Entwicklung nach Hangrutsch zwischen Würselen und Kohlscheid

Nach Hangrutsch an der Wurm : Problemrohr könnte nun verlegt werden

Nach der Beinahe-Umweltkatastrophe im Wurmtal stellt sich die Frage, wie der Fluss dauerhaft geschützt werden kann und was mit dem offenliegenden Abwasserrohr passiert.

Der Großeinsatz im Wurmtal ist beendet, nun beschäftigen die Würselener Stadtverwaltung und die weiteren beteiligten Behörden sich mit der Nachbereitung der Beinahe-Umweltkatastrophe. Dabei geht es vor allen Dingen darum, weitere Zwischenfälle dieser Art auszuschließen. Eine denkbare Konsequenz ist, dass das Abwasserrohr verlegt wird, erklärte gestern der Erste und Technische Beigeordnete der Stadt, Till von Hoegen, unserer Zeitung.

Zwei Nächte im Fluss

Im Anschluss an das Sturmtief „Eberhard“, das am Sonntag durch die Region und besonders den Aachener Nordkreis gefegt war, war aufgefallen, dass das Abwasserrohr durch die Strömung der Wurm teilweise freigelegt worden war und zu brechen drohte. Am Dienstag wurde ein sogenannter „Stab außergewöhnliche Ereignisse“ einberufen und noch am Abend die nahe Landesstraße 23 gesperrt. Am Mittwoch tummelten sich weit über 100 Einsatzkräfte von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk vor Ort, um  zu verhindern, dass Fäkalien aus dem Abwasserrohr das Wurmwasser verseuchen. Am Donnerstag wurde der Einsatz nach zwei durchgemachten Nächten beendet.

War wirklich „Eberhard“ schuld?

Fraglich ist mittlerweile, ob tatsächlich das Unwetter der alleinige Auslöser des Zwischenfalls war. Ein Leser, der regelmäßig im Wurmtal spazieren geht, berichtete unserer Zeitung diese Woche, dass das Rohr schon seit Monaten sichtbar gewesen sei. Beigeordneter Till von Hoegen konnte dies gestern auf Nachfrage nicht ausschließen, stellte aber fest, dass „Eberhard“ die Situation mit Sicherheit zumindest verschärft habe. Man geht weiter davon aus, dass in die Wurm gewehte Äste die Strömung verändert haben. Die Einsatzkräfte haben diese zwischenzeitlich entfernt und auch damit die Situation vor Ort beruhigt. Schwergewichtige IBC-Container in den Fluss zu lassen, um die Strömung zur Räson zu bringen, war entgegen den zunächst geplanten Sofortmaßnahmen gar nicht mehr notwendig.

Der Zustand dieses und anderer Kanalrohre wird laut von Hoegen regelmäßig kontrolliert, indem ein Kamerawagen hindurch geschickt wird. So lassen sich aber natürlich nur Risse und Brüche ausschließen, nicht aber, ob ein Rohr unterspült worden ist und freiliegt. Von Hoegen bittet die Öffentlichkeit darum, die Verwaltung zu informieren, falls freiliegende Abwasserrohre auffallen.

Das Problemrohr aus dem Wurmtal fließt von Würselen aus nach Kohlscheid zur Pumper Mühle, wo sich ein Klärbecken befindet. Als Folge der Ereignisse dieser Woche wird aktuell überprüft, ob die Wurm ihm noch an anderen Stellen näher kommt als wünschenswert. Sollte dies zutreffen, dürfte die Verlegung des Rohrs als realistischer Lösungsansatz zur Debatte stehen. Stellt sich indes heraus, dass der Einsatzort, der sich unweit des Übergangs von der Schweilbacher Straße zur Rolandstraße befindet, die einzige kritische Stelle ist, wäre eine punktuelle Sicherung des Rohrs durch ein kleines Bauwerk eine ausreichende und damit die wahrscheinlichere Lösung. „Wir stehen mit unseren Überlegungen aber noch ganz am Anfang“, betonte von Hoegen.

Dass die Situation überhaupt eintreten konnte, ist eine Folge der Renaturierung der Wurm. An anderen Stellen des Flussverlaufs, etwa in Geilenkirchen, wird diese aktuell noch vollzogen. Im Bereich Würselen und Herzogenrath hingegen liegt sie schon rund ein Vierteljahrhundert zurück. Die Wurm mäandert also wieder durch ein natürliches Bett statt durch ein künstliches geleitet zu werden. Dass die Wurm so dem fraglichen Abwasserrohr bedrohlich nahe kommen kann, war seinerzeit ganz offensichtlich nicht hinreichend bedacht worden.

Dabei liegt es in der Natur der Sache, dass ein natürlicher Fluss seinen Verlauf ständig verändert. Normalerweise geschieht dies in praktisch nicht wahrnehmbarem Schneckentempo. Wetterereignisse wie „Eberhard“ oder auch extreme Regenfälle können die Veränderung des Flussbetts jedoch auch rasant beschleunigen. Berechenbar ist sie so oder so nicht.

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