Herzogenrath: Entertainment à la Sammy Davis junior lebt weiter

Herzogenrath: Entertainment à la Sammy Davis junior lebt weiter

Annie (die mit dem Gun) ist dabei, Mignon, die Knef, Erika Mann und noch andere Heldinnen mehr. Um die geht es nämlich in „Heroinenlieder”, dem aktuellen Programm des Geschwister-Duos Stefanie (Klavier) und Daniela Bosenius.

Mit ihrem Wirt, Charme und anderen künstlerischen Vorzügen begeisterten die beiden Interpretinnen aus Pulheim bei Köln auf Burg Rode in Herzogenrath rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der internationalen Jugend-Begegnung im Zuge des Euriade-Festivals.

Optimale Passform

Da sage mal einer, Entertainment - so wie es etwa Sammy Davis junior selig zur Kunstform entwickelt hat - sei tot. Daniela Bosenius, die als Moderatorin des Abends und Sängerin naturgemäß stärker nach vorne trat, ist in diesem Fach auch nicht eben schlecht, zumal die zwischen Mezzosopran und Alt changierende Stimme sowie eine optimal eingesetzte Mimik und Gestik für die optimale Passform sorgten.

Sie hatte so gut wie jeden Tonfall drauf: mit „Sagt, holde Frauen” das Silbrige des Cherubino wie mit „L´amour est un oiseau rebelle” die Sinnlichkeit von Bizets Carmen.

Aber damit war das Spektrum, mit dem Daniela Bosenius, die von ihrer Schwester ebenso einfühlsam wie nuancenreich am Steinway-Flügel der Burg begleitet wurde, ihr jugendliches Publikum in den Bann schlug, beileibe noch nicht erschöpft.

Das leicht Verruchte und zugleich Selbstbewusste der Knef-Chansons traf sie ebenso sicher wie ihr die Seeräuber-Jenny aus der „Dreigroschenoper” oder die Dekadenz der Lorelei, die da bekennt: „Diamonds Are A Girl´s Best Friend”.

Ein komödiantisches Glanzstück: die Art und Weise, mit der der Star in seiner „Azzurro”-Interpretation die Gockelhaftigkeit von Adriano Celentano und anderen Latin Lovers parodierte.

So haben Daniela Bosenius und ihre Schwester bewiesen, dass Unterhaltung alles Andere ist als die im Fernsehen oft zu beobachtenden Plattitüden und Banalitäten.

Das haben die jungen Menschen auch gespürt. Bemühte Jugendlichkeit wäre bei ihnen sicher nicht so gut angekommen wie das klassisch-ironische Spiel der famosen Geschwister aus Pulheim.

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