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Nordkreis: Feierstimmung fällt etwas gedämpfter aus

Nordkreis : Feierstimmung fällt etwas gedämpfter aus

„Und in jedem Anfang wohnt ein Zauber”, dichtete einst Hermann Hesse. Wege, sich verzaubern zu lassen, in der Kneipe oder im eleganten gesellschaftlichen Rahmen: Es gab viele Wege, von 2004 nach 2005 zu wechseln.

Doch dieses Mal war in den Stunden, bevor die Kalender ausgetauscht wurden, etwas anders: Angesichts der Ausmaße der Katastrophe in Südostasien wirkte die Stimmung ernster und gedämpfter als sonst; beim Feuerwerk erlegten sich viele Menschen Zurückhaltung auf - in Alsdorf, Würselen, Baesweiler, Herzogenrath und anderswo.

Das Bedürfnis, die letzten Stunden des Jahres gemeinsam zu verbringen (und das bei etwas Schönem), führte allerorten die Menschen zusammen. Verbundenheit und das Bedürfnis, sich dessen auch und gerade angesichts der Katastrophe zu versichern: Dies führte überall Menschen zusammen.

Nicht übermütig die Korken knallen lassen, aber gemeinsam zurück und voraus schauen: Die Feiern, die dennoch stattfanden, waren durchweg von einem gewissen Ernst geprägt. Und da diese Geisteshaltung offenbar dem Bedürfnis vieler Menschen entsprach, zog das gediegene Angebot auf Burg Rode viele Bürger nicht nur aus Herzogenrath an.

Kein übertriebenes Gepränge, eine gewisse Würde und eine gelassene Festlichkeit - Gertraud Wolf, die Vorsitzende des Kuratoriums, und ihre Mitstreiter hatten intuitiv den Nerv der Menschen getroffen. Scharenweise, still, aber alles andere als unfroh drängten sich die Liebhaberinnen und Liebhaber hochwertiger Kulturgenüsse in den frühen Abendstunden im Burghof, ließen ein paar Blicke über die Eurode-Stadt unten im Tal schweifen und sahen vereinzelte Raketen schon zu dieser recht frühen Zeit in den Himmel steigen.

Vor allem waren die heimatverbundenen Freunden klassischer Musik gekommen, um sich von den voll tönenden Jagdhorn-Klängen der „Jachthoornblazers Sint Hubertus” aus dem grenznahen niederländischen Nieuwenhagen vom alten Jahr ins neue geleiten zu lassen.

Darüber hinaus war für eine gewisse Geselligkeit gesorgt worden: Anna Viktoria Venohr, seit fast 30 Jahren der gute Geist von Burg Rode, hatte schon zeitig würzigen Glühwein vorbereitet. An einem Tisch von Mitgliedern des Burg-Kuratoriums ausgeschenkt, ließen sich viele Besucher des Freiluft-Konzertes (der Regen hatte zur passenden Zeit aufgehört) das heiße Getränk schmecken.

Den Vereinen, seit jeher ein tragende Säule des gesellschaftlichen Lebens im Nordkreis, schlug an Silvester gleichfalls die Stunde. Sie luden ihre Mitglieder zu Feierstunden und Bällen ein. Die Gemeinschaft, die sie eh verbindet, wollten sie auch in den letzten Stunden des alten Jahres erfahren und als stärkende Erfahrung auf den Weg durch 2005 mitnehmen.

Das galt nicht nur zum Beispiel für das Trommler- und Pfeiferkorps Baesweiler, das in das Pädagogische Zentrum des Gymnasiums seiner Heimatstadt eingeladen hatte, sondern auch für die Karnevalisten der KG Tröter Pötzer Jonge um Präsident Toto Beckers und ihren Freundeskreis, die sich in der Stadthalle Alsdorf versammelt hatten. Rund um nummerierte Tische sitzend, pflegten Mitglieder und Gäste die Geselligkeit und erfreuten sich an den zu einem opulenten Büffet aufgebauten Köstlichkeiten des „Amadeus”-Gastronomie-Teams um Serge Boland.

Nicht zu vergessen: die beiden „Flamingoboys”, deren Rhythmen zum Tänzchen zwischendurch animierten.

Am Nachmittag danach, am Neujahrstag zog wiederum Burg Rode die Aufmerksamkeit auf sich. Der ewig kaiserlichen Noblesse des Wiener Musikvereins, in dessen Saal alljährlich die Mutter aller Neujahrskonzerte stattfindet, setzten die Programmgestalter des Burg-Kuratoriums eine gepflegte, gleichwohl edle Bürgerlichkeit entgegen.

Die Herren fast durchweg im guten Anzug, die Damen im festlichen Kleid oder Kostüm - das Publikum erachtetet dieses Neujahrskonzert sichtlich als etwas Besonderes. Das Ensemble des „Quintetto Sylvestro” (An de Ridder, Sopran; Kalki Schrijvers, Mezzosopran; Morschi Franz, Tenor; Remco Vink, Bassbariton und Constant Notten, Klavier und Conference) ließ es in dieser Hinsicht an nichts fehlen. Musikalische Champagnerstimmung war angesagt - wobei die ernsten Akzente, gesetzt etwa durch Gustav Mahlers „Ich bin der Welt abhanden gekommen”, anrührend interpretiert durch Kalki Schrijvers, keineswegs fehlten.

Aber die wie Schaumwein moussierende Sektlaune, im Programm zum Beispiel markiert durch Ralph Benatzkys „Im weißen Rössl”, prägte dessen ungeachtet den Grundton. Die rund 120 goutierten dies ebenso wie den von Anna Viktoria Venohrs bereits zur früher Stunde gebackenen Kuchen.