Würselen: „Englisches Konzert“: Höchstes kammermusikalisches Niveau

Würselen: „Englisches Konzert“: Höchstes kammermusikalisches Niveau

Es spricht für den Kammermusikkreis der Stadt, dass beim „englischen Konzert“ — es standen ausschließlich Werke von Komponisten von der Insel auf dem Programm — trotz wunderschönen Frühlingserwachens alle Plätze in der Kirche St. Marien besetzt waren.

Darüber freute sich mit den Mitgliedern des rund 30-köpfigen Orchesters und dessen Dirigentin Julia Prinsen-Feneberg, die es seit elf Jahren leitet, der Sprecher des Veranstaltungsteams St. Marien, Hans Peter Pütz. Ein besonderer Gruß galt dem ehemaligen Kantor an St. Sebastian, Richard Klein, der 1967 den Kammermusikkreis gründete.

Mit den Komponisten bekannt und in deren gespielte Werke führte Lorenz van Treeck informativ ein. Um es vorweg zu nehmen: Das Konzert war auf höchstem kammermusikalischen Niveau angesiedelt. Es stellte nicht nur hohe Ansprüche an die Musiker, sondern auch an die begeisterten Besucher.

Die beschwingt-unterhaltsame Einstimmung erfolgte mit der „Symphony Nr. 3“ des Barockmusikers William Boyce. Unter der souveränen Stabführung der in Florida geborenen Julia Prinsen-Feneberg, die seit 1982 Mitglied des Sinfonieorchesters Aachen ist, präsentierte sich ein ausgewogener spielfreudiger Klangkörper. Bei dem in drei Sätzen dargebotenen Werk von überschaubarer Länge hätte es sich um eine Ouvertüre zu Oper und Ballett, aber auch um die musikalische Illustration eines Geschehens handeln können.

Einen starken Kontrapunkt zu diesem eher leichteren Werk setzte das Orchester durch „Lachrymae“ (Tränen) des 1976 verstorbenen zeitgenössischen Komponisten Benjamin Britten. Dieses Werk komponierte der zerrissene zwiespältige Engländer 1950 für Bratsche und Klavier und bearbeitete es in seinem Todesjahr für Viola und Streichorchester.

Höchste Anforderungen wurden an den in der damaligen Tschechoslowakei geborenen Bartschisten Smykal, der seit 2011 in Aachen tätig ist, gestellt, sowohl beim Streichen als auch beim Pizzicato. Für die Dirigentin war es äußerst schwierig bei den häufigen Taktwechseln die Einsätze zu geben. Was ihr ohne Zweifel gelang.

Dass alle Beteiligten die an sie gestellten Herausforderungen meisterten, attestierten ihnen die ergriffenen Konzertbesucher durch ihren lang anhaltenden Beifall — vor allem für den virtuosen Solisten.

Nach der Pause dann die „Capriol-Suite for String Orchestra“ des zeitgenössischen in deutschen Landen weniger bekannten Peter Warlock. Die Besucher fanden ihre helle Freude an den vom Sinfonieorchester „flott“ präsentierten sechs Sätzen. Im letzten konnten sie an den Disharmonien leicht erkennen, dass es sich beim „Mattachins“ um einen Schwerttanz handelte.

Bei der Spiellaune, die die Musiker an den Tag legten, sprang der Funke der Begeisterung leicht über. Die Satzbezeichnungen verrieten schon, was die Zuhörer bei der „Simple Symphonie“ des etwas anderen Benjamin Britten erwartete. Mächtig ins Zeug legten sich die Musiker bei der ungestümen „Bourrée, die ihrem Titel alle Ehre machte. Es war schon ein ungewöhnliches musikalisches Erlebnis, als ein ganzes Streichorchester „nur“ gezupft wurde.

Keine Frage: Wie schon andere hochkarätige Konzertveranstaltungen wird auch das „englische Konzert“ in die Annalen des Kammermusikkreises der Stadt Würselen eingehen. Der stehende Schlussapplaus war ein schönes Dankeschön für eine harte Probenarbeit.

(ehg)
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