Würselen: „Euroscola“-Projekt: Große Lust auf ein Stück Europa hautnah

Würselen: „Euroscola“-Projekt: Große Lust auf ein Stück Europa hautnah

Die Idee mit den süßen Präsenten haben sie ziemlich schnell verworfen. Eigentlich wollten die Schüler des Heilig-Geist-Gymnasiums echte Öcher Printen einpacken, eine für jeden Teilnehmer des Euroscola-Projektes in Straßburg. Bis ihnen auffiel, dass das ja mehr als 600 sind. So wird aus Kostengründen doch nichts draus. Aber große Erwartungen und reichlich Neugier auf Begegnungen mit Jugendlichen aus ganz Europa gehören zum Reisegepäck.

Zum zweiten Mal darf eine Delegation des HGG auf den Bänken im Europäischen Parlament teilnehmen. „Das ist an sich schon eine Sensation“, findet Lehrer Josef Weitz. Die Teilnahme an dem 1990 gestarteten Projekt, das die Jugend für Europa begeistern soll, ist nämlich groß. Nur 15 Klassen pro Jahr und Land können teilnehmen. Und das HGG war bereits 2011 dabei. Seinerzeit hatte eine originelle Bewerbung — auch in lateinischer Sprache — die Auswahlkommission überzeugt. „Das konnten wir nicht nochmal bringen“, sagt Weitz. Zumal seit einem Jahr sogar eine national Vorrunde vor der gesponserten Fahrt — 3000 Euro erhalten die HGG-Schüler — steht. Also haben die Schüler eine eigene Website gebastelt und haufenweise Bilder und Infos aus der Euregio draufgepackt.

„Im Grunde leben wir Europa hier ja schon in besonderer Weise. Die Nachbarn sind uns ja ganz nah“, sagt Sina Held, der gemeinsam mit Clemens Ullrich eine besondere Aufgabe zukommt, wenn sie am 11. April im Parlament steht. Dort werden die beiden auf Englisch etwa eine Minute lang ihre Schule und die Aachener Region vorstellen. „Vielleicht packen wir auch das CHIO-Reitturnier und den Aachener Weihnachtsmarkt mit in die Rede“, sagt Sina, „die kennt man wohl auch in anderen Ländern“. Einen werden sie wohl auch erwähnen: Martin Schulz. Schließlich war der heutige Präsident des Europäischen Parlaments ja auch mal Schüler des Heilig-Geist-Gymnasiums.

„Wir wollen Botschafter sein“

Die 32 Würselener Schüler zwischen 16 und 18 Jahren sehen sich durchaus als Botschafter. Gerade weil Deutschland im Zuge der andauernden Bankenkrise in Europa das miese Image des Sparzwang-Diktators hat. „Wir sind schon gespannt darauf, in Gesprächen zu erfahren, was die Jugendlichen von uns Deutschen halten“, sagt Clemens Ullrich. In international besetzten Gruppen werden die Teilnehmer Themen wie „Umwelt und erneuerbare Energien“, „Informationsfreiheit“ oder „Die Zukunft Europas“ erarbeiten und anschließend im Plenum vorstellen. Könnte aufregend sein. Lampenfieber haben sie aber nicht, meint Sina Held, es herrsche eher eine freudige Erwartung.

Am Parlamentstag sind die Schüler übrigens ganz auf sich gestellt. Für die Lehrer gibt es einen eigenen Raum, in dem sie sich austauschen können. Ihr Thema dürfte klar sein: die Bildung. Josef Weitz: „Wird interessant sein, zu hören, welche Unterrichtsmethoden in den anderen Ländern gefragt sind.“ Darum geht es ja bei Europa: Vielfalt erfahren — und Gemeinsamkeiten entdecken und sie zu fördern.

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