Kerkrade/Herzogenrath: Eurodetag: Baalsbruggermühle öffnet ihre Pforten

Kerkrade/Herzogenrath: Eurodetag: Baalsbruggermühle öffnet ihre Pforten

Denkmäler, die an Grenzen erinnern oder auch zur Grenzüberschreitung einladen, gibt es in Roda zur Genüge. Man denke nur an die Burg oder auch an das Kloster Rolduc. Und beim jüngsten Eurodetag im historischen Eurode-Dreieck war neben diesen beiden Besuchermagneten mit der Baalsbruggermühle auch ein vielleicht weniger bekanntes Monument zu erleben.

Das Erlebnis der Mühle beginnt schon beim Zugang, denn ein bisschen Mut gehört dazu, sich der historischen Baalsbruggermühle von der Wasserseite aus zu nähern. Die Brücke über die Wurm, die für den Antrieb der Mühle sorgte, hat in der Mitte ein Stück zum Wasser hin durchschaubares, aber stabiles Lochgitter, das den Blick auf den fließenden Strom ermöglicht. Schon Augenblicke später finden sich die Besucher in einer anderen Zeit wieder.

Holz und Naturstein

Niedrige Türstöcke fordern von manchen Hochgewachsenen ein gesenktes Haupt, die Wände und die Ausstattung des Denkmals direkt an der deutsch-niederländischen Grenze verdient das Prädikat „historisch“ und das Ambiente ist einzigartig. Holz und Naturstein sind in der heute vom Bauhausstil beeinflussten Geradlinigkeit beinahe in Vergessenheit geraten und feiern hier eine fröhliche Auferstehung.

Filigran und kompliziert

Anlässlich der Führungen zeigten die Mitarbeiter der Mühle aber auch gerne, wie mühsam früher der Weg vom Korn zum gemahlenen Mehl war. Zunächst musste ein Kraftschluss vom antreibenden Wasserrad her und über ein filigran und kompliziert zugleich wirkendes Holzkonstrukt auf den großen Mahlstein übertragen werden. Heute gelingt das einfach mittels eines Elektromotors, der mit gar nicht mal soviel Geräusch schon wenige Momente später dafür sorgt, dass das erste Mehl vom Mühlstein in den Jutesack staubt. Und neben der Klangkulisse war auch das gesamte Ambiente, in dem ein steter Mehlgeschmack den Mund zu füllen schien, beeindruckend.

Natürlich gab es bei einem Stück Kuchen und einer Tasse Kaffee, sowie verschiedenen musikalischen Beiträgen, auch viele Informationen rund um die über 900-jährige Geschichte dieses Mühlenstandortes. So wurde sie erstmalig 1106 in alten Schriften der Abtei Klosterrade, dem heutigen Rolduc, erwähnt. Der Bauplatz war übrigens nicht willkürlich gewählt, vielmehr hatte Gründer Ailbertus von Antoing eine Stelle ausgesucht, in der es zahlreiche Brunnen mit sauberem Wasser, fruchtbaren Boden und viel Wald gab.

Im 17. Jahrhundert verfiel der ursprüngliche Mühlenstandort immer mehr, so dass die Klosterleitung beschloss, die heute noch aktuelle Baalsbruggermolen, wie sie in Kerkrade heißt, zu bauen. Die Einkünfte aus der Mühle generierten sich dabei auch aus dem Zwang des Grafen von Burg Rode, das Mehl der Bauern aus der Umgebung ebendort mahlen zu lassen. Diese sogenannte „Bannmühle“ oder „Zwangsmühle“ erhielt ein Zehntel des gemahlenen Getreides. Aber nicht nur Korn wurde gemahlen, auch Öl wurde hier gepresst. Dazu waren ursprünglich einmal drei Wasserräder vorhanden, von denen leider keins mehr erhalten ist. 1917 wurde das kleine Backsteinhäuschen mit einer Wasserturbine zur Energieerzeugung angebaut, die derzeit noch auf eine Restaurierung wartet.

(mabie)