Baesweiler: Experten informieren zum Thema Passivhaus

Baesweiler: Experten informieren zum Thema Passivhaus

Den Umbau des Baesweiler Gymnasiums zum Passivhaus - unlängst mit dem Passivhaus-Zertifikat ausgezeichnet - hat in der Burg Baesweiler eine Expertenrunde zum Anlass genommen, das Thema detailliert zu beleuchten.

Viel Wissenswertes rund um die energetische Sanierung gab es bei Vorträgen von Professor Dr. Wolfgang Feist, Leiter des Darmstädter Passivhausinstituts, und Professor Ludwig Rongen, der die Planung und Umsetzung am Gymnasium mit seinem Architekturbüro begleitet.

Feist stellte heraus, dass die Leistung des Planungsteams in Baesweiler besonders groß gewesen sei. Denn ein bestehendes Gebäude mit einer Fläche von 8000 Quadratmetern zum Passivhaus umzubauen, sei bisher absolut einzigartig. Die Schule erfülle nun nämlich die Passivhaus-Standards für einen Neubau.

Das heißt, dass sie 80 Prozent weniger Heizenergie braucht als gesetzlich für einen Neubau vorgeschrieben. Dieses Beispiel soll Schule machen, denn in Zukunft müsse der Energiebedarf drastisch gesenkt werden, betonte Feist. „Früher haben wir Häuser unter extrem günstigen Bedingungen für die Beschaffung von Energie gebaut. Das hat sich massiv geändert.”

90-prozentige Senkung

Was man braucht, um den Energieverbrauch auf Passivhausstandard zu senken, sei wenig überraschend: gute Wärmedämmung, Dreifachglasfenster und ein Lüftungssystem mit Wärmerückgewinnung. Was mit diesen Maßnahmen möglich ist, hätten die Bauherren am Gymnasium eindrucksvoll demonstriert: Der Energiebedarf wurde um 90 Prozent gesenkt. „Für die meisten, die das zum ersten Mal hören, ist es zu schön, um wahr zu sein. Aber es geht”, sagte Feist.

Wichtig sei bei einem Mammut-Projekt dieser Art die reibungslose Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten - in diesem Fall Stadtverwaltung, Planer und Baufirmen. „Das lief alles ganz unbürokratisch”, erklärt Planer Rongen mit Blick auf die fast abgeschlossene energetische Sanierung von Trakt I des Gymnasiums.

„Die Arbeitsweise der Verwaltung erinnert an ein freies Büro”, lobte er. Zudem sei nicht an allen Ecken und Enden gespart worden. „Es hieß nicht immer nur: billig, billig, billig”, sagte Rongen. „Wir konnten den Umbau attraktiv realisieren.” Um den hohen Standards zu genügen, müsse auch das Detail beachtet werden. So könnten Wärmebrücken Einspareffekte zunichte machen. Daher verwende man etwa Edelstahlwinkel, die schlechte Wärmeleiter seien.

Damit auch andere Bauträger von den Erfahrungen der Baesweiler Planer profitieren können, bereitet die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) den kompletten Prozess der energetischen Sanierung des Gymnasiums auf. Besonders die Planungsphase ist von Bedeutung. Rongen: „Wichtig ist, dass alle mit einbezogen werden. Wir müssen den Handwerkern erklären, worauf es ankommt, dann passieren Standardfehler nicht.” Das ist auch für Sabine Djahanschah von der DBU von zentraler Bedeutung. „Eine integrierte Planungsphase ist wichtig. Da werden die Weichen gestellt.”

Auch finanziell profitieren viele Akteure von Vorzeigeprojekten wie in Baesweiler, besonders die Bauindustrie. „Das ist gut für die Wirtschaft in der Region. 70 bis 80 Prozent der Wertschöpfung finden auf der Baustelle statt”, erklärte Feist. Aber auch die Stadt profitiere finanziell. Peter Strauch, Technischer Beigeordneter: „Langfristig wird es zu Kostensteigerungen bei der Energie kommen.” Aber das Gymnasium werde auf der städtischen Energierechnung künftig nur noch ein kleiner Posten sein.

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