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Alsdorf: „Es war Liebe auf den ersten Blick”

Alsdorf : „Es war Liebe auf den ersten Blick”

Es regnet. Der Himmel ist ein einziges Grau in Grau. Was aber ein echter Automobilist ist, der lässt sich von solchen Widrigkeiten das Fahrvergnügen nicht vermiesen. Die rund 50 Fahrer mit ihren 40 Oldtimern, die sich am Pfingstmontag beim Mazda-Autohaus Hamacher eingefunden haben, freuen sich ungeachtet des Nieselwetters auf die Ausfahrt nach Schierwaldenrath.

„Die Pfingstausfahrt zur historischen Kleinbahn hat bei uns Tradition”, bemerkt Heiner Erven. Gemeinsam mit Willi Schmitz von der „Stichting Euregioroute” organisiert er die Ausfahrt nach Schierwaldenrath, die im Rhythmus von zwei Jahren stattfindet.

Wie der Clubname andeutet, kommt die Fahrerschaft aus dem Dreiländereck. „Es sind 15 holländische Teams und zwölf aus Belgien dabei. Wir Deutsche sind heute aber in der Überzahl”, sagt Erven mit einem Augenzwinkern.

Den Titel „ältestes Team” beanspruchen Martin und Hella Heel für sich. „Zusammen mit unserem Auto bringen wir es auf 223 Jahre: Meine Frau ist 76 Jahre alt, ich bin 75 und das Auto hat 72 Jahre auf dem Buckel”, flachst Martin Heel. Ihr Schmuckstück ist ein roter BMW 319, Baujahr 1935.

„Es war Liebe auf den ersten Blick”, gesteht Martin Heel. „Vor acht Jahren machten wir bei einer Oldtimer-Ausfahrt mit. Zur Übernachtung ging es in ein Hotel. Das Auto war in der Hotelhalle zum Verkauf ausgestellt - einfach bildschön”, schwärmt Martin Heel noch heute. „Drei Tage lang habe ich mit Bauchschmerzen überlegt, ob ich den Oldtimer kaufen soll oder nicht”, erzählt er. „Dann sagte meine Frau zu mir: Nun gehÔ endlich das Geld von der Bank holen, sonst ist der Wagen am Ende noch weg und ein anderer kauft ihn. Also habe ich den Wagen gekauft - ohne Probefahrt.”

Bei der Hochzeit seiner Tochter fuhr er den Wagen zum ersten Mal. „Auf 60 Kilometer hat er 40 Liter geschluckt. Das Auto war katastrophal eingestellt, da stimmte nichts”, berichtet der Oldtimer-Fan. Und, wie läuft das Schätzchen jetzt? „Seit das Auto überholt worden ist, fährt es auf moderaten zehn Litern.”

Warum muss es ein Oldtimer sein? Was spricht gegen einen flotten Flitzer neueren Datums? „Wissen Sie, das ist der Spieltrieb eines alten Mannes. Mein erstes Auto war ein Coupé, eine BMW 700 LS. An diesem Auto habe ich unwahrscheinlich viel gearbeitet, das ist schon ein tolles Gefühl, wenn der Wagen dann endlich läuft.” Wieviel Kilometer der Oldtimer gelaufen hat, das weiß Martin Heel nicht. „Bei 100.000 Kilometer dreht der Zähler leider wieder zurück auf Null.”

Das stärkende Frühstück im Autohaus ist beendet, es kann losgehen. Fahrvergnügen ist garantiert - trotz des Dauerregens.