Würselen: Förderkreis Asyl Würselen sucht dringend Paten

Würselen: Förderkreis Asyl Würselen sucht dringend Paten

„Ich habe das Gefühl, dass ich einen großen Teil meiner Energie in die Arbeit mit Flüchtlingen stecke. So gerne ich das tue: Wir brauchen dringend Hilfe. Hilfe von Ehrenamtlern und Hilfe der Politik.“ Jürgen Hohlfeld, Vorsitzender des Förderkreises Asyl Würselen e.V. weiß, wo der Schuh in der Flüchtlingshilfe drückt.

Conny Stenzel-Zenner sprach mit dem Vorsitzenden über die aktuelle Lage der geflüchteten Menschen in der Düvelstadt.

2017 war aus offizieller Sicht ein Jahr der scheinbaren Ruhe in Bezug auf die Flüchtlingsproblematik auf Bundesebene und auch in Würselen: Die Zahl der neu angekommenen Flüchtlinge hat sich in NRW 2017 auf rund 27000 Geflüchtete gegenüber 2016 mehr als halbiert. Entsprechend kamen auch weniger Flüchtlinge nach Würselen. Wo und wie leben diese Menschen?

Jürgen Hohlfeld: Die meisten Familien sind in privaten Wohnungen untergebracht. Die Gemeinschaftsunterkünfte Helleter Feldchen und die Burgstraße sind leer. Die anerkannten Flüchtlinge, auch die mit subsidiärem Schutz, besuchen viermal wöchentlich Integrationskurse. Rein äußerlich scheint sich die Situation beruhigt zu haben. Tatsächlich sind jetzt diese Flüchtlinge häufig völlig isoliert.

Sie kommen weder mit anderen Flüchtlingen zusammen noch mit Würselenern. Deshalb haben wir das Projekt „Join“ gemeinsam mit dem Verein Türöffner e.V. durchgeführt. Alle 14 Tage trafen sich samstags fünf Flüchtlingsfamilien mit fünf deutschen Familien zum Singen, Spielen, Erzählen, Kochen und Essen. Das war ein tolles, aber auch ein sehr arbeitsintensives Projekt, das letztlich viel zu wenige Menschen erreichte.

Deshalb suchen wir weiterhin deutsche Familien, die Lust haben, mit ausländischen Familien Zeit zu verbringen und ihnen bei der Integration in unsere Gemeinschaft zu helfen. Es ist schwierig, genügend interessierte Deutsche für diese Arbeit zu finden. Aber so lange wir als Gesellschaft nicht begreifen, dass jeder von uns Verantwortung für diese humanitäre Aufgabe trägt, werden wir keine stabile Grundlage für die Integration der Flüchtlinge schaffen können.

Momentan betreuen Sie mehrere syrische alleinstehende Männer zwischen 23 und 27 Jahren mit subsidiärem, also eingeschränktem Schutz. Sie alle sprechen bereits gut Deutsch, haben das B1-Niveau erreicht. Dennoch gibt es zahlreiche Probleme. Welche sind das?

Jürgen Hohlfeld: Zum einen brauchen wir Arbeitsplätze für diese jungen Männer. Zum anderen müssten dringend ihre Familien nachziehen dürfen. Im arabischen Raum werden die Männer ganz anders erzogen, als wir das in Deutschland mit unseren Kindern machen.

Unsere Kinder lernen früh, Verantwortung zu übernehmen und ihr Leben selbst zu gestalten. Im arabischen Raum ist das anders. Da leben die Menschen in Großfamilien zusammen, also auch die jungen Männer in der familiären Gemeinschaft. Da entscheiden die Väter oder die Onkel, also jeweils die älteren Familienmitglieder. Dieser fehlende Familienzusammenhang ist für die jungen Männer ein echtes Problem.

Ein drittes Problem kommt hinzu: Viele Flüchtlinge, besonders aus Afghanistan, leben in Angst vor einer Abschiebung. Zusätzlich zu ihren häufig erfahrenen traumatischen Folter-, Kriegs- und Fluchterlebnissen belastet sie diese ständige Angst vor der drohenden Zwangsrückkehr in ihr Heimatland, aus dem sie ja aus existenzbedrohenden Gründen geflohen sind, und das macht sie oft psychisch krank bis hin zur Suizidgefahr.

Neben dringender ärztlicher Hilfe und humanitären Einzelfallentscheidungen der Behörden brauchen wir den Familiennachzug, damit sie nicht auf sich alleine gestellt sind. Wenn das nicht erfolgt, schaffen wir uns immer größere Probleme.

Flüchtlinge benötigen eine persönliche Begleitung zu den Behörden, besonders auch bei der Vorbereitung auf ihre Anhörung. Sie brauchen aber auch Unterstützung, wenn sie ganz normale Formulare ausfüllen müssen. Außerdem fehlen Ehrenamtler, die mit den geflüchteten Menschen das nacharbeiten, was sie in den Deutschkursen am Morgen gelernt und nicht verstanden haben, oder die den Kindern bei den Hausaufgaben helfen, wozu ihre Eltern nicht in der Lage sind. Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Jürgen Hohlfeld: Wir brauchen viele helfende Hände. Deshalb wäre es schön, wenn zahlreiche Würselener Bürger Flüchtlingspaten werden, die Ansprechpartner für die Flüchtlinge sind und sie auf dem Weg in unsere Gesellschaft begleiten. Außerdem muss die Abschiebung nach Afghanistan gestoppt werden, und der Familiennachzug auch für subsidiäre Flüchtlinge muss aus humanitären Gründen ermöglicht werden.

Wer sich für eine Mitarbeit interessiert, kann sich über info@asyl-in-wuerselen.de melden oder zu den vierzehntägigen Dienstagstreffen um 18.30 Uhr in der Kaiserstraße 118 vorbeikommen, z.B. am Dienstag, 20. Februar, und dann jeweils 14 Tage später.

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