Würselen: Erfolgreiches Medizinforum zum Thema Rheuma

Würselen: Erfolgreiches Medizinforum zum Thema Rheuma

Viel fehlte nicht. Und es hätte sich noch eine neue Selbsthilfegruppe vor Ort gegründet. Eine Teilnehmerin des dritten Forums Medizin war derart beeindruckt von der Qualität und des Informationsgehaltes, dass sie offen ihren Wunsch äußerte, eine zusätzliche Selbsthilfegruppe ins Leben rufen zu wollen.

Da lief die an Rheuma erkrankte Frau offene Türen beim Medizinischen Zentrum (MZ) Würselen und dessen ärztlichen Vertretern ein. Das MZ und unsere Zeitung hatten mit Unterstützung der Stadt Würselen das Forum organisiert, das unter dem Titel „Rheuma“ im Alten Rathaus stattfand. Erneut fand die Expertenrunde sehr hohes Interesse. Einige Zuschauer sprachen anschließend von der „bislang besten Veranstaltung dieser Reihe“.

Starke Rheuma-Liga

Moderiert wurde der Vortrags- und Diskussionsabend von Karl Stüber, Redakteur unser Zeitung. Er sorgte — auch durch seine teils humorvollen Wortduelle mit dem Schmerztherapeuten Dr. Till Wagner (MZ) — für zusätzliche Würze. Denn trotz des trockenen und sehr ernsten Themas gelang es den Referenten und dem Moderatoren, ein bisschen Heiterkeit zu „injizieren“.

Nach den einführenden Referaten von Wagner, dem Aachener Rheumatologen Dr. Matthias Hemmerich und Dr. Peter Bartz-Bazanella, Leiter der Internistischen Rheumatologie am MZ, ließ es die Tagesordnung auch umfangreich zu, sich den Selbsthilfegruppen zu widmen. Diesen Einrichtungen kommt angesichts der steigenden Zahl der Rheuma-Erkrankungen immer mehr Bedeutung zu.

Das unterstrichen Cornelia Opree vom Team der Rheuma-Liga Aachen und „Kollegin“ Maritta Heeren von der Rheuma-Liga Stolberg. Den Verband Rheuma-Liga gibt es seit 1970. Er ist inzwischen der stärkste Verband der Selbsthilfe in Deutschland. Cornelia Opree verwies auf ein „sehr großes Angebotsspektrum in unserer Gruppe“.

Die Mitarbeiterin und Koordinatorin des Teams Rheuma-Liga Aachen übte aber auch Kritik an der Haltung mancher Ärzte, die Patienten mit Fibromyalgie (Weichteilrheuma) „etwas herablassend behandeln“. Sie lud Interessierte ein, die vielfältigen Gymnastik- und Schwimmangebote zu nutzen. Dies ist bei einer Mitgliedschaft in der Rheuma-Liga kostenlos möglich. Zudem sind umfangreiche Informationen auch über die Internetseite verfügbar.

Warum es im hiesigen Bereich keine Selbsthilfegruppe gebe, wollte Moderator Stüber wissen. Opree sagte dazu: „Bei den meisten Einrichtungen (Bäder) scheitert es daran, keine Wassertemperatur von 32 Grad zu erreichen“.

Die Interessentin zur Gründung einer neuen Selbsthilfegruppe, nannte als Motiv: „Ich bin mal falsch behandelt worden und möchte das für mich und andere Patienten zukünftig ausschließen“ Sie lobte aber auch das MZ: „Wenn man mir hier nicht so gut geholfen hätte, säße ich jetzt nicht hier.“

Dr. Till Wagner, Chefarzt der Klinik für Schmerztherapie und Palliativmedizin am MZ, sagte den Selbsthilfegruppen jegliche Unterstützung zu. „Wir binden die Gruppen schon mit ein. Uns ist die Zusammenarbeit sehr wichtig.“

Maritta Heeren stellte lobend heraus: „Hier in Würselen gibt es neben der Schmerztherapie auch Rheumatologen. In dieser Kombination hat man das nirgendwo in unserer Region. Auch nicht in der Uniklinik Aachen.“

Etwas völlig neues präsentierte der Chef-Rheumatologe Dr. Peter Bartz-Bazanella mit dem Netzwerk „RhePort.de“. Hierbei handelt es sich um ein Internetportal, das schnelle Hilfe bieten soll.

Schnell Termine bekommen

Grund der Einrichtung ist die — an der Vielzahl der Patienten gemessen — geringe Zahl an Rheumatologen. Es richtet sich in erster Linie an Patienten, die noch nicht beim Rheumatologen waren und die das Krankheitsbild noch nicht kennen. Über einen übers Internet auszufüllenden Fragebogen — der in drei Abschnitten unterteilt ist — wird eine Risikoabschätzung übernommen.

Bei einem Verdacht einer Rheumaerkrankung „wird ein rascher Termin angeboten“, versicherte Bartz-Bazanella. Dadurch würden auch Doppeluntersuchungen vermieden, nannte der Facharzt das neue Portal „eine sehr gute Methode“.

Frühe Diagnose

Eingangs hatten sich Dr. Peter Bartz-Bazanella sowie Dr. Till Wagner und Dr. Matthias Hemmerich (Aachen), niedergelassener Facharzt für Rheumatologie und Innere Medizin, fast eine Stunde lang mit drei Vorträgen der Entstehung und Behandlung (wir berichteten umfangreich) gewidmet. „Eine frühe Diagnose ist ganz entscheidend“, betonte Bartz-Bazanella.

Hemmerich ergänzte: „Wichtig ist das Gespräch, die frühe Diagnose, und auch die Verlaufskontrolle ist sehr relevant“. Wie ein Schmerz entsteht und wie er als Sinnesempfindung wahrgenommen werden kann, beschrieb Dr. Till Wagner. „Chronischer Schmerz ist kein Warnfaktor unseres Körpers. Er weist auf einen dauerhaften Defekt hin.“

Zum Schluss fasste der Schmerztherapeut zusammen: „Verzweifeln Sie nicht. Wir können Sie zwar nicht heilen, aber wir können helfen und lindern. Und achten Sie darauf, sich zu bewegen.“