Fünfte Musicalproduktion wird für Schüler zur größten Herausforderung

Intensive Probenarbeit : HGG bringt „Die Päpstin” nach Alsdorf

Dass es in der Geschichte der katholischen Kirche jemals wirklich eine Frau auf den Stuhl Petri schaffte, wird in der Geschichtswissenschaft weitestgehend dementiert. Ohne eindeutige Beweise bleibt die Geschichte von „Päpstin Johanna” reiner Legendenstoff, der viele Menschen bis in die heutige Zeit hinein fasziniert.

Nicht zuletzt sorgte der Roman „Die Päpstin” von Donna Woolfolk Cross aus dem Jahr 1996 für einen echten „Hype”. Der Stoff wurde zwischenzeitlich auch als Musical verarbeitet, welches das Heilig-Geist-Gymnasium (HGG) im September in eigener Form auf die Bühne bringen wird. Die bereits fünfte Musicalproduktion wird für das Schülerensemble nach Meinung der Lehrer Martin Busch und Wilfried Bonn die mit Abstand anspruchsvollste.

Vor einigen Monaten war Busch als musikalischer Leiter der schulinternen Musical-Projekte auf das Stück des deutschen Komponisten Dennis Martin aufmerksam geworden. Bevor überhaupt an eine eigene Produktion zu denken war, musste sich die Schule um die Rechte bemühen – eine professionelle Bewerbung mit Videoszenen vergangener HGG-Aufführungen wurde ins hessische Fulda geschickt. Das Stück „Die Päpstin – das Musical” wurde seit der Uraufführung 2011 deutschlandweit aufgeführt und kehrte 2019 an die langjährige Wirkungsstätte der späteren Päpstin Johanna zurück. Der künstlerisch wie finanziell nicht zu unterschätzende Aufwand seitens des Broicher Gymnasiums wurde belohnt – alle Genehmigungen für eine eigene Produktion liegen vor. „Das Werk ist fantastisch. Die Musik bietet all das, was man von Musicals erwarten kann”, freute sich Busch.

Großes Casting

Bereits Anfang März begannen die umfassenden Castings. Mehr als 40 Schüler fanden den Mut, sich vor der Jury um Martin Busch und Thorsten Krause (Musik) sowie Wilfried Bonn und Judith Fuchs (Regie) zu präsentieren. Unter den Bewerbern waren Luisa Wirtz und Katharina Hoppe, beide mit intensiver Schulchorerfahrung ausgestattet. Erste Sporen als Solisten verdienten sich die diesjährige Abiturientin Hoppe und Wirtz als Schülerin der Q2 bereits bei der Chorproduktion „Luther” 2017. Beide traten trotz gehörigem Lampenfieber selbstbewusst vor das Quartett. Die Titel des anstehenden Musicals waren bekannt, beide hatten vor allem die Lieder der Hauptprotagonistin einstudiert und konnten die Jury überzeugen.

Da es zunächst drei Aufführungen in der Alsdorfer Stadthalle geben wird, entschieden die Verantwortlichen, mit einer Ausnahme alle Hauptrollen einfach zu besetzen. „Wir hatten überall die Qual der Wahl. Sowohl Luisa als auch Katharina haben beim Casting eine herausragende Leistung gezeigt. Deshalb haben wir uns entschieden, beide für diese Rolle zu besetzen”, erklärten Busch und Bonn.

Die junge Johanna hat im neunten Jahrhundert als Frau in einer patriarchalischen Gesellschaft keine Chance auf eine höhere Bildung hat. Nach den Tod ihres Bruders gibt sie sich als solcher aus und zieht in das Kloster Fulda unter dem Namen Johannes Anglicus ein. Als nunmehr begabte Medizinerin erhält sie unerkannt die Priesterweihen und gelangt später als Pilgerin nach Rom. Sie wird Leibärztin des Papstes und nach dessen Tod der neue Stellvertreter Christi.

Laut Bonn, der selbst die Rolle die griechischen Gelehrten Aeskulapius übernimmt, sei die Aussage des Werks breit gefächert. Neben der allgegenwärtigen Grundfrage „Was macht Christlichkeit aus”, seien es die zunächst widersprüchlichen Zusammenführungen von zeitgenössischem Rollenverständnis, grenzenloser Liebe sowie dem Wunsch nach Wissen und Freiheit, die den Reiz der Handlung ausmachen. „Es wird viel gestorben, aber auch viel geliebt auf der Bühne”, verriet Bonn. Mit einer prognostizierten Spielzeit von gut zweieinhalb Stunden wird das aktuelle HGG-Ensemble aller Voraussicht nach die Rekorde der Vorgängerproduktionen brechen. Die Dialoge sind fast gänzlich in den Musikpassagen eingebettet.

Während mit Alexa Harst eine alte Bekannte ans Set zurückkehrt ist – bereits bei vorangegangen Projekten zeichnete die Tanzlehrerin verantwortlich für die Choreografien der Einzel- und Gruppentänzer – liefen bis zum Start der Sommerferien auch die Vorbereitungen auf musikalischem Sektor auf Hochtouren. Über 100 Sänger aus Unter-, Mittel, und Oberstufenchor müssen acht lange Stücke einstudieren. Das Schulorchester hat für seine gut 50 Musiker sogar über 20 Titel im Notenbuch stehen. Für die Regieleitung stehen 22 Szenen auf dem Plan, die bis zum Ferienstart alle bereits durchgearbeitet werden konnten. Regieleiter Bonn bezeichnet die Zusammenführung mit dem Orchester und den Chören als eine „detaillierte Collage-Arbeit”. In Zusammenarbeit mit der Fachschaft Kunst wurden die Kulissen sowie ein Teil der Kostüme in Eigenregie kreiert, den Rest bezieht man leihweise von anderen Ensembles.

Der Beginn des Schuljahres 2019/2020 läutet die „ganz heiße Phase” ein. Neben den festen Chor- und Orchesterproben haben gibt es sechs zusätzliche Trainingstage. Die Generalprobe findet in der Stadthalle statt. Das Lampenfieber steigt ungeachtet der laufenden Ferien bei allen Beteiligten. Von Druck möchte am HGG aber niemand etwas wissen. „Wir stellen und dieser Herausforderung, wir haben die Möglichkeiten”,so Bonn und Busch.

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