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Alsdorf: Fans begegneten der Stille stimmgewaltig

Alsdorf : Fans begegneten der Stille stimmgewaltig

„Wir sind Meister!” jubeln sie laut, die selbst ernannten „besten Fans der Welt”. Nur kurz rollen sie am Montagabend ihre riesige schwarz-gelbe Fahne ein, um sie gleich darauf bei heruntergekurbeltem Fenster singend und hupend aus dem Auto heraus zu schwenken.

Nicht vor dem Tivoli in Aachen - am elf Kilometer entfernten Cinetower in Alsdorf lässt sich der laute Jubel vernehmen.

In Alemannia-Trikots und T-Shirts, mit schwarz-gelben Schals behangen und dem festen Ziel vor Augen, Herbstmeister zu werden, sind mehr als als 500 Fans in den größten Saal des Kinoparks geströmt. Die „Nachrichten” und der Cinetower haben zum cineastischen Genuss des Spiels gerufen. „Eine gute Alternative, wenn ich jetzt auch lieber auf dem Tivoli wäre”, sagt Sina, 14 Jahre alt. Wenn schon nicht live vom S-Block aus, so doch auf Riesenleinwand will sie ihre Jungs auf dem Rasen anfeuern.

Und die Fans in Alsdorf scheinen der skurril-gespenstischen Stille im Stadion all ihre Stimmkraft entgegenschleudern zu wollen.

Tippzettel

„Wir werden Meister, keine Frage”, heißt es vor der Leinwand, die ersten Wetten werden abgeschlossen und vorn an der „Nachrichten”-Theke werden eifrig Tippzettel ausgefüllt. Ein 3:2 für die Kartoffelkäfer tippt nur einer, er darf am Samstag beim Heimspiel gegen Wacker Burghausen dabei sein - live auf dem Tivoli. Fern vom Tivoli ist die Stimmung an diesem Montagabend bestens, als die ersten Bilder, von Premiere ausgestrahlt, über die Leinwand flimmern. Lauten Beifall gibt es für Jörg Berger, während sein Pendant auf Nürnberger Seite, Wolfgang Wolf nur Pfiffe und Buh-Rufe erntet.

„Komisch ist das schon”, beschreibt einer, der jetzt gern auf dem Tivoli dabei wäre, die außergewöhnliche Atmosphäre. Kehlige Laute sind aus den Lautsprechern zu hören, die Rufe der Betreuer am Spielfeldrand, die viele zum ersten Mal so gut verstehen können. „Wir sind die besten Fans der Welt”, singen sie über sich selbst, als Punkt 20.18 Uhr der Anpfiff zu hören ist. Gebannt blicken mehr als tausend Augen auf das, was auf neun mal 14 Meter Leinwand bereits in den ersten Spielminuten zu sehen ist. Und wirklich, da sitzt ein Geist beim Geisterspiel, allein und verloren in den schwarz-gelben Rängen der Aachen-Münchener-Tribüne. Fragende Blicke werden getauscht und dann bricht tosender Beifall für die spleenige Idee aus. Stunden später noch wird gerätselt, wer wohl in dem weißen Bettlaken steckt.

Als in der siebten Minute Nürnberg in Führung geht, ist es atemlos still im Kinosaal. Doch nicht lange: „Jetzt gehts los”, scheinen die Fans über elf Kilometer Distanz ihren Jungs einbläuen zu wollen. Und siehe da, die Tröten tröten, was das Zeug hält, als nur wenige Sekunden später Ivica Grlic zum Ausgleich trifft.

Rasant gehts weiter, Nürnberg holt zum 1:2 auf. Die Fans stehen, tanzen und tröten, als Aachens Emmanuel Krontiris in der 22. Minute das 2:2 herausholt. „Steht auf, wenn ihr Aachener seid” - die meisten lassen sich nicht lange bitten. Väter mit ihren Söhnen und Mütter mit ihren Töchtern singen, klatschen und feiern, schwingen ihre Schals. Hinten, in den letzten Reihen, sitzt längst niemand mehr auf seinem Platz. Aber nichts, rein gar nichts passiert. „Wenn das mal gutgeht”, seufzt ein angespannter Fan.

Dann, endlich, 15 Minuten vor dem Abpfiff fallen sich fremde Menschen in die Arme. Eben erst eingewechselt, hat Bachirou Salou mit der ersten Berührung den Ball ins Netz gebracht. Die große Fahne wirbelt durch den Saal, Papierschnipsel fliegen durch die Luft - „Oh, wie ist das schön..., so was ham wir lange nicht gesehen... so schön, so schön”, ein lauter Chor jubelt, feiert seine Alemannia und den Herbstmeister. „Hurraaaaaa! Wir haben gewonnen!”

Ein einmaliges Spiel ist abgepfiffen. Viele wollen demnächst wieder auf dem Tivoli dabei sein, andere kaufen im „Oskars” ihre Karten für den nächsten cineastischen Anpfiff in „Tower 7”: Der Pokalhit am kommenden Mittwoch gegen Bayern München wird der nächste Kinohit.