontrolle gebracht werden. An ein Beenden der Partie war aber nicht mehr zu denken, ein Teil der recht jungen Spieler von Alemannia Mariadorf wollte nicht zurück auf den Platz. Die verbleibenden zwei Minuten wurden nicht nachgespielt. Da Ofden mit 4:3 vorne lag, stimmte Mariadorf dem Vorschlag zu, Glück-Auf Ofden nach dem Turnierabbruch zum Sieger 2017 zu erklären.

Ob er sich darüber im Klaren sei, welchen Schaden er den beiden Mannschaften im Finale und dem Veranstalter VfB Alsdorf zugefügt habe, wollte Beisitzer Marc Strauch vom Beschuldigten wissen. „Schon“, antwortete M., „Scheiße. Oh Mann. Was hast Du da gemacht?“, habe er sich später gedacht. Ob er denn auch in Erwägung gezogen habe, dies vor den Betroffenen zum Ausdruck zu bringen, hakte Strauch nach. Nein, habe er nicht, erwiderte M..

Wie Schiedsrichter Bongard schilderte, hatte M. kurz vor dem Angriff auf den Mariadorfer gerufen: „Arschloch! Was soll das?“ Das bestritt M. Da Bongard aber — wie er ausführte — nur zwei Meter entfernt stand und zunächst davon ausgegangen war, die Worte hätten ihm gegolten, war er sich sehr sicher, sie genau so vernommen zu haben.

Der Vorsitzende der Landalemannen, Josef Weitz, lieferte eine weitere Untermauerung dessen: Bereits im Vorfeld sei er von einer Mutter darauf hingewiesen worden, er, Weitz, möge doch bitte dafür sorgen, dass M. die Kraftausdrücke unterlasse, da kleine Kinder anwesend seien. Dem sei er nachgekommen, sagte Weitz.

Schwer tat sich Thomas Bongard bei der exakten Betitelung des körperlichen Vergehens: Ob man von einem Angriff sprechen könne? Geschlagen habe M. ja nicht.

Volker Sacht, stellvertretender Vorsitzender der Spruchkammer, half mit einer Brücke: „Wenn das auf dem Platz passiert wäre, hätte es alleine schon wegen der Beleidigung eine rote Karte gegeben. Und man hat anderen nicht an den Kopf oder ins Gesicht zu packen.“ „Das ist eine Tätlichkeit, auch wenn es kein Schlag war“, ergänzte Loritz. „Die Schwere der Tat ist eine ganz andere Frage.“ Dem konnte sich Bongard anschließen.

Gen Ende der Beweisaufnahme nahm M. dann doch noch die Chance wahr, sich bei allen zu entschuldigen: „Es tut mir leid, dass das so ausgeartet ist.“

Eine knappe halbe Stunde beriet sich die Kammer, bevor Loritz das Urteil verkündete: acht Monate Sperre, wovon vier auf Bewährung ausgesetzt sind. Die Bewährungsfrist beträgt zwölf Monate. Sollte sich M. in dieser Zeit etwas zu Schulden kommen lassen, „sitzt er die acht Monate voll ab“. Außerdem verhängte Loritz wegen des Spielabbruchs ein Ordnungsgeld in Höhe von 200 Euro. 175 Euro fallen für die Sitzungskosten und weitere 15 für die Auslagen des Schiedsrichters an. Mariadorf, der VfB und der Fußballkreis sahen von Rechtsmitteln ab, der Vorsitzende von Gück-Auf Ofden, Peter Harst, wollte nicht sofort darüber entscheiden. Zehn Tage hat er Zeit.

Wie Loritz in seiner Urteilsbegründung ausführte, wäre eine Sperre von sechs Wochen bis 18 Monate denkbar gewesen. Positiv wertete er das Eingestehen des Vergehens und die Entschuldigung, negativ das unrühmliche Verhalten in Gegenwart von Kindern und den Schaden der drei Vereine.

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