Herzogenrath: Eurode-Rollstuhlwandertag führt sechseinhalb Kilometer durch die Natur

Herzogenrath : Eurode-Rollstuhlwandertag führt sechseinhalb Kilometer durch die Natur

Organisatorin Anne Fink vom Behindertenforum der Stadt Herzogenrath hatte ein Machtwort gesprochen: „Der Regen ist abbestellt. Die dunklen Wolken am Horizont wurden offiziell ausgeladen.“ Mit diesen prophetischen Worten erklärte sie die 21. Ausgabe des Eurode-Rollstuhlwandertags für eröffnet — und sollte Recht behalten.

Die ersten Tropfen fielen erst aufs Broichbachtal, als alle Teilnehmer schon wieder am Ausgangspunkt angelangt waren. In der Aula des Gymnasiums Herzogenrath wartete ein bunter Nachmittag auf alle Beteiligten. Der einstige Wunsch von Lilian Bos und Rainer Kratz, mit anderen Gehandicapten eine Rollstuhltour durch Roda machen zu können, hat sich längst in ein beachtliches Event verwandelt. Nachdem die kooperierenden Kerkrader Kollegen („Zonnebloem Region Parkstad“, Stichting Platform Gehandicaptenbeleid) im vergangenen Jahr die 20-jährige Jubiläumsausgabe ausrichten durften, wurde die diesjährige Veranstaltung traditionell wieder an Herzogenrath vergeben.

Deutsches und niederländisches Rotes Kreuz hatte sich vorab im Foyer der Schulaula eingefunden und übernahm die medizinische Betreuung. Eine Aachener Sanitätsfirma unterstützte den Tagesausflug und bot kostenlose Rollstuhlwartungen auf dem Gelände an. Zusätzlich wurden gelbe Warnwesten für alle Teilnehmer gestiftet. Nachdem die Anwesenheitsliste abgeglichen war und alle „Rollis“ bereit waren, ging es los in die Idylle am Broichbach.

Wilfried van Aken, der das Organisationsteam des Behindertenforums Herzogenrath seit Jahren tatkräftig unterstützt, übernahm die Leitung des Zuges. Franz Driessen (Zonnebloem) und Hans Bervoets (Gehandicaptenbeleid) konnten aus niederländischer Sicht erfreulich viele Landsleute begrüßen. „Es ist so, dass in Kerkrade immer mehr Niederländer mitfahren als in Herzogenrath. Ich freue mich, dass heute so viele den Weg hierhin gefunden haben“, sagte Driessen. Trotzdem hatte Herzogenrath aufgrund des „Heimvorteils“ schlussendlich eine etwas höhere Teilnehmerzahl.

Ein Großteil der insgesamt gut sechseinhalb Kilometer langen Route führte entlang des Bachlaufs. Dieser befestigte Pfad, Teil des barrierefreien Wegweisungskonzepts in Wurm- und Broichbachtal, konnte zum ersten Mal während eines Rollstuhlwandertags benutzt werden. Bettina Herlitzius vom Inklusionsamt der Städteregion machte sich denn auch vor Ort einen Eindruck vom „Test unter Realbedingungen“.

Kurz nach der Hälfte der Strecke konnte dann auch eine neue Behindertentoilette in Augenschein genommen werden. Für die deutsch-niederländischen Veranstalter zählt, dass durch gemeinsame Freizeitaktivitäten eine starke Gemeinschaft heranwächst. „Wir wollen die Menschen ermutigen, selbstbewusster mit ihrem Handicap umzugehen. Der Wandertag ist ein erster Anstoß, viele probieren die Route später nochmals aus“, erläuterte Fink. Der „Besenwagen“, der defekte Rollstühle aufsammeln und zurückbringen sollte, erlebte glücklicherweise einen ruhigen Nachmittag.

Nicht nur die beeindruckende Präzision, mit der sich der Tross in Bewegung setzte, ließ erahnen, mit wie viel Liebe zum Detail die Verantwortlichen das Event vorbereitet hatten. Auch seitens des Stadtsportverbands waren drei Helfer dabei. Nachdem alle Teilnehmer bei bester Laune wieder in die Schulaula zurückgekehrt waren, ging der Spaß nahtlos weiter. Der deutsch-vietnamesische Freundeskreis Aachen hatte sich angekündigt und verzauberte die Zuschauer auf der Bühne mit dem „Lotusblütentanz“ — ein Hauch fernöstlicher Magie wehte durch das Publikum.

Alleinunterhalter Rinus Hermsen — als Teilnehmer der letztjährigen Ausgabe bereits ein Begriff — führte durch fast vier Jahrzehnte Musikgeschichte und lud zum Mitsingen ein. Magier Jörg Tullius alias „Tullino“ brachte mit raffinierten Illusionen das Publikum auf seine Seite. Der „Verzauberer“ arbeitet nach dem Motto „Lachen, staunen, träumen“ — und brachte damit den Geist des Rollstuhlwandertags auf den Punkt.