Alsdorf: Entspannung suchen in der grünen Oase

Alsdorf : Entspannung suchen in der grünen Oase

„Als wir hier angekommen sind, stand das Unkraut bis hier“, schildert Ute Seipolt und reicht sich dabei mit einer ausladenden Geste bis fast an den Kopf. Ein kleiner Dschungel inmitten der gepflegten Kolonie des Gartenvereins Kellersberg war der Ausgangspunkt für ein Projekt, das psychisch kranke Menschen vereint.

„Unser Ziel war es, eine Begegnungsstätte und einen Ausflugsort für unsere Klienten zu schaffen. Viele von ihnen haben ja selbst zu Hause keinen Garten“, erklärt Projektinitiatorin Claudia Collette.

Die studierte Sozialpädagogin arbeitet für BeWo Alsdorf, einen Anbieter von Betreutem Wohnen für Menschen mit einer wesentlichen psychischen Erkrankung in der Städteregion Aachen und im Kreis Heinsberg. Als Collette beim Gartenverein Kellersberg anfragte, war dieser dem Projekt gegenüber zugetan und bot das kleine Grundstück an. Nun konnte es losgehen mit der Urbarmachung.

Gemeinsam holten Ute Seipolt, Rosi Längin, Patricia Bytzek, Reiner Duda und weitere zum Teil sporadisch anwesende Teilnehmer die Wurzeln von zahlreichen Weidenbäumen aus der Erde, unterstützt von BeWo Alsdorf-Mitarbeiter Martin Boeven. Sie stießen dabei auf ungeahnte „Schätze“: Erdbeeren, Stachelbeer- und Johannisbeersträucher und ein Apfelbäumchen. Im hinteren Bereich befindet sich eine kleine hölzerne Laube, die in der Sommerhitze ein wenig Kühlung bietet. „Das Häuschen war anfangs gar nicht zu erkennen“, erzählt Dorothee Spiegelmacher, Mitbegründerin von BeWo Alsdorf, von ihren ersten Eindrücken. Als Collette ihr ihre Projektidee schilderte, war sie direkt begeistert. „Wir wollen die Leute gerne motivieren, an dem Gartenprojekt teilzunehmen. Hin und wieder bringe ich bei den aktuellen Temperaturen zur Abkühlung mal ein Eis vorbei.“

Neulich fand das erste Grillen im nun kultivierten Garten statt, die ersten Johannisbeeren wurden geerntet. „Im Moment sind wir hauptsächlich dabei zu gießen“, erklärt Rosi Längin. Denn in der prallen Sonne macht es doch Sinn, ein wenig auf die eigene Gesundheit zu achten und sich zu schonen. Die eigenen Grenzen wahrzunehmen, ist auch ein wichtiger Erfahrungswert für viele Menschen, die sozialpädagogische Hilfe in Form von betreutem Wohnen benötigen. Claudia Collette trieb ein paar Lehnstühle günstig auf, und darin machen es sich die Gartenbauer gemütlich. Ein Baumarkt aus der Umgebung unterstützte das Projekt mit einer materiellen Spende.

„Dieses Jahr waren wir, was den Anbau von Gemüse betrifft, ziemlich spät dran, wir konnten erst im Mai loslegen“, erklärt Collette. Im nächsten Jahr soll es früher losgehen. Was alles angebaut werden soll? „Am besten Geldbäume“, scherzt Rosi Längin. Zweimal in der Woche findet der Gartentreff nun statt, die Teilnehmer sollen aber auch außerhalb dieser betreuten Zeiten die Möglichkeit haben, den Garten zu nutzen, wünscht sich Dorothee Spiegelmacher.

Um die Laube herum wollen die Gartenbauer Rasen einsähen, zum Weg hin sind Obst und Gemüse geplant. Im winzigen Gewächshaus gedeihen bereits einige Strauchtomaten. „Wir haben auch eine Kochgruppe. Schön wäre es, wenn das, was wir hier ernten, zum Teil in der Kochgruppe weiterverarbeitet werden könnte“, plant Spiegelmacher. Ob in dem kleinen Teich, dessen Plastikbecken noch undicht ist, demnächst gar mal Fische schwimmen werden, überlassen Collette, Spiegelmacher und Boeven der Begeisterungsfähigkeit der von ihnen betreuten Menschen.

(ust)