Würselen: Festzug: Die Spielspitzen genießen das Bad in der Menge

Würselen: Festzug: Die Spielspitzen genießen das Bad in der Menge

Hoffen und Bangen machten sich unter den Spellsleuten breit, als sie sich in ihren Quartieren zum gemeinsamen Festzug als Höhepunkt der großen Kirmes formierten. Dunkle Gewitterwolken zogen nämlich von Nordosten her auf und das Grollen des Donners in der Ferne kündigte ein heranziehendes Unheil an. Auch fielen schon die ersten dicken Regentropfen.

Doch die Spellsleute ließen sich nicht einschüchtern. Sie trotzten voller Zuversicht dem drohenden Unwetter und genossen, als das Gewitter einen Bogen um die Innenstadt gemacht hatte, das berauschende Bad in der Menge um so mehr.

Mit von der Partie: viele Pritschenkinder. Foto: Wolfgang Sevenich

Kaum zu zählen waren die Pritschenkinder, als sich das Morsbacher-Siedler Königsspiel — traditionell vorne weg — präsentierte. Den nächsten Szenenapplaus gab es, als das „Drums en Majorettenkorps Irene Lucia“ aus Beek in den Niederlanden auf die „Pauke“ haute. Eine Werbung für die Kirmestage vom Freitag, 1. bis Montag, 4. Juli, in Bardenberg waren die fleißigen Radschlägerinnen des dortigen Jungenspiels.

Synchron ließen die Fahnenschwenker ihre schwarz-gelben Tücher durch die schwüle Gewitterluft wehen. Wie schon am Morgen vor St. Sebastian zogen die Elchenrather Fahnenschwenker ihre eigene Show ab, während ihre „Konkurreten“ aus Schweilbach-Teut die Fahnen, auf einem Bein hüpfend, mit dem Fuß im Kreise drehten. Den Ton zu dieser akrobatischen Leistung gaben die „Trommelare va Herle“ an, die mittlerweile zum Inventar dieses Jungenspiels zählen.

Im schmucken Weiß traten die Pritschenkinder aus „Scherberg“ auf. Die Senioren der Schützen ließen sich auf einem von zwei Kaltblütern gezogenen Planwagen „chauffieren“. Mit 36 Pärchen schoss das Jungenspiel den Vogel ab.

Mit einer Ausnahme warteten auch alle übrigen Spiele mit einer großen Zahl an Pärchen auf, selbst die aus Euchen und Linden-Neusen, die schon ihre feucht-fröhliche Kirmes gefeiert hatten, und aus Weiden, wo man sich noch auf die Festtage freuen darf. In ihren schmucken langen Kleidern, mit Blumensträußchen winkend, waren die Maibräute echte Hingucker, auf die die jungen Männer mächtig stolz sein durften. Artig fielen sie vor ihnen auf die Knie nieder, sobald sie es „befahlen“.

Mit schwungvoller Musik

Elf in Blau-Weiß-Rot geschmückte Fahrräder kündigten das Oppen-Haaler Spiel an. Bei ihm durften die Maibräute in spe nicht fehlen. Mit Kölsche Tön unterlegte der Fanfarenzug Alsdorf das farbenfrohe Spektakel, das vor dem Alten Rathaus von Bürgermeister Arno Nelles und dem Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Würselener Jungenspiele, Hans Maaßen, wohlwollend beklatscht wurde.

Unterdessen „schossen“ die Fahnenschwenker haarscharf an der Straßenbeleuchtung vorbei ihre bunten Tücher in den Himmel. Die Euchener Fahnenschwenker eiferten ihnen fleißig nach. Wahre Kraftakte ohne — Gott sei Dank — negative Folgen!

Szenenapplaus war bei diesem einstündigen begeisternden Defilee immer wieder an der Tagesordnung. Auf ihre Weise honorierten die Schaulustigen, was ihnen von den Spellsleuten geboten wurde, quer durch die Generationen, angefangen beim vierjährigen Pritschenkind, das es sich zwischenzeitlich im Bollerwagen bequem gemacht hatte, bis hin zu den Schützen-Senioren auf Planwagen und Kutschen. Stattlich vertreten war auch das Weidener Jungenspiel, begleitet von rund 30 Fahnenschwenkern in Grün und Weiß.

Sehen lassen konnte sich in diesem Jahr auch wieder das Bissener Jungenspiel. Junge Mädchen mit Füllhörnern waren ein netter Farbtupfer. Auf der ganzen Linie war Lebensfreude Trumpf. Untermalt wurde das fantastische Spektakel nicht nur von reichlich, sondern vielmehr noch durch gute Musik.

Unter anderem waren der Instrumentalverein Eilendorf, der Spielmannszug Aachen-Brand, die Stoppelhusaren St. Jöris, die Musikvereinigung Roetgen und das Blasorchester Richterich sowie das Bundestambourkorps „Alte Kameraden“ und das Blasorchester Herzogenrath-Straß, eine klangvolle Einheit mit von der Partie.

Was noch fehlte, war das Königsspiel Markt-Preck mit den Salmanus-Bogenschützen und der St.-Sebastianus-Schützengesellschaft 1624. Auf Pfiff klatschten die Pritschenkinder gut gelaunt in die Hände. Eine Verjüngungskur sprang bei den Fahnenschwenkern in die Augen, nicht nur bei diesem Spiel, sondern zuvor auch schon bei „Morsbach“ und bei „Nassau“. Eingereiht hatten sich die St. Antonius-Bruderschaft aus Niederbardenberg, die dem Bezirksverband Würselen angehört.

Beim Jungenspiel Nassau waren Maijungen abhanden gekommen. Die holde Weiblichkeit machte aus der Not eine Tugend und nahm sich ohne sie in die Arme. Eine Bereicherung war der von Neuss angereiste Schützenzug in seinen prächtigen Uniformen. Vierspännig fuhr der Planwagen der St. Sebastianus-Schützen 1624 vor, die ihre Traditionsfahnen voller Stolz präsentierte. Abgesichert wurde der Festzug von der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt.

(ehg)
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