1. Lokales
  2. Nordkreis

Herzogenrath: Falsches Timing, zu viele Längen

Herzogenrath : Falsches Timing, zu viele Längen

„Eine gewisse Eleganz muss schon sein.” Recht hat die Frau: In kurzem Rock, knallenger grüner Korsage, wilder leicht ergrauter Mähne und Bergsteigerstiefeln - über Geschmack lässt sich ja bekanntlich nicht streiten - betritt Birgitta Altermann die Bühne.

Die ausgebildete Pianistin ist bereits zum zweiten Mal zu Besuch im Soziokulturellen Zentrum Klösterchen - in diesem Jahr auf Einladung der Gleichstellungsbeauftragten Birgit Kuballa und des Kulturamts der Stadt Herzogenrath.

Im letzten Jahr begeisterte sie mit ihrem Programm „Vergessene Duelle zwischen Clara und Robert Schumann”. Jetzt ist sie zu Gast mit ihrem aktuellen Bühnenstück „Madonna out of Bingen” - ein zunächst wahrhaft viel versprechender Titel.

Doch Birgitta Altermann, die mittlerweile seit 25 Jahren auf der Bühne steht, hat ihr Repertoire erweitert. Als One-Woman-Music-Comedy-Show bezeichnet ihre Texterin Lilly Walden das neue Solostück.

„Wir dachten uns: je skurriler desto besser”, sagt Walden. Doch der größte Teil der Zuschauer dachte wohl nur: Je alberner desto schlechter.

Dabei erwiesen sich die meisten Besucher jedoch als ausgesprochen schmerzlos. Nur ein Paar verließen bereits in der Pause das Klösterchen. Aber Altermann kämpfte sich tapfer weiter durch das Programm.

Schade, dass sich die virtuose Musikern mit allzu vielen Albernheiten vollkommen verzettelte. Richtig gut war Altermann nur am Klavier.

Bei den musikalischen Darbietungen zeigte sie ihr ganzes Können. In Erinnerung bleiben wird aber leider nur ihr blinkender Busenaufsatz, der immer dann punktgenau leuchtete, wenn sich der Saal verdunkelte, und ihre offensichtlichen Probleme mit dem Timing. Denn das stimmte an kaum einer Stelle im Programm.

Zu lang verging sich Altermann in schleppend dargebotenen Monologen über Pickelsalbe und Fußcreme, mixte und rappte sich quer durch die Kompositionen von Frauen in neun Jahrhunderten.

Die Zuschauer, die noch übrig geblieben waren, spendeten zurückhaltend-freundlichen Applaus, verkniffen sich aber immerhin die Buh-Rufe. An eine Zugabe war für Birgitta Altermann da diesmal nicht zu denken.