Feierliche Freigabe der umgebauten Landesstraße 223

Feierliche Eröffnung : Jetzt fließt der Verkehr wieder zwischen Birk und Herzogenrath

Die umgebaute Landesstraße 223 zwischen Birk und Herzogenrath ist jetzt komplett freigegeben. Bei der offiziellen Eröffnungsfeier herrschte Freude. Es gab aber auch Befürchtungen.

Auf diesen Tag hat Alfred Lange aus Niederbardenberg viele Jahre gewartet. Der Vorsitzende der Bürgerinitiative „Pro Umbau L223“ und seine unermüdlichen Mitstreiter sind schon sehr zeitig gekommen, um den Festakt mitzuerleben, der mit der Freigabe des zweiten Bauabschnitts zwischen K1 und Birk auch das offizielle Ende der komplexen Straßenbaumaßnahme markiert. „In Gedanken wird dies für uns künftig die Hans-Vorpeil-Landstraße sein“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung.

Und wiederholt dies auch später, bei seiner kurzen Dankesansprache im Zuge des offiziellen Festaktes unter den eigens aufgestellten grün-weiß-roten Flaggen des Landes und des Landesbetriebs. Viele Jahre hätten er und die BI sich unter anderem mit Petitionen für den Ausbau der Straße eingesetzt, die unmittelbar an seinem Ort vorbeiführt. Vorpeil sei es letztlich gewesen, der das Ganze seinerzeit als Landtagsabgeordneter „auf die richtige Schiene“ gesetzt habe.

Während die Bauarbeiter am Dienstagmorgen an vielen Stellen der Strecke noch mit Rest- und Aufräumarbeiten beschäftigt sind und Straßen.NRW-Projektleiter Arnd Meyer unserer Zeitung gegenüber zufrieden seine Punktlandung im Zeitplan bestätigt, hat sich am Kreisverkehr der K1 eine große Zahl an Ehrengästen versammelt. Um zu bezeugen, wie zwecks Straßenfreigabe ein in Landesfarben gehaltenes Band symbolisch zerschnitten wird.

Der neue Streckenabschnitt steht jetzt auch unter göttlichem Segen, auf Einladung des Ministeriums erteilt durch Dr. Guido Rodheudt, Pastor der Herzogenrather Pfarrei St. Gertrud. Foto: Beatrix Oprée

Auch NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) ist angereist, um anderthalb Jahre, nachdem er an der Jüderstraße den ersten Spatenstich mit vollzogen hatte, nunmehr zur Schere zu greifen. Sein Wohlwollen äußert er darüber, „dass so viele Leute gekommen sind, um sich über eine Straße zu freuen“. Straßenbaumaßnahmen sind bekanntlich nicht immer und überall Grund zum Frohlocken. Und dass es auch hier bei Anliegern Unmut gegeben hat (unter anderem wegen der Sperrungen im zweiten Bauabschnitt, die für manche Anwohner mit langen Umwegen verbunden waren, sowie Verschmutzungen und Vandalismus), will er gar nicht verschweigen: „Jetzt ist es ja wieder gut“, stellt er fest und weist im Übrigen auf den zunehmenden Verkehr hin, dem der Streckenausbau nun Rechnung trage. Und auf die gleichfalls „gewachsene Lebensqualität“ für die Anlieger durch die flankierenden Lärmschutzmaßnahmen. Auch nach ÖPNV-Gesichtspunkten sei der Umbau sinnvoll gewesen.

Straßen.NRW-Regionalleiter Christoph Jansen hatte zuvor schon die wichtige „Anbindungsfunktion“ dieses Abschnitts der L223 mit einer Frequenz von bis zu 19.000 Fahrzeugen herausgestellt, die jetzt einen „vernünftigen Querschnitt“ habe. Er lenkte das Augenmerk zudem auf den Sicherheitsaspekt: auf den ausgebauten und beleuchteten Radweg ebenso wie die Tatsache, dass es nun keine direkten Anbindungen an Bebauung, Wirtschaftswege oder landwirtschaftliche Flächen mehr gebe.

Insgesamt vier Kreisverkehre unterteilen das 3,8 Kilometer lange  Ausbaustück, die unter anderem auch deswegen das Tempo auf der Fahrbahn drosseln sollen, weil man dank stattlicher Erdhügel nicht über sie hinwegschauen kann.

Der ökologische Aspekt sei ebenfalls beachtet worden, so Jansen, nicht nur durch die erforderlichen Ausgleichspflanzungen, sondern auch durch 2,4 Kilometer lange Leit­einrichtungen für „Kröte und Co.“ sowie Tunnel für Kleintiere von insgesamt 100 Metern Länge.

Jetzt nur noch eine, wo vorher zwei Spuren waren: Weil der Verkehr sich jetzt in den Kreisverkehr vor dem Schulzentrum Bardenberger Straße einfädeln muss, gibt es Befürchtungen, dass es stadteinwärts Rückstaus geben könnte. Foto: Beatrix Oprée

Im Zuge des Straßenausbaus sind überdies die Wasser- und Gasleitungen sowie vier Kilometer Starkstromkabel neu verlegt worden, was sich als sehr zeitaufwendig erwies.

In drei Abschnitten weicht die neue Trasse vom alten Verlauf ab, unter anderem zum Zwecke der Begradigung. Laut Straßen.NRW  aber auch zur Verbesserung des Lärmschutzes. Die alten Fahrbahnen dienen nun als Anliegerstraße, Geh- und Radweg sowie Wirtschaftsweg.

Zweifel an Lärmschutz

Wilfried Milles indes, Bürger aus Niederbardenberg, wo er sich auch im Zusammenschluss der Ortsvereine engagiert, will auch an diesem Morgen nicht so recht glauben an die propagierte Lärmschutzwirkung. Die geschilderten Maßnahmen hätten einen lärmmindernden Einfluss höchstens auf 20 Prozent des Ortsteils – und zwar im Bereich der Siedlung. Im Ortskern indes sei der Verkehrslärm gefühlt unverändert, wenn nicht gar lauter geworden – wegen der leicht erhöht angelegten Trasse, wie Milles vermutet. „Warum ist der Lärmschutzwall denn nicht einfach bis zur Wolf­straße durchgezogen worden?“, will er wissen. In der unteren Schmiedstraße sehe das ähnlich aus.

Und noch eine Befürchtung hegt er: dass sich vor dem Schulzentrum der Verkehr bis nach Herzogenrath rückstaut, sobald die Straße wieder unter Volllast ist. Weil der neue, einspurig angelegte Kreisverkehr stadtauswärts nunmehr ein Nadelöhr darstelle, da, wo es vorher eine langgezogene Linksabbiegerspur gegeben habe. Mit seiner Kritik, so Milles, sei er in der Vergangenheit stets „auf Beton“ gestoßen, wie er sagt, unter dem Verweis, dass sich an der bereits 2009 erfolgten Planfeststellung nichts mehr ändern lasse.