Herzogenrath: Eugenie-Bongs-Beer-Werke: Verbindung zwischen Himmel und Erde

Herzogenrath: Eugenie-Bongs-Beer-Werke: Verbindung zwischen Himmel und Erde

Der Eurode-Bahnhof war proppenvoll. Knapp 200 Leute waren gekommen, um die Eröffnung einer Ausstellung der Werke von Eugenie Bongs-Beer zu erleben.

„Unsere Ausstellungen sind immer gut besucht, aber so viele Leute waren noch nie zu einer Vernissage hier”, freute sich Professor Fritz G. Rohde, Vorsitzender des Forums für Kunst und Kultur in der Euregio. Bongs-Beer zeigt Arbeiten zum Thema „Horizonte”. Die Ausstellung ist noch bis Sonntag, 19. Februar, zu sehen.

Die Bilder zeigten eine „enorme Entfaltung und Freiheit”, erklärte Professor Wolfgang Becker, ehemaliger Direktor des Aachener Ludwig-Forums. „Die meisten Bilder schichten in der Tat horizontale Flächen übereinander. Es werden landschaftliche Gefühle erzeugt”, erläuterte Becker.

Eigentlich ist Eugenie Bongs-Beer Bildhauerin. 1990 begann sie dann durch Arbeiten für die Bayrische Staatsoper und das Aachener Theater mit der Malerei. Dabei setzt sie viele unterschiedliche Materialien ein. Sie bringt Steinstaub - etwa Alabaster, Speckstein und Ziegel - oder Gaze-Fasern auf die Leinwand oder auf Kahari-Papier (ein von Hand in Bütten geschöpftes Papier aus dem Himalaya).

„Sie bringt Materialien aus der Bildhauerei in die Malerei ein”, sagte Becker. So etwa bei dem Werk „frozen fogs” (gefrorene Nebel). Dabei sind verschiedene Steinstäube und Gaze auf der Leinwand angebracht. Die Gaze verwendet Bongs-Beer in den meisten ausgestellten Bildern. Das enge oder breitmaschige Fasergeflecht „erzeugt so etwas, wie ein elektrisches Knistern”, erklärte Becker.

Bongs-Beer lässt sich von den verwendeten Materialien leiten. „Die Arbeiten entstehen sehr spontan. Ich habe keine fixierte Bildvorstellung. Ich gehe von dem Material aus, das die Spuren setzt”, sagt sie. Ihre Monotypien fertigt sie mit Gaze und Ölfarben auf Papier und Metall.

Besonders deutlich werde die Verbindung zwischen Himmel und Erde bei der „monumentalen Kalligraphie” der Künstlerin mit dem Titel „Jakobsleiter”, erklärte Becker. Die Jakobsleiter steht für den Auf- und Abstieg zwischen Himmel und Erde. Bongs-Beer zeigt allerdings eine zerbrochene Leiter: „Weil in unserer Zeit nicht alles heil ist.”

Eugenie Bongs-Beer wurde in Österreich geboren und wuchs am Niederrhein auf. Sie studierte an der Staatlichen Kunstakademie in Düsseldorf und an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin Bildhauerei. Sie war Meisterschülerin von Joseph Beuys. Ihr Werk umfasst Plastiken, Zeichnungen, Radierungen, Gemälde und Monotypien. 2008 war sie „Visiting artist in residence” am Arlington Arts Center in den USA.

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