Ende für das Alsdorfer Luisenbad ist absehbar

Abriss, Sanierung oder Neubau? : Ende für das Luisenbad ist absehbar

Die Tage des Luisenbads in seiner heutigen Form sind gezählt. Die umfassende Grundlagenermittlung zum Zustand des Bades, die bereits seit geraumer Zeit lief, kommt zu einem ernüchternden, wenn auch wenig überraschenden Ergebnis.

"Mit ein paar Reparaturen ist es nicht getan", erklärt Bürgermeister Alfred Sonders. Eine Sitzung des Stadtrats im kommenden Mai könnte nun zum Schicksalstag für das Bad werden. Dann soll die Politik darüber entscheiden, ob und wie es mit dem Hallenbad weitergeht. Zur Auswahl stehen drei Alternativen: die dauerhafte Schließung, sobald sich teure Reparaturen nicht mehr vermeiden lassen. Eine tiefgreifende Sanierung, für die nach aktueller Schätzung etwa 11 Millionen Euro zur Seite gelegt werden müssten. Oder der Neubau eines Hallenbads an anderer Stelle. Der würde je nach Variante zwischen 12 und 17 Millionen Euro kosten.

Das Luisenbad hat mehr als nur kosmetische Probleme. Die Beckenkonstruktion wurde in Bezug auf Dauerhaftigkeit und Standsicherheit in einer Betonanalyse durch ein beauftragtes Ingenieurbüro als kritisch eingestuft. Das Holz der Fenster- und Wintergartenkonstruktion ist angegriffen, und auch das Glas muss ausgetauscht werden, Böden sind undicht, unzureichend eingedichtete Bodenabläufe finden sich an Estrich, Oberboden und Abhangdecken, Rohre sind korrodiert.

Immerhin kann der Betrieb erst einmal weiterlaufen, Schwimmer seien bei einem Besuch nicht gefährdet, heißt es. Eine langfristige Perspektive ist das für die Einrichtung allerdings nicht, und deshalb soll möglichst bald entschieden werden, wie es mit dem Bad weitergeht. "Aus unserer Sicht ist das Hallenbad kein freiwilliges Planschangebot der Stadt", erklärt Sonders, "sondern es gehört zur Daseinsvorsorge. Wir brauchen einen Ort, an dem Kinder Schwimmen lernen können." Außerdem gebe es in Alsdorf fünf Vereine, die Schwimmsport betreiben und dafür ein Schwimmbad benötigten. Eine endgültige Stilllegung stehe aus seiner Sicht nicht zur Debatte.

In einer Ratssitzung im Mai soll die Politik darüber entscheiden, wie es in Sachen Hallenbad in Alsdorf weitergeht. Foto: Thomas Vogel

Bis zu fünf Jahre, davon geht man im Rathaus aus, kann das Luisenbad noch in Betrieb bleiben, bevor es aus technischen Gründen endgültig geschlossen werden muss – wohl unter erhöhten Unterhaltskosten von bis zu 5 Millionen Euro und unter der Voraussetzung, dass keine weiteren, großen Defekte hinzukommen. Würde das Becken etwa undicht, müsse man sofort schließen.

Mit der Alternative Sanierung könnte das Luisenbad für eine Zukunft fit gemacht werden, die fünf Jahre überschreitet. Bis zu 25 Jahre hätte das Bad dann wieder vor sich, allerdings mit gehörigem Aufwand. Die größte von etlichen Baustellen ist das Becken. Es handelt sich um eine Spezialanfertigung aus besonders dickem, druckfestem Stahlbeton mit einer 3-Punkt-Lagerung, die vor dem Hintergrund der Bergbaugeschichte der Stadt und damit verbundenen möglichen Risiken Verwendung fand. Bei einer Sanierung Ende der 90er Jahre wurde der Beckenkörper einmal umgebaut. Das würde aktuell aber nicht mehr ausreichen, um ein neues Becken gäbe es kein Herumkommen.

Schäden im Alsdorfer Luisenbad: Zu den Bauteilen, die ihre besten Tage hinter sich haben, gehört auch die Schwallwasserrinne. Foto: Stadt Alsdorf

Die Sanierungskosten könne man grundsätzlich auf 5,5 bis 6 Millionen Euro taxieren, hieß es aus dem Rathaus. Allerdings spiele auch die Sanierungsdauer eine Rolle, pro Jahr müssten 12 Prozent Kostensteigerung eingerechnet werden. Die Gemeindeprüfanstalt NRW (GPA), die von der Stadt mit ins Boot geholt worden ist, um die wirtschaftlichste der drei Alternativen zu ermitteln, habe außerdem explizit darauf hingewiesen, noch einmal 30 Prozent Risikoaufschlag draufzupacken. In Summe ergibt sich an der Sanierung ein vorläufiges Preisschild von rund 11 Millionen Euro, allerdings ohne Garantie, dass dieser Betrag endgültig ist. Bei einer Sanierung wisse man schließlich nicht, was noch alles an Schäden zum Vorschein komme, sagt Sonders.

Auch die Schwallwasserleitung hat eine Überarbeitung bzw. Erneuerung nötig. Foto: Stadt Alsdorf

Der Zeitrahmen von fünf Jahren, in denen das Luisenbad voraussichtlich noch in Betrieb bleiben kann, bietet aus Sicht der Stadtverwaltung allerdings auch eine Chance: Zu keiner Zeit ohne Schwimmbad zu sein, wenn man zeitgleich an anderer Stelle ein neues Bad baue – die "Alternative Neubau". "Bei unseren Bedarfen würde das etwa 16 bis 17 Millionen Euro kosten", sagt Sonders. Die Bedarfe umfassen Wettkampfbahnen, Ein-Meter-Blöcke, einen Sprungturm, einen Planschbereich für Kinder und – was es im Luisenbad nicht gibt – ein Lehrschwimmbecken. Als abgespeckte Variante käme auch ein Standard-Schwimmbad infrage, bei dem man sich Module nach dem Baukastenprinzip zusammenstellen könne. Das würde die Kosten auf rund 12 Millionen Euro brutto (ohne Grundstück und Erschließung) senken. Dafür müsse dann zunächst ein passendes Grundstück gefunden werden.

Für die "Alternative Neubau" spräche auch, dass man nach dem Abriss des Luisenbades mit der Vermarktung des Grundstücks an der Luisenstraße Geld in die Kasse bekäme, das man für einen Neubau einsetzen könne. Und auch das betont Sonders ausdrücklich: Es gehe bei einem Neubau nicht darum, eine Wellness-Oase zu schaffen, sondern ein Hallenbad, wie es Alsdorf brauche.

An einigen Wänden platzt der Beton von den Wänden. Foto: Stadt Alsdorf

Als Sofortmaßnahme werden im Luisenbad nun zunächst die Warmbadetage eingestellt. Sie würden die alte Technik über die Maßen beanspruchen. Außerdem werden technische Anlagen und Baukörper des Bades in kurzen Abständen inspiziert. Am Dienstagnachmittag hat der Bürgermeister die Ratsfraktionen von der Lage um das Luisenbad in Kenntnis gesetzt. Im Mai sollen sie die Entscheidung fällen, wie es mit dem Hallenbad weitergeht und wo die Alsdorfer Kinder in Zukunft Schwimmen lernen.

Die Feuchtigkeit hat auch am Beton der äußeren Beckenwand unschöne Spuren hinterlassen. Foto: Stadt Alsdorf
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