Herzogenrath: Für den guten Zweck: Diese Männer suchen Pfandflaschen im Wald

Herzogenrath: Für den guten Zweck: Diese Männer suchen Pfandflaschen im Wald

Es regnet in Strömen, die Temperaturen sind eisig, als sich Ralf Nowak und Günter Hänel an einem Parkplatz in der Nähe vom Teuterhof im Wurmtal treffen. „Das Wetter macht uns nichts, sowas hält uns nicht auf“, sagt Ralf Nowak und klettert gut gelaunt mit einer Tüte in der Hand ins Unterholz.

„Meistens müssen wir gar nicht lange suchen“, fügt sein Sportkollege Günter Hänel an und hebt schon die erste dreckige Bierflasche vom Waldboden auf, „wieder acht Cent mehr“. Acht Cent, die Nowak und Hänel keinesfalls behalten, sondern sparen. Ende jedes Jahres spenden sie dann den gesammelten Betrag für einen guten Zweck.

Sinnvolle Verwendung: „Donum vitae“-Beraterin Martina Hartmann (l.) und Vorstandsmitglied Christa Baggen (r.) freuen sich über die Spende von Günter Hänel und Ralf Nowak. Foto: Anna Küsters

Eine Idee, die dem 58-jährigen Nowak, Hausmeister der Gesamtschule Kohlscheid, vor 15 Jahren kam. Beim Rundgang über den Schulhof fiel ihm immer mehr achtlos weggeschmissenes Leergut auf, dessen Pfand er einlöste. „Ich hab das zwar gesammelt, aber ich brauchte es nicht“, erklärt Nowak. Schon im ersten Jahr brachte er 500 Euro zusammen, die er dann den Sternsingern übergab.

„Irgendwann bekamen die Reinigungskräfte an der Gesamtschule mit, was ich mit den Flaschen mache“, erinnert er sich. Seitdem geben sie alle PET-Flaschen, die sie beim Putzen der Klassenzimmer finden, bei ihm ab. So fließen alleine aus der Schule zurzeit 15 bis 20 Euro wöchentlich in den Spendentopf.

Daneben erhält Nowak, der lange Zeit für den Verein DJK Elmar Kohlscheid Marathonwettkämpfe mitlief, auch viel Unterstützung von seinen dort gewonnenen Sportfreunden. Einer davon ist Günter Hänel. Er hilft Nowak seit zehn Jahren und trifft sich jeden Samstag und Sonntag mit ihm, um bei ausgedehnten Wanderungen Glas- oder Plastikflaschen ausfindig zu machen. „Mein Kollege hat Augen wie ein Luchs, der sieht alles“, schildert Hänel begeistert, „der Blick geht immer rechts und links in die Büsche.“

Allerdings ist kaum eine Flasche oder Dose, die Nowak und Hänel im Wald finden, in einwandfreiem Zustand. Oft sind die Etiketten der Flaschen verdreckt oder fehlen ganz, Dosen sind meist zertreten und würden im normalen Handel nicht mehr angenommen werden. Aber auch dafür hat Nowak eine Lösung: seine Verbindung zu einem Getränkefachgeschäft in Kohlscheid. Dort wissen sie um seinen Einsatz und nehmen, solange man auf den zertretenen Dosen noch das Pfandzeichen erkennen kann und man mit den Flaschen ohne Etikett einen Kasten gefüllt bekommt, alles entgegen.

Sie sammeln dort, wo sonst keiner hinkommt

An ihrem bisher erfolgreichsten Sammeltag waren sie auf diese Hilfsbereitschaft ebenfalls angewiesen. „Wir sammeln nicht bei Events, wie zum Beispiel einem Fußballspiel, sondern nur da, wo sonst keiner hinkommt“, betont Nowak. An besagtem Tag jedoch, als die Alemannia gespielt hatte, kamen beide am Tivoli vorbei und sahen Dosen über Dosen — allerdings alle platt getreten und für bedürftige Pfandsammler nicht mehr zu verwerten. Nowak und Hänel fackelten nicht lange und trugen über 100 überfahrene Dosen zusammen, die sie in Kohlscheid einlösen konnten.

Mehr als 10.000 Euro

In den letzten 15 Jahren wurden so über 10.000 Euro zusammengetragen, 2000 Euro alleine im vergangenen Jahr. Nowak und Hänel entschieden sich, die Summe aufzuteilen: 1500 Euro gingen an die Frühchenstation im Klinikum, 500 Euro übergaben beide diese Woche dem Verein „donum vitae“. Die Schwangerschaftskonfliktberatungsstelle will die Summe in die sexualpädagogische Prävention an Schulen und in eine neue Computeranlage investieren.

Über seine Laufkollegin Christa Baggen, die Vorstandsmitglied bei „donum vitae“ ist, wurde Nowak auf den Aachener Verein aufmerksam. Neben der Gesamtschule Kohlscheid und den Wanderungen durch Aachen und Umgebung haben Hänel und Nowak ihr Flascheneinzugsgebiet vor kurzem noch erweitert: Nach dem Wochenende darf Hänel jetzt auch in der Sportarena im Technologiepark Herzogenrath alle Papierkörbe auf Pfandgut überprüfen, wobei fünf bis sechs Euro zusammenkommen.

„Es ist nicht nur das Geld, was wir weitergeben können, wir machen zeitgleich auch die Natur jedes Mal ein bisschen sauberer“, erzählt Nowak lächelnd. Und auch heute waren sie wieder erfolgreich: Mit einer prall gefüllten Tüte machen er und Hänel sich durch den Regen auf den Heimweg.