Baesweiler: „Feeling good“: Neues Album von Detlef Malinkewitz

Baesweiler: „Feeling good“: Neues Album von Detlef Malinkewitz

Er will es noch mal wissen. Über 20 Jahre nach seinem weltweiten Plattenerfolg als Elvis-Presley-Interpret „L-Viz“ bringt Detlef Malinkewitz ein Album mit elf ausgewählten Titeln auf den Markt, in Eigenregie. Beatrix Oprée sprach mit ihm über das neue Projekt.

Einst ein junges Kickertalent, das einen Auswahlwettbewerb für Pelés Fußballschule in New York gewonnen hatte, später eine goldene Schallplatte, danach Studienabsolvent mit Auszeichnung samt Promotion — sind Sie ein Mann, dem alles gelingt?

Malinkewitz: Wenn man das so hört, könnte man das meinen. Aber es ist in der Tat so, dass dahinter sehr viel Arbeit steckt. Und Disziplin. Und dass es durchaus auch Phasen in meinem Leben gegeben hat, wo die Dinge nicht so gut gelaufen sind. Aber ich halte das für völlig normal. Ich glaube, dass es im Leben eines jeden Menschen Ups and Downs gibt.

Ihre Ups waren bekanntlich sehr hoch, wie tief waren ihre Downs? Sie haben mal gesagt, von Absturz würden sie nicht sprechen …

Malinkewitz: Ja, auch das wird manchmal zu dramatisch dargestellt. Natürlich ist man, wenn man nicht mehr ganz oben ist, eine Zeit lang vielleicht deprimiert und muss sich neu arrangieren mit der ein oder anderen Situation. Aber ich bin ein sehr optimistischer und positiv eingestellter Mensch, so dass es mir immer gelungen ist, schnell wieder in die Spur zu kommen.

Wie lange hat der „L-Viz“-Hype seinerzeit eigentlich angedauert?

Malinkewitz: Es waren schon drei bis vier Jahre, in denen ich in der ganzen Welt unterwegs gewesen bin mit dem Hit „In the Ghetto“. Das war natürlich eine tolle Zeit.

Es ist aber bemerkenswert, dass in einer schnelllebigen Zeit wie heute ein einziger Hit so lange vorhält.

Malinkewitz: Der Song war ja zu unterschiedlichen Zeiten in 46 Ländern veröffentlicht. In Deutschland zuerst, dann kamen andere Länder, schließlich Übersee. Deshalb dauert ein Welterfolg auch schon mal ein bisschen länger.

Wie ist es überhaupt gekommen, dass der gelernte Industriekaufmann aus Setterich unmittelbar nach seiner Ausbildung zu „L-Viz“ mutierte?

Malinkewitz: Ich hatte in der Schule immer schon mal gesungen.

Vor Ihren Klassenkameraden?

Malinkewitz: Ja, genau, und die waren zu meiner Überraschung nicht wirklich genervt. Sondern haben die Lehrerband, die es damals am Gymnasium in Baesweiler gab, darauf aufmerksam gemacht, dass es unter ihnen jemanden gibt, der ganz gut singen kann. Sie wollten, dass ich mit der Lehrerband singe.

Und das war Ihnen nicht peinlich?

Malinkewitz: Doch, in der ersten Sekunde hab‘ ich mich ein bisschen gesträubt. Aber als der Lehrer, der die Gitarre spielte, das hörte, hat er gesagt, das kriegen wir schon hin. Beim Check, welche Lieder vorstellbar wären, war er dann völlig überrascht und hat gesagt: Das müssen wir unbedingt machen. Es waren hauptsächlich Elvis-Songs, die dann bei dem Schulfest gespielt wurden.

Nun sagen Sie nicht, dass damals der Keim für „L-Viz“ gelegt wurde?

Malinkewitz: Es war jedenfalls eine Initialzündung, dass kann man schon sagen. Weil ich mich vorher ja nie getraut oder nie dran gedacht habe, so etwas zu machen. Ich war ganz erstaunt, dass das so gut angekommen war. So etwa zwei Jahre später habe ich eine Band gegründet — „Dancedream“.

Und die war der Party-Hit in Baesweiler und Umgebung?

Malinkewitz: Ja, ja, so kleine regionale Sachen…

Wie führte der Weg dann zu Sony Music und den Ghetto People?

Malinkewitz: Ich hatte einen Auftritt als Elvis-Interpret in Köln, ich glaube, das war ein Stadtfest.

Nach „Dancedream“ hatten Sie sich also auf die Elvis-Songs vom Schulauftritt besonnen?

Malinkewitz: Ja, das klang ja schon ein bisschen wie Elvis. Ich war nie jemand, der Elvis nur imitiert, sondern interpretiert. Das ist durchaus ein Unterschied. Und bei der Veranstaltung in Köln war ein Musikproduzent. Der fand klasse, was er von mir gehört hatte. Er war in den USA gewesen, hatte HipHop-Beat als neuen Trend mitgebracht und wollte mit mir seinen Lieblingssong von Elvis, In the Ghetto, in diesem Stil aufnehmen. Ich habe zuerst überlegt, ob ich das überhaupt machen soll, habe mich gefragt: Kann man Elvis-Songs einen HipHop-Touch geben? Meine Mutter gab den Ausschlag: Sie sagte, Elvis war doch auch ein trendorientierter Sänger, er hat in den 50ern ganz andere Musik gemacht als in den 60ern und 70ern, möglicherweise würde er heute Ähnliches machen. Daraufhin haben wir das produziert. Ich hatte es in einer Stunde eingesungen, kann mich genau erinnern, dass das sehr schnell ging. Innerhalb von drei Wochen hatten wir drei Angebote von Major Companies, was außergewöhnlich war. Wir entschieden uns für Sony Music und hatten noch nicht das Video gedreht, da waren wir schon in den Charts. Ich stand in Las Vegas im Hotel an der Rezeption, als der Anruf kam. Das können Sie sich gar nicht vorstellen …

Nee.

Malinkewitz (lacht): Ja, da hat die Plattenfirma angerufen und gesagt: Wir sind auf Platz 79 der Charts eingestiegen. Das war echt spannend. Aber was jetzt kommt, ist noch viel spannender!

Und Erfolg ist bekanntlich ein empfindliches Pflänzchen. Was hat Sie denn zur musikalischen Neuauflage bewegt? Oder andersherum gefragt: Ist das Leben eines Kulturreferenten in der Stadt Aachen nicht aufregend genug?

Malinkewitz: Doch, es macht mir viel Freude. Aber für mich war irgendwie die Zeit reif. Ich hab‘ innerlich das Gefühl gehabt, Du bist durchaus ein Künstler, und vielleicht ist das Leben doch ein bisschen zu kurz, als dass man nicht immer das tun sollte, wo die Leidenschaft liegt, was einem wirklich Freude bringt. Etwa 20 Jahre nach dem ersten Erfolg ist es an der Zeit, noch mal was zu machen. Und ich hab‘ mir gedacht: Wenn Du das machst, dann auch richtig.

Das heißt: selbstgesteuert.

Malinkewitz: Ja, genau das. Und dann holst du dir auch noch die besten Leute der Musikbranche an deine Seite, um dein Potenzial auch tatsächlich voll ausschöpfen zu können. Was damals nicht unbedingt der Fall war, aufgrund der Gegebenheiten in der Musikbranche und bei der Plattenfirma.

Nun ist das mit über 50 ein noch mal gewagteres Unterfangen und in Eigenregie auch ein nicht zu unterschätzendes Invest. Darf man fragen, was so eine Sache kostet?

Malinkewitz: Ja, dürfen Sie, aber … (lacht vielsagend)

Alles klar ... Es ist also eine innere Stimme, die Sie lenkt, sagen Sie?

Malinkewitz: Ja, und auch das Gefühl: Du hast damals nicht die Möglichkeit gehabt, dein künstlerisches Potenzial auch nur ansatzweise auszuschöpfen. Wenn du es noch mal tun willst, dann ist jetzt die Zeit, in der du das tun musst — oder solltest. Bevor es dann irgendwann vielleicht nicht mehr möglich ist.

Gibt es einen Plan B?

Malinkewitz: Den brauche ich nicht!

Das ist selbstbewusst.

Malinkewitz: Ja, den brauche ich auch deshalb nicht, weil es mir nicht unbedingt darum geht, möglicherweise genauso viele Platten zu verkaufen wie damals, zwölf Millionen oder so. Das ist nicht das vorrangige Ziel. Das vorrangige Ziel ist, meine Leidenschaft zu leben, mir selbst und den Menschen damit Freude zu machen. Und eine spannende Zeit zu haben und mich gut zu fühlen. Deshalb auch der Titel des Albums: „Feeling good“.

Das könnte man auch einfacher haben, etwa mit einer Coverband, wie ja einige in der Region sehr erfolgreich unterwegs sind.

Malinkewitz: Also das würde dann schon den inneren Anspruch nicht wirklich erfüllen. So würde ich das mal meinen. Wie gesagt: Wenn, dann auch richtig. Ich habe mir ja auch 25 der besten Musiker an die Seite geholt, der besten Musiker Europas, kann man sagen. Und die vierfache Grammy-Gewinnerin Darcy Proper fürs Mastering.

Solche Musikgrößen gibt es ja nicht zum Nulltarif. Gibt es einen Co-Financier oder schafft das der ehemalige Plattenmillionär einfach so?

Malinkewitz (lacht abwinkend): Das sind ja Interna, die eher nicht nach außen gehören.

Ein halbes Jahr lang haben Sie die Songs für „Feeling good“ ausgesucht, habe ich gelesen …

Malinkewitz: Ja, ich wollte Songs finden, die aufgrund ihrer Grooves und ihrer fantastischen Melodien nichts von ihrer Faszination an sich verloren haben. Immerhin finden sich rund 50 Jahre Musikgeschichte auf dem Album. Und sie sollten so gestrickt sein, dass ich meine stimmlichen Stärken betonen kann.

Und was sind Ihre stimmlichen Stärken?

Malinkewitz (lacht): Ja, ich glaube schon, dass das etwas mit Dynamik zu tun hat. Menschen sagen immer wieder, so will ich es mal formulieren, ich hätte einen hohen Wiedererkennungswert und eine facettenreiche Stimme, und ich glaube, das könnte ganz gut hinkommen. Aber man muss sich das anhören, um es beurteilen zu können. Und das sollten besser auch andere tun!

Betrachten wir eines Ihrer beiden Promotion-Videos: Da haben Sie einen durchaus mutigen Weg gewählt, um den bereits mehrfach neu interpretierten Robert-Knight-Ohrwurm „Everlasting Love“ in Szene zu setzen. Das Intro symbolisiert eine Lebenssituation, in der sich viele Ehepaare wiederfinden, wenn ein Partner dement wird. Gibt es private Erfahrungen, die Pate gestanden haben?

Malinkewitz: Ich wollte diesem doch sommerlich anmutenden Song eine gewisse Tiefe geben. Und nicht nur das Schöne zeigen, die heile Welt, das sollte es nicht sein. Ich hab‘ mir überlegt, ein Signal zu setzen für ein gesellschaftspolitisch relevantes Thema. Es gibt in meinem Freundeskreis einen Fall, wo der Mann seine demente Frau pflegt. Ich habe mit den Betroffenen gesprochen, wie diese Dinge sich im Alltag darstellen, und habe die Erfahrungen daraus im Video umgesetzt. Ich habe selbst Regie geführt, die Orte ausgewählt und die Schauspieler. Gedreht wurde in Frankreich und in Saarbrücken.

Wie sieht es denn bei Detlef Malinkewitz selbst mit der „Everlasting Love“ aus?

Malinkewitz (lacht laut auf): Ja, das ist so ne Frage … Dass ich eine Junggesellenwohnung habe, heißt ja nicht, dass ich das auch bin. Und vielleicht belassen wir es einfach mal dabei.

Gerade sind Sie von Mallorca zurückgekehrt. Galt die Reise der Erholung oder auch Promozwecken?

Malinkewitz: Beides. Es war eine Kombination aus Entspannung und dem Knüpfen neuer Kontakte.

Es gibt ja nicht wenige, die auf der Partyinsel durchgestartet sind.

Malinkewitz: Also in Richtung Partymusik denke ich nicht unbedingt.

Aber Kontakte haben Sie jetzt auf Mallorca?

Malinkewitz: Ja, das war erfolgreich.

„Feeling good“ wird seit Monaten auf diversen Kanälen beworben, unter anderem durch ein örtliches Reisebüro. Gretchenfrage, auch mit Blick auf die Album-Charts, die in der ersten Woche die Vorbestellungen mitberücksichtigen: Wie viele Bestellungen gibt‘s bislang?

Malinkewitz: Die genaue Zahl ist nicht bekannt, aber sie ist relativ hoch. So dass wir alle ganz gespannt sein können, was in der ersten Woche nach Veröffentlichung passiert. Möglicherweise habe ich ja ein bisschen Glück. Das wäre fantastisch.

Es gilt, Ihren Platz 79 von damals zu toppen. Klappt das?

Malinkewitz: Ich wage da keine Prognose und lasse mich ganz entspannt überraschen. Das Ergebnis hängt ja auch davon ab, wieviel die Kollegen verkaufen.

Wer kümmert sich für Sie um das ganze Drum und Dran?

Malinkewitz: Ich manage mich selbst. Und werde von jemandem beraten — von meiner Freundin.

Zur Beratung gehört — wie schon bei Elvis und „L-Viz“ — das richtige Outfit. Sind Sie jemand, der Wert darauf legt?

Malinkewitz: Also privat bin ich eher so ein bisschen leger, wie man sieht. Auf der Bühne sollte es passend sein, Anlass und Song entsprechend. Ich habe auch unterschiedliche Outfits in den Videos. Was mir wichtig ist: dass es authentisch ist, zu meiner Persönlichkeit passt.

Klingt fast nach Erleichterung, musikalisch nicht mehr auf der Elvis-Welle schwimmen zu müssen?

Malinkewitz: Erleichterung vielleicht nicht, aber Freude. Freude, jetzt Detlef Malinkewitz pur zu sein, auf der Bühne und im Studio. Das ist ein ganz großartiges Gefühl. Vielleicht, das kann man ehrlicherweise so sagen, weil man sich nun nicht einmal ansatzweise mehr hinter irgendjemandem verstecken kann.

Womit die Herausforderung gewachsen ist …

Malinkewitz: Ja, die Herausforderung ist größer. Auch die Freude. Und es ist eine gewisse Reife in mir und auch Stärke, die mir erlauben, das auch voll so leben zu können.

Und jetzt, mit Blick auf das Album-Release, fühlen Sie sich gut?

Malinkewitz: Ja richtig: „Feeling good“ ist quasi zu einem Lebensmotto geworden. Ich bin irgendwann, das habe ich auch in die Biografie schreiben lassen, an einen Punkt gekommen, an dem ich beschlossen habe, mich einfach nur noch gut zu fühlen. Und allen Widrigkeiten und Umständen des Lebens mit einer anderen, einer positiven Einstellung zu begegnen. Genau das soll der Albumtitel zum Ausdruck bringen.

Das kann man wirklich? Einfach so umschalten?

Malinkewitz: (lächelt) Nein, das hat eine Weile gedauert, bis ich diese Haltung entwickelt hatte. Aber irgendwann war es soweit. Das fiel dann auch zusammen mit der Entscheidung, das Album zu veröffentlichen.

Da wäre also nichts mehr, was Sie aus der Fassung bringen könnte?

Malinkewitz: Sagen wir weniger aus der Fassung bringen als nachhaltig belasten könnte.

Und Baesweiler werden Sie auch weiterhin die Treue halten?

Malinkewitz: Ich bleibe. Mir gefällt es hier sehr gut, ich habe hier meinen Rückzugsraum. Mich kennt hier jeder, aber wir gehen ganz normal miteinander um. Was natürlich schön ist. Und insofern gibt und gab es für mich keinen Grund, dies zu ändern.

Wir danken für das Gespräch.

Malinkewitz: Ich danke Ihnen.

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