Würselen: Frühstücks-Angebot der Albert-Schweitzer-Schule steht vor dem Aus

Würselen: Frühstücks-Angebot der Albert-Schweitzer-Schule steht vor dem Aus

Die zwei kecken Mädels müssen Frühaufsteher sein. Sie sind die ersten an diesem Morgen in der Küche der Albert-Schweitzer-Schule, Helleter Feldchen in Broichweiden. Sie werden mit einem freundlichen „Guten Morgen!” begrüßt.

Karola Szymczak und Praktikant David Ziegler haben alles perfekt vorbereitet. Der Tisch ist gedeckt, Tee gekocht, Obst und Gemüse geschnitten und appetitlich präsentiert. Auf dem Servierwagen stehen dunkles Brot, Wurst, Käse, Quark, Müsli und andere leckere, gesunde Sachen parat.

Montags bis freitags zwischen 7.30 Uhr und 8.15 Uhr nehmen rund 20 Kinder das Frühstücksangebot in der Schule dankend an. Die Atmosphäre ist entspannt, fast familiär. Jetzt steht das Frühstück für die Kinder aber vor dem Aus. Das Geld fehlt.

Es reicht nur noch für ganz wenige Tage. „Das macht mich tief traurig”, sagt Karola Szymczak. Seit März betreut sie das Frühstück, das über eine gesunde Ernährung hinaus den Kindern auch liebevolle Worte zu bieten hat. Auch das gehört doch zu einem gelungenen Start in den Schultag.

Karola Szymczak legt viel Herzblut in das unumstritten nötige Angebot: „Die Kids brauchen das regelmäßige Schulfrühstück ganz dringend. Es handelt sich um Kinder, die teils schon sehr früh mit dem Bus unterwegs sind, um pünktlich zur Schule zu kommen. Manche Eltern müssen auch schon sehr früh arbeiten gehen, und die Kinder sind schon morgens auf sich alleine gestellt. Außerdem können wir den Eltern nicht den monatlichen Beitrag für das Frühstück aufbürden, das würde sie finanziell überfordern.”

Bevor es das Frühstück in der Schule gab, hätten manche Kinder noch nie ein Müsli gegessen. Nicht selten seien Kinder auf dem Schulweg in den Supermarkt gegangen, um sich mit Chips zu versorgen. Damit aber das weiterhin der Vergangenheit angehört, dafür will sich Karola Szymczak ins Zeug legen. Sie spürt, dass feste Strukturen für den Halt der Kinder eben auch unerlässlich sind.

Schulleiter Clemens Sacher ist überdies ebenfalls sehr engagiert: „Das Schulfrühstück ist eine ganz tolle Sache. Für manche der Kinder ein echtes Tages-Highlight.” Auch den Rektor macht es traurig, „dass soviel Energie verschleudert werden muss, um Selbstverständlichkeiten finanzieren zu können. Ist es nicht eigentlich Aufgabe des staatlichen Bildungssystems eine Problemschule ausreichend auszustatten?”, lautet seine rhetorische Frage. Doch Sacher gibt die Hoffnung, ohne die man wohl in seinem Bereich erst gar nicht antreten braucht, nicht auf: „Vieles ist ja in Bewegung.” Damit das wertvolle Angebot erhalten bleibt, unterstützt auch die Aktion unserer Zeitung „Menschen helfen Menschen” den Förderverein der Schule. Weitere finanzielle Hilfestellungen sind indes dringend nötig und herzlich willkommen.

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