Nordkreis: Frühzeitig an das Wohnen im Alter denken

Nordkreis: Frühzeitig an das Wohnen im Alter denken

Der demografische Wandel bringt viele Herausforderungen mit sich. Die Schaffung altersgerechter Wohnräume ist eine davon. Darüber ist sich auch Gerhard Weiß, für den gesamten Nordkreis zuständiger Energieberater bei der Alsdorfer Beratungsstelle der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, im Klaren.

„Das ist ein unglaublich wichtiges Thema. Allerdings muss bei den meisten Menschen noch ein Bewusstsein dafür geschaffen werden!“ Für gewöhnlich spreche er seine Kunden im Rahmen einer Energieberatung darauf an, von selbst frage kaum jemand nach. Und dabei ist jeder betroffen. „Der Anteil der so genannten ‚Best Ager‘ an der Gesamtbevölkerung wird immer größer“, sagt Weiß. „Da kommt eine gewaltige Welle auf uns zu — und kaum ein Haus oder eine Wohnung ist dafür gerüstet.“

Dass viele Menschen nicht an die Zukunft denken, wenn es um die eigenen vier Wände geht, sei ebenso nachvollziehbar wie unvernünftig. „Es gibt da ein großes Akzeptanzproblem, weil sich niemand eingestehen will, dass es ihm irgendwann einmal schlechter gehen wird“, erklärt Weiß.

Einigen älteren Menschen seien die Umbauten in ihrem Heim gar so peinlich, dass sie keinen Besuch mehr empfingen und regelrecht vereinsamten. Dabei könne das Gegenteil der Fall sein. „Heutzutage kann man nahezu alle Vorrichtungen äußerst dezent gestalten. Und manches, wie zum Beispiel bodengleiche Duschen, liegt ohnehin im Trend.“

Generell gehe es darum, den Wohnraum den individuellen Bedürfnissen eines Menschen anzupassen, sagt Weiß.

Automatische Beleuchtung

Der Maßnahmenkatalog reiche von barrierefreien Zugängen, breiten Türen und Stellplätzen sowie Treppen mit zusätzlichem Handlauf bis zu intelligenten Haussystemen, die etwa für automatische Beleuchtung sorgen, das Öffnen der Türen per Fingerabdruckscan ermöglichen, Notrufknöpfe mitbringen oder das Steuern der Heizung per Display oder Smartphone zulassen. „Leider ist die Zielgruppe bislang wenig technikbegeistert, aber jüngere Leute sollten solche Möglichkeiten in Betracht ziehen, wenn sie einen Umbau planen.“

Ein Tag im Rollstuhl

Auch für Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen gebe es allerlei praktische Hilfsmittel. Um sich besser in deren Lage hineinversetzen zu können, hat Weiß an einer Fortbildung teilgenommen und einen Tag im Rollstuhl verbracht. „Das war eine gehörige Erfahrung. Und es fallen einem Dinge auf, an die man vorher gar nicht gedacht hat, zum Beispiel die Notwendigkeit niedriger Tür- und Fenstergriffe oder Türspione.“ Viele Maßnahmen böten auch Vorteile für Menschen unterschiedlichsten Alters. So könne eine Rollstuhlrampe oder eine spezielle Abstellmöglichkeit genauso gut für Kinderwagen genutzt werden, etwa in einem Mehrgenerationenhaus.

Gerhard Weiß ist sich sicher: Altersgerechtes Umbauen ist Gegenwarts- und Zukunftsthema zugleich. „Gerade in ländlicheren Gebieten werden immer mehr Menschen entsprechende Angebote in Anspruch nehmen wollen. Das ist ein riesiger Markt und eine mehr als sinnvolle Investition.“