Alsdorf: Es geht weiter: Interessent für 3Pagen gefunden

Alsdorf: Es geht weiter: Interessent für 3Pagen gefunden

Für die 3Pagen Versand- und Handels GmbH, ein in Alsdorf ansässiges Spezialversandhaus für Deko-, Haushalts- und Gesundheitsartikel, ist ein potenzieller Käufer gefunden. Das teilte das Traditionsunternehmen am Donnerstag unserer Zeitung mit.

Die Erleichterung war der Belegschaft ins Gesicht geschrieben. Es geht weiter! Das hätte auch ganz anders ausgehen können, wie jüngste Entwicklungen in der Branche gezeigt haben. Kurz vor Ostern war es, als der Mutterkonzern des Alsdorfer Unternehmens 3Pagen verkündete, alle Handelsaktivitäten in Deutschland, Belgien, Frankreich, Spanien, Österreich und Tschechien aufzugeben.

Sprich: Die Alsdorfer Traditionsfirma stand plötzlich zum Verkauf. Wie die Geschäftsführung am Donnerstag mitteilte, hat sich nun ein potenzieller Käufer herauskristallisiert. Derzeit müsse man noch von einem „Interessenten“ sprechen, so Arnulf Zuschlag, Bereichsleiter Personal und Kundendienst von 3Pagen. Anfang Oktober fände voraussichtlich die Vertragsunterzeichnung statt, man befände sich derzeit in den Schlussverhandlungen. Darüber wurde am Donnerstagmittag auch die Belegschaft informiert.

Und wer macht das Rennen? Laut Zuschlag hat es eine Vielzahl von Interessenten gegeben, am Ende seien zwei übrig gebelieben. Letztlich ist es — so steht es in der offiziellen Presseerklärung — auf die Damartex Group hinausgelaufen. Damartex hat eine Textil- sowie eine „Home & Lifestile“-Sparte. Der vorgesehene Kauf von 3Pagen mit seinem Schwerpunkt auf Haushaltswaren, Heimtextilien und Wellness passe ideal zu den strategischen Zielen des Konzerns, nämlich einer „erheblichen Verstärkung“ seines zweiten Geschäftszweigs, so der Konzern.

Die für die 550 Mitarbeiter vermutlich interessanteste Frage wird erst auf der zweiten Seite der Mitteilung aufgegriffen: „Im Einklang mit der Integrationsstrategie will Damartex alle Mitarbeiter sowie das Führungsteam von 3Pagen unter der Leitung von Franz Hermanns behalten.“

Was sagt die Belegschaft dazu? Michaela Oitmann, Logistik-Mitarbeiterin: „Wir sind mehr als erleichtert. Man hat sich ja schon so seine Gedanken gemacht. Und Herr Seghin ist sehr sympathisch und positiv rübergekommen.“ Der CEO war persönlich angereist, um in den beiden Sitzungen mit den Angestellten die neuesten Entwicklungen kundzutun. Auch Manuela Gürth, eine Kollegin von Michaela Oitmann meinte, man könne jetzt positiv in die Zukunft blicken.

Damartex hatte in der Vergangenheit bereits mehrere Marken mit diesem Schwerpunkt gekauft. Außerdem, so wird weiter verlautbart, „würde die Damartex Group durch die Transaktion den Zugang zu neuen geographischen Regionen, insbesondere Deutschland, erhalten“. Internethandel und Seniorenprodukte würden darüber hinaus „ein enormes Potenzial an Entwicklung und profitables Wachstum“ bieten.

„Ich bin sehr erfreut über das Projekt mit 3Pagen“, sagte Patrick Seghin, CEO der Damartex Group, „die die gleichen Werte und dieselbe Kultur wie Damartex teilen.“ Nach der Akquisition von Vivadia im Mai dieses Jahres sei die in Betracht gezogene Transaktion eine „neue Phase in der Positionierung von Damartex als führendes Unternehmen im Home- und Lifestyle-Markt bei Käufern über 55. Vivadia vertreibt ebenfalls Produkte für ältere Menschen.

3Pagen wurde im Jahr 1954 gegründet und zählte im vergangenen Jahr 2,3 Millionen aktive Kunden bei einem Umsatz von 82,7 Millionen Euro. Seit Mitte 2014 liegt der Schwerpunkt auf Deko-, Geschenk- und Saisonartikeln. Rund 70 Prozent des Umsatzes erzielt das Unternehmen in Deutschland.

Hier und in Österreich werden die Produkte — von Prothesen-Haftpolstern über den elektrischen Tischgrill bis hin zu Gardinen mit Kürbis-Muster — unter dem Namen 3Pagen vertrieben, in Frankreich unter „Vitrine Magique“, in Osteuropa unter „Magnet“.

Der klassische 3Pagen-Kunde bestellt immer noch per beigelegtem Bestellschein im Katalog oder übers Telefon. 42 Millionen Kataloge und Mailings werden jährlich verschickt. Über eine Million Pakete folgen.

Die Versand- und Handels-GmbH mit Sitz an der St.-Jöris-Straße gehört bis dato zur französischen Gesellschaft „Groupe 3SI“, ehemals „3Suisses International“, mit Sitz in Croix bei Lille. 3SI will sich innerhalb eines Jahres neu ausrichten und sich auf den expandierenden Dienstleistungssektor konzentrieren. Da passte 3Pagen nicht mehr ins Konzept. Für die Belegschaft kam dieser Schritt wie aus dem heiteren Himmel, zumal die Alsdorfer Firma eine der wenigen Tochtergesellschaften ist, die Gewinn abwirft, und noch Personal eingestellt hat.

Anfang Oktober könnte das Alsdorfer Unternehmen schon unter neuer Flagge segeln, sagte Zuschlag am Donnerstag gegenüber unserer Zeitung. Der Name soll bleiben.

(vm)