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Baesweiler: Erinnerungen ans „Weiße Haus”

Baesweiler : Erinnerungen ans „Weiße Haus”

Ein bisschen verrückt - im positiven Sinne - ist Rosi Kriz heute noch. Das ehemalige Fräulein Beilicke sagt denn auch mit einem Grinsen um die Mundwinkel: „Klar, mir wäre es am liebsten, wenn viele noch im Outfit der damaligen Zeit kommen würden.”

Die damalige Zeit, als man noch mit der Zündapp KS 50 Supersport heranknatterte - das waren die späten 60er und die kompletten 70er.

An das Alter von 13, 14 Jahren hat Rosi Kriz Erinnerungen, die ihr Herz aufgehen lassen. Sie hängen mit dem „Weißen Haus” zusammen. Mit Washington und dem Oval Office hat das weniger zu tun. Das „Weiße Haus” war die gängige Bezeichnung fürs „Zentrum der Arbeiterwohlfahrt” in der Petronellastraße. Dort kamen „um 67/68 herum” Rosi Kriz, Klaus Petry und Anne Breyer zusammen und „wollten einfach nur Platten hören und abhängen, wie das heute so heißt.”

Also brachte jeder seine Platten mit und die erste Disco unter dem Namen „Beat Club” war geboren. „Wir hatten nur einen kleinen Plattenspieler mit zwei Böxchen”, schmunzelt Rosi Kriz. Aber was die drei Teenager da sonntags von 15 bis 18 Uhr auf die Beine stellten, sprach sich schnell herum.

Der „Beat Club” in der AWO wurde zum Szenetreff. Nicht nur der Musik wegen. Es wurde gekickert oder Tischtennis gespielt. Denn die AWO bot den Jugendlichen auch weitere Möglichkeiten sinnvoller Freizeitbeschäftigung an. Später war das Ganze so bekannt, dass die Leute aus Siersdorf, Alsdorf, Übach oder Geilenkirchen nach Baesweiler kamen. Kriz, Breyer und Petry erweiterten mit den Jahren das Angebot um Öffnungszeiten, Discjockeys und auch die „so genannten Älteren entdeckten unsere Beat-Club-Disco für sich”. Von den Überschüssen, die nun blieben, wurden neue Platten gekauft und irgendwann auch die Elektronik-Anlage vergrößert. Bis zum Abriss des „Weißen Hauses” im Jahre 1978 „hatten wir Hochbetrieb”.

Da schwingt ein bisschen Wehmut in der Stimme von Rosi Kriz mit. Dieses Gefühl hat sie wohl auch verleitet, eine eintägige „Reunion” aufleben zu lassen: „Und wenn´s was wird, kann man sicherlich über eine jährliche Wiederholung nachdenken.”