Forum Medizin zum Thema Lungenentzündung

Infektiologin Christine Fussen referiert : Impfen ist Selbstschutz und soziale Verantwortung

Über das Thema Lungenentzündung – und welchen Schutz es vor ihr gibt – referiert Dr. Christine Fussen beim Forum Medizin am 20. November im Rhein-Maas-Klinikum.

Natürlich gibt es keinen 100-prozentigen Schutz gegen Lungenentzündung, aber das Risiko kann im Schnitt um wichtige 70 Prozent gemindert werden, wenn den Empfehlungen zur Impfung gefolgt wird, betont Dr. Christine Fussen. Sie ist Fachärztin für Innere Medizin, Infektiologin sowie Krankenhaushygienikerin und leitet den entsprechenden Bereich im Rhein-Maas Klinikum (RMK) Würselen. Und sie ist eine Referentin bei dem Forum Medizin zum Thema Lungenentzündung, das am Mittwoch, 20. November, im RMK um 19 Uhr beginnt.

Aber es gibt noch andere Aspekte, die für den Erhalt eines möglichst effektiven Immunsystems beachtet werden sollten. Dazu gehören laut Fussen ausgewogene Ernährung, Bewegung, das gute Lüften von Räumen und Händewaschen. Im Krankenhaus ist es die Regel, dass nicht nur in Waschräumen/Toiletten und an vielen weiteren Punkten Desinfektionsmittel – aus Spendern gut portionierbar – bereit gehalten werden.

Daheim wäre das natürlich auch gut, sagt Fussen. Hier reicht aber eine vernünftige Händehygiene durch Händewaschen (etwa nach dem Toilettengang, vor dem Essen und vor Medikamenteneinnahme) aus. Dies bedeutet auch nicht, dass man keinem mehr die Hand geben darf, vorausgesetzt, dass vor allem in der für Erkältungen und Grippe und damit auch Lungenentzündung typischen „schlechten“ Jahreszeit Hygieneempfehlungen beachtet werden (das heißt zum Beispiel Händewaschen, Taschentücher nur einmalig verwenden, Husten und Nießen in die Ellenbeuge und nicht in die Hand).

Besondere Aufmerksamkeit sei beim Urlaub in ferneren Ländern angesagt. Dort werde das Immunsystem mit bis dato nicht bekannten Krankheitserregern konfrontiert. Zu empfehlen ist nach Ansicht von Fussen das Vermeiden großer Menschenansammlungen und Kontakt, im Karneval und im öffentlichen Personennahverkehr sicherlich nicht so einfach. Aber der clevere Narr sorgt vor, eben durch Impfen.

Vorbehalte aufgrund von Auswirkungen wie Unwohlsein und auch leichtes Fieber in der Phase, in denen der Körper dank Zuführung des Impfstoffs Antikörper bildet, hält Fussen für unangemessen. Wirklich ernste Komplikationen seien die absolute Ausnahme.

Vorsorge verbessert

„Es geht ja nicht nur um den Selbstschutz, sondern auch um die Verantwortung gegenüber anderen, die man durch das eigene Verhalten anstecken kann, indem Krankheitserreger weitergegeben werden, selbst wenn man selbst nicht erkrankt“, betont die Infektiologin. Gegen Grippe, die allein schon für rund 20.000 Tote in Deutschland „sorgt“, und aus der nicht selten eine Lungenentzündung entsteht, sowie gegen ambulante Lungenentzündung (die wird außerhalb des Krankenhauses durch Bakterien „erworben“, Pneumokokken), kann an einem einzigen Termin (jeweils in einen Arm) geimpft werden. Bezüglich viraler Grippe wird jedes Jahr die Zusammensetzung auf Basis der Erregeranalyse des Vorjahres aktualisiert.

Hier wurde der Standard-Impfschutz für die Grippevorsorge von drei- auf vierfach erhöht, was die Krankenkassen jetzt auch bezahlen würden, um neben der A-Typen-Gruppe der Erreger auch die sogenannte B-Gruppe, die vor zwei Jahren überhand nahm, zu berücksichtigen, erläutert Fussen. Rund zwei Wochen dauert es nach erfolgter Impfung, bis das Immunsystem darauf folgende Antikörper aufgebaut hat. Der Impfschutz hält rund drei bis vier Monate an, so dass die Impfung im November erfolgen sollte, rät sie.

Auffrischung wichtig

Zu den Risikogruppen bezüglich Lungenentzündung gehören Menschen im Alter von 60 plus und Personen, deren Immunsystem durch andere Erkrankungen geschwächt ist, darunter viele chronisch Erkrankte. Eine Auffrischung sollte nach sechs Jahren erfolgen.

Auch Kinder bis zwei Jahre sollten entsprechend des Impfkalenders bedacht werden, etwa wenn ohnehin schon zum Beispiel gegen Diphtherie geimpft wird.