Evangelische Kirche rückt in Baesweiler zusammen

Gemeinden fusionieren: Evangelische Kirche rückt in Baesweiler zusammen

Die Protestanten in Baesweiler rücken ab dem kommenden Jahr näher zusammen: Die evangelischen Kirchengemeinden Baesweiler und Setterich-Siersdorf fusionieren zur Evangelischen Kirchengemeinde Baesweiler-Setterich-Siersdorf. Das betrifft insgesamt 4500 Gemeindemitglieder, 2700 in Baesweiler und 1800 in Setterich-Siersdorf.

Der Entschluss kommt allerdings nicht überraschend, haben sich doch bereits zwei Fusions-Gemeinden im Nordkreis gebildet – die Christusgemeinde Alsdorf-Würselen-Hoengen-Broichweiden und die Lydia-Gemeinde Herzogenrath. Gespräche für das Vorhaben in Baesweiler gebe es schon seit mehreren Jahren, sagt Ulrich Schuster, Pfarrer in Setterich.

Die Gründe seien vor allem finanzieller Natur. „Seit mehreren Jahren zeichnete sich ab, dass die Finanzlage knapp wurde“, sagt Schuster. „Nach einer Gemeindeversammlung wurde entschieden, dass wir die Erlöserkirche und die Gnadenkirche schweren Herzens aufgeben müssen.“ Das heißt auch: Der zentrale Ort, mit allen Gottesdiensten der neuen Gemeinde, wird die Friedenskirche in Baesweiler sein.

Dort wird Schuster mit seinem Pfarrer-Kollegen Jochen Gürtler zusammenarbeiten. Genauer genommen arbeiten sie schon längst zusammen, denn der Gründungsgottesdienst der neuen Gemeinde am Sonntag, 27. Januar, 10 Uhr, wird nicht der erste gemeinsame Gottesdienst sein.

Bereits in diesem Jahr wurde zusammen Christi Himmelfahrt begangen. Und das Team Schuster/Gürtler funktioniert, wie sie sagen. „Es macht Spaß. Ich erlebe ihn als jemanden, der kein Platzhirsch ist. Wir geben uns Raum für unsere Ideen. Das klappt bestens“, sagt Gürtler. Auch Schuster ist bisher begeistert: „Wir ergänzen uns sehr gut. Wir werfen uns gegenseitig die Bälle zu. So entstehen natürlich auch sehr viele Ideen, auf die man als Einzelner nicht kommt.“

Doch nicht nur für die Verantwortlichen wird sich ab Januar offiziell viel ändern, sondern auch für die Kirchenbesucher, vor allem die aus Setterich und Siersdorf. Der aktuelle Plan ist, so Schuster, die Erlöserkirche Ende März zu entwidmen, die Gnadenkirche folgt Ende Juni.

Ab Juli finden dann alle Gottesdienste ausschließlich in der Friedenskirche statt. Gerade für ältere Kirchengänger könnte dies zu einem logistischen Problem werden. Doch auch daran hat das Pfarrerteam gedacht: „Es ist ein Fahrdienst in Planung, der für alle Settericher und Siersdorfer eingerichtet wird. Da sind wir momentan noch in den Feinabstimmungen“, sagt Schuster. Und auch das Gemeindebüro in der Gnadenkirche wird umziehen. Nicht von der Fusion betroffen ist das Settericher Familienzentrum „Engelhaus“. Dort wird die Arbeit mit Kindern im Alter zwischen zwei und sechs Jahren weiterhin fortgeführt.

Ideen und Projekte für die Zukunft der Gemeinde werden nicht nur von den Pfarrern und dem Presbyterium entwickelt. „Es ist uns sehr wichtig, dass unsere Kirchenmitglieder mit an der Zukunft arbeiten“, sagt Gürtler und erhält ein zustimmendes Nicken seines Kollegen. Dafür hatten die beiden zu einer „Zukunftswerkstatt“ im Oktober geladen.

Dabei entstanden viele hilfreiche Ideen wie die Modernisierung der Öffentlichkeitsarbeit, neue Impulse für die Kinderkirche oder ein Interkulturelles Fest im Familienzentrum. „An diesem Tag wurde die Vielfalt unserer Gemeinden sichtbar und der Elan, mit dem alle die Veränderung angehen wollen“, sagt Schuster. „Und die, die am traurigsten darüber waren, dass wir umziehen müssen, haben sich am intensivsten eingebracht.“

Jede Fusion ist anders

Da die Baesweiler Zusammenlegung die letzte im Nordkreis ist, könnte man meinen, dass sich Schuster und Gürtler viel von den anderen abgucken konnten. „Das wäre schön, wenn man alles einfach übertragen könnte. So einfach ist es aber nicht. Keine Fusion ist wie die andere. Und bei uns ist es ja noch etwas anders, als bei den anderen Gemeinden: Die Gebäudefrage war von Anfang an geklärt“, sagt Gürtler. Ein Punkt, der einige Dinge auch leichter machte als für die Christus- und die Lydia-Gemeinde. Dort mussten die räumlichen Fragen deutlich intensiver geklärt werden.

Eins haben die Fusionen jedoch gemeinsam: „Die drei größeren Gemeinden sind strukturell stabiler aufgestellt als die ursprünglichen sieben“, sagt Gürtler. Das habe man bereits beim ersten gemeinsamen Gottesdienst im Mai hautnah erlebt: „Die Gemeinde singt ganz anders, viel kraftvoller. Das war sehr schön zu beobachten.“

Das neue Symbol der Kirche wird die Silhouette einer Christusfigur mit zur Seite gestreckten Armen sein – fast gleich dem Schatten des berühmten Cristo Redentor im brasilianischen Rio de Janeiro. Diese Figur finden die Kirchenbesucher auch auf dem Taufdeckel der Friedenskirche wieder. „Uns war es wichtig, dass unser neues, gemeinsames Symbol auch in der Kirche sichtbar ist“, sagt Gürtler.

Und für alle, die der Fusion noch skeptisch gegenüberstehen, hat Setterichs Pfarrer Schuster einen weiteren Vorteil für die kalten Tage im Gepäck: „Im Winter ist es in der Friedenskirche schön warm. Da braucht man keine Jacke, das ist in einer Kirche ja selten der Fall“, sagt er. Sein Kollege lacht und sagt: „Das sollte aber nicht der Hauptgrund sein!“ Das neue Team versteht sich.

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