Herzogenrath: „Fahrenheit 451“: Ein ganzes Bücherregal fliegt in die Luft

Herzogenrath: „Fahrenheit 451“: Ein ganzes Bücherregal fliegt in die Luft

Bücherverbrennungen, das Ende der Meinungsfreiheit und eine brennende Schule: Alles das ist Teil der neuen Inszenierung des Literaturkurses der Europaschule Herzogenrath. Unter der künstlerischen Leitung von Tanz- und Theaterpädagogin Nicole Jacobi wird dort derzeit Ray Bradburys ewig junge Dystopie (negative Utopie) „Fahrenheit 451“ in ein neues Gewand gepackt.

Im Zentrum steht dabei die Theateraufführung am Freitag, 14. Juni, in der Aula der Schule. Doch um der Feuerwehr, die in diesem von Francois Truffaut 1966 auch verfilmten Buch eine Hauptrolle spielt, noch die Möglichkeit zu geben, sich mit ihrem Element Feuer auseinanderzusetzen, hatte Jacobi eine Idee: „Die Institution Feuerwehr wird in Fahrenheit 451 als staatliches Kontrollinstrument missbraucht und hat ein diktatorisches Negativ-Image“, sagt sie. Umso toller fand sie, dass die Jungs und Mädels von der Feuerwehr Herzogenrath sich sofort als Teil des Theaterstücks erwärmen konnten, das auch filmisch umgesetzt wird. Sie spielen nicht nur die für eine Projektion während des Stücks benötigten Wehrleute im Film. „Neben dem alltäglichen, dem Gemeinwohl unserer Gesellschaft dienenden Tätigkeitsfeld der heutigen Feuerwehr, zeigt sie durch die Beteiligung an der Aufführung an einem solch gesellschaftskritischen Stück, dass sie gerade mit der Feuerwehr von Ray Bradbury absolut nichts gemein hat, sondern vielmehr auch für die Meinungsfreiheit voll einsteht“, sagt Jacobi.

Fahrenheit Foto: Markus Bienwald

Die Wehrleute sorgen an diesem Samstagnachmittag natürlich auch für Sicherheit. Und das nicht zu knapp: Nicole Jacobi und ihr Team mit Lehrer Jens Klein, den professionellen Filmern Kai Gusseck und Conar Crowe sowie Pyrotechniker Marc Speer fordert alles von den Wehrleuten.

Fahrenheit Foto: Markus Bienwald

Marc Speer hat dazu tief in die Trickkiste gegriffen. Er sorgt mit ungefährlichem Tischfeuerwerk für eine kleine Wand aus „kaltem Feuer“, sorgt für die richtigen lodernden Flammen, wenn Bücher verbrannt werden und jagt kurzerhand für die Filmaufnahmen mit einem dicken Knall ein solides Bücherregal in die Luft. Und während Nicole Jacobi an der Nebelmaschine die richtigen Knöpfchen im vom Kamerateam vorgegebenen Takt drückt, dabei immer um die künstlerische Note der Action kämpft, sind die Wehrleute voll im Einsatz. Sie räumen in der Bibliothek der Europaschule die (ausgemusterten) Bücher krachend aus dem Regal, lassen den ehemaligen Lesestoff knallend von der am Altbau angebrachten Rettungstreppe regnen und nutzen ihre Ausrüstung einmal im praktischen Einsatz.

Kalte und heiße Proben

Denn einer von ihnen darf während der Dreharbeiten in einen feuerfesten Ganzkörperanzug mit Beatmungstechnik schlüpfen. Damit ist er nicht nur der von der Dramaturgie geforderte Brandstifter, sondern gleichzeitig auch einer derer, die im Wortsinn durchs Feuer gehen. „Cut“, ruft Conar Crowe kurz, alles ist im Kasten. So einfach, wie sich das liest und so schnell, wie es später im rasant geschnittenen Stück zur Bücherverbrennung geht, ist das natürlich nicht abgedreht. Da gibt es kalte und heiße Proben, mit und ohne Pyrotechnik, mit und ohne Mummenschanz. Bis die Szene mit den in die Bibliothek einmarschierenden Wehrleuten steht, vergehen mindestens fünf „Takes“: Fünf Mal muss die Szene in unterschiedlichen Einstellungen neu gedreht werden.

Alles hat geklappt

Doch der Aufwand lohnt sich, auch wenn Nicole Jacobi an diesem Vormittag durchaus Nerven lässt und das ein oder andere Mal tief durchatmen muss, ist sie sehr zufrieden mit ihrem Team. „Ich bin stolz, dass das so geklappt hat“, sagt sie. Nur beim Knall, als sich das Bücherregal in Sekundenbruchteilen in seine Bestandteile auflöst, ist sie ein wenig zusammengezuckt ...

(mabie)