Nordkreis: Erfolgsgeschichte des Euregio-Kollegs Würselen soll fortgesetzt werden

Nordkreis: Erfolgsgeschichte des Euregio-Kollegs Würselen soll fortgesetzt werden

Zum Glück gibt es die Sonnenrollos an der Innenseite der nach außen gewölbten Glasfront des Euregio-Kollegs in Würselen. Sonst hätte wegen der vielen Sonnenstrahlen wohl niemand der zahlreichen Besucher beim Tag der Offenen Tür die großen Fotowände durchstöbern können, auf denen 30 Jahre Schulgeschichte dokumentiert wurden.

Kollegleiter Martin Sayer, Geschäftsführer Karl-Heinz Krawinkel vom Schulträger WBK (Weiterbildungskolleg) aus Alsdorf, und Claudia Wein-Hilger von der Öffentlichkeitsarbeit der Erwachsenenschule nahmen sich auch die Zeit für ein paar in Schwarz-Weiß und Farbe getünchte Blicke ins Geschichtsbuch.

An die Anfänge erinnert: Einen Blick in die zum Tag der Offenen Tür bebilderte Geschichte des Euregio-Kollegs in Würselen wagten Karl-Heinz Krawinkel vom Schulträger WBK, Lehrerin Claudia Wein-Hilger und Schulleiter Martin Sayer (v.l.). Physiklehrer Dr. Rudolf Repges zeigte Party-Tricks mit physikalischem Hintergrund. Foto: Markus Bienwald

Dennoch gab es zu drei Jahrzehnten Euregio-Kolleg keine knallenden Sektkorken, keine große Feier wie noch vor fünf Jahren oder gar eine Festschrift wie zum 20-jährigen Bestehen. „Wir werden intern ein wenig feiern“, sagt Martin Sayer mit einem vielsagenden Lächeln. Doch die meiste Freude bereitet ihm wohl die Tatsache, dass die Schule an der Friedrichstraße am Rande des Würselener Stadtzentrums eine echte Erfolgsgeschichte ist. „Und das von Anfang an, auch wenn ich erst zum zweiten Semester an die Schule kam“, erzählt Sayer.

Für ihn als Pädagogen, der sich nach der Ausbildung zum Gymnasiallehrer immer schon für die Sparte Erwachsenenbildung interessierte, kam die Gründung der Schule sehr gelegen. Bis dato gab es zwar ein Abendgymnasium, das aber keinen Tagesbetrieb hatte, und entsprechen andere Ausrichtungen hatte.

In der umgebauten Brotfabrik

„Anfang der 1980er-Jahre war es in der Region so, dass der Strukturwandel begann“, berichtet Karl-Heinz Krawinkel. Die Zechen waren schon dicht oder schlossen, der Verein für allgemeine und berufliche Weiterbildung (VabW) wurde 1984 in Alsdorf gegründet und das Euregio-Kolleg folgte ab 1. Februar 1986 für diejenigen, die ihre Allgemeine Hochschulreife erlangen wollten. Vom Start weg war das Kolleg, damals noch in der ehemaligen Förderschule in der Bahnhofstraße untergebracht, mit drei vollen Semestern und 75 Schülern erfolgreich. Drei Jahre später gab es den ersten Abiturjahrgang, und seitdem sind auch ein paar Seiten in der Schulgeschichte hinzugekommen.

So stand einen Umzug später der besser auf die Anforderungen einer auf Erwachsenenbildung ausgerichtete Bau an der Friedrichstraße zum Bezug bereit. Der war kernsaniert, in der früher einmal als Backstube der Konsumgenossenschaft genutzten, heutigen Aula können größere Zusammenkünfte stattfinden.

Das war auch beim Tag der Offenen Tür zu spüren, hier sogen die Besucher die Atmosphäre des Euregio-Kollegs besonders tief ein. „Den Titel tragen wir nicht umsonst“, so Karl-Heinz Krawinkel, schließlich liegt die Schule nahe am Dreiländereck.

Im Schulgebäude konnten an diesem Tag nicht nur die sprachlichen Talente der Lehrpersonen geprüft werden. Bei Dr. Rudolf Repges ging es im Physikraum auch um Physik für die Party und spannende Experimente. Keine Experimente in Sachen räumlicher und sächlicher Ausstattung gab es in der Geschichte des Kollegs. „Wir haben nicht nur kleinere Räume, die unseren Gruppen mit durchschnittlich 22 Schülern zugutekommen“, berichtet Claudia Wein-Hilger. Es gibt Gruppen-Arbeitsräume, die speziell auf die Erwachsenenbildung zugeschnitten sind, Selbstlern-Werkräume, eine Bibliothek und multimediale Ausrichtungen, die vielen modernen Ansprüchen gerecht werden.

Schon 2800 Abschlüsse

Neben der besonderen Eignung für speziell an Erwachsenenbildung interessierten Lehrkräften, ist die Schülerschaft aber auch eine andere. „Wer zu uns kommt, muss nicht nur mindestens 18 Jahre alt sein, und über eine Berufsausbildung oder nachweisbare, zweijährige Berufsausbildung verfügen“, berichtet Schulleiter Sayer. Es ist auch ein bewusster Schritt, der ans Berufskolleg gemacht wird, um mit dem wie an ganz normalen Jugendschulen zentral geprüften Abitur dann seinen weiteren beruflichen Lebensweg zu beschreiten.

Das bedeutet Vollzeit-Ausbildung, für drei Jahre, übrigens gefördert durch ein BAföG ohne Darlehensanteil. „Damit starten unsere Absolventen nicht mit einem Schuldenberg ins Studium oder in den anderen Beruf“, so Sayer. Die Motivation, sich als Erwachsener den Herausforderungen ans Lernpensum zu stellen, schlägt sich auch in simplem Zahlenwerk nieder. So gab es seit dem Start des Euregio-Kollegs schon 2800 Abschlüsse, davon 2200 mit der Allgemeinen Hochschulreife.

Ein schöner Erfolg, wie alle Beteiligten finden, aber auch das Ergebnis von drei Jahrzehnten Schularbeit. Und die ließ sich auch mit ihren gesellschaftlichen Auswirkungen sehr schön an besagter Fotowand in der Cafeteria nachvollziehen.

Denn, auch wenn die Frisuren auf den Schwarz-Weiß-Bildern anders waren: im Kopf blieb das Ziel der Absolventen dasselbe, nämlich doch noch das Abitur und damit den höchstmöglichen Schulabschluss zu erreichen.

(mabie)