Herzogenrath: Flüchtlingsarbeit bekommt neue Struktur

Herzogenrath: Flüchtlingsarbeit bekommt neue Struktur

Rainer Rüben von der Stadt Herzogenrath brachte es bei der ersten Informationsveranstaltung für ehrenamtliche Flüchtlingshelfer gleich auf den Punkt. „Wir wurden im August und September 2015 vom Flüchtlingsstrom überrascht“, sagte er den gut 20 Anwesenden im Pfarrsaal von St. Willibrord in Merkstein.

Zu jener Zeit kamen die Menschen eher unkoordiniert und plötzlich nach Roda. So kamen auch mitten in der Nacht Busse im Stadtgebiet an, diese Menschen mussten erst einmal auf Unterkünfte verteilt werden. „Es war eine riesige Herausforderung, schon die Grundbedürfnisse abzudecken“, so Rüben weiter. Doch mit der nun geänderten Grundlage der Flüchtlingsarbeit — es werden nur noch zugewiesene Flüchtlinge aufgenommen — hat sich die Lage geändert und vielleicht sogar entspannt.

So ist nun schon bekannt, dass Ende September, Anfang Oktober rund 250 Menschen nach Herzogenrath kommen, und zwar dauerhaft, nicht nur für eine kurze Zeit, wie es im Aufnahmelager der Fall war. „Wir haben jetzt Daten und können somit ganz gut planen“, sagt Gabi Bockmühl, die für das Deutsche Rote Kreuz (DRK) in der Waidmühl für die Betreuung der Flüchtlinge zuständig ist. Diese Daten und die Gewissheit, dass die zugewiesenen Flüchtlinge in jedem Fall für Monate oder auch Jahre — abhängig von der Dauer des Asylverfahrens — im Stadtgebiet bleiben werden, sorgen für mehr Struktur in der Flüchtlingsarbeit. „Es kann viel gezielter laufen, das schützt auch die Ressourcen der ehrenamtlich Tätigen“, freut sich Bockmühl. Erst vor wenigen Tagen sind übrigens die ersten 13 fest zugewiesen Flüchtlinge angekommen, und im Gegensatz zu den unkalkulierbaren Zuweisungen der letzten Monate, standen zuvor nicht nur die Namen und Daten der Reisenden fest, sondern auch familiäre Zusammenhänge. Damit kann eine immens wichtige Aufgabe bedarfsgesteuert angegangen werden.

„Jetzt geht es um die Integration hier in Herzogenrath“, sagt Eva Druschke, die für den Caritasverband der Regionen Aachen-Stadt und Aachen-Land in der Flüchtlingsarbeit in Roda zuständig ist. „Ganz wichtig wird jetzt die Alltagsbegleitung“, ergänzt Gabi Bockmühl, „denn die Menschen sollen lernen selbstständig klarzukommen“. Deutschkurse könnten aus ihrer Sicht vor dem Hintergrund, dass die nun zugewiesenen Flüchtlinge durch ihren mehrmonatigen Aufenthalt in Deutschland einen gewissen Grundstock an Deutsch mitbringen, ein wenig in den Hintergrund rücken. „Es wird auch nicht darum gehen, alles für jeden zu übernehmen“, bekräftigt Eva Druschke, und das bedeute auch, dass sich die Gewichtung bei der ehrenamtlichen Arbeit verändern wird.

Grundsätzlich wird für alle, die sich ehrenamtlich in der Flüchtlingsarbeit der Stadt Herzogenrath engagieren wollen, die Ehrenamtsvereinbarung und die Einrichtung eines Führungszeugnisses nun wichtig. Damit soll das von allen Seiten hochgelobte bürgerschaftliche Engagement in der Flüchtlingsarbeit in Herzogenrath nicht nur auf rechtlich sichere Füße gestellt werden, wie es beispielsweise mit einer Präventionsschulung zum Thema „Kinder- und Jugendschutz“ der Fall ist. Auch die Versicherung während der ehrenamtlichen Tätigkeit wird damit geregelt, ebenso die Zugangsmöglichkeit zu den Unterkünften.

„So können wir alles im Sinne der ankommenden Flüchtlinge organisieren und koordinieren“, ist Rainer Rüben sicher. Doch das, so ergänzt er auch, ist nur eine Momentaufnahme, denn wie beispielsweise der gescheiterte Militärputsch in der Türkei zeige, gebe es immer wieder neue Krisen in der Welt. Es werde sicherlich weitere Krisen geben, die millionenfach dafür sorgen, dass Menschen ihre Heimat von jetzt auf gleich verlassen müssen. „Man sieht, wie schnell sich eine politische Lage ändern kann“, schließt Rüben, daher sei eine belastbare Prognose über etwaige Flüchtlingsströme nicht machbar.

(mabie)
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