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Alsdorf: Elternproteste wegen geplanter Kürzungen

Alsdorf : Elternproteste wegen geplanter Kürzungen

Seit 13 Jahren ist Udo Haak Leiter des Kleinen Offenen Tür St. Castor. Wie lange der Jugendtreff sein umfangreiches Angebot noch aufrecht erhalten kann, steht in den Sternen.

Zurzeit laufen die Haushaltsverhandlungen der Landesregierung in Düsseldorf. Und im Bereich Jugendhilfe planen die Abgeordneten drastische Sparmaßnahmen.

Auch für die Stadt Alsdorf würde dies eine Verschlechterung des Angebots für Kinder, Jugendliche und Familien bedeuten. Eine Infoveranstaltung zum Thema, zu der die Stadt und die Arbeitsgemeinschaft (AG) Jugendhilfe in Alsdorf eingeladen hatten, sollte den Stand der Dinge beleuchten.

Über 300 Eltern, Kinder und die Leiter fast aller Jugend- und Beratungseinrichtungen der Stadt hatten sich im großen Ratssaal versammelt. „Wir wollen unsere Jugendlichen nicht im Regen stehen lassen” oder „Sparen bei den Kindern heißt Zukunft verhindern” - die DRK-Kindertagesstätte Moselstraße machte mit solchen Plakaten auf die brisanten Kürzungen aufmerksam.

„Es sind nicht nur ein paar Prozent, die gekürzt werden sollen. Es handelt sich um Sparmaßnahmen, die einem Erdrutsch gleichkommen”, ist Claus-Ulrich Lamberty, Sprecher der AG, enttäuscht.

„Der Kürzungsgeier kreist - und das nicht nur von Landesseite her. Auch das Bistum Aachen will 150 Stellen streichen. Für uns wird es damit sehr eng”, betont Haak. Dabei seien Einrichtungen wie die KOT oder andere Jugendtreffs immens wichtig: Kinder und junge Erwachsene können hier Freizeit erleben, sie lernen spielend lernen, sie können sie abreagieren und die Eltern werden entlastet.

„Wir sind Woche für Woche für die Jugendlichen da. Besonders für die, die auf der Straße sonst vielleicht nur Blödsinn machen würden. Ich möchte es nicht erleben, wenn es in Alsdorf heißt: Unsere Einrichtungen müssen geschlossen werden”, fragt Haak.

Was passiert dann wohl? Was sollen die Jugendlichen machen? Wo sollen sie hingehen?

Nicht nur Einrichtungen in freier Trägerschaft sind betroffen, auch bei städtischen Kindergärten stehen Kürzungen an. „Die Qualitätsanforderungen an den Kindergarten, die nach der PISA-Studie in aller Munde waren, können ohne Fördermittel nicht geleistet werden”, weiß auch Helene Maqua, Kindergarten St. Barbara Ofden.

„Die Steuereinnahmen brechen weg. Wir müssen sparen”, gibt der Erste Beigeordnete Klaus Spille zu bedenken.

Doch die Jugendarbeit wäre mit Sicherheit der falsche Ort, an man Kostensenken betreiben sollte. „Wenn die Sparmaßnahmen wirklich so umgesetzt werden wie geplant, welche Familie sollen wir dann abweisen? Wen sollen wir auf Wartelisten setzen”, fragt Margret Göttlicher, katholische Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche.

Allein in Alsdorf war dieses Angebot Anlaufstelle für 262 Familien im vergangenen Jahr. „Das darf nicht passieren. Wir sind immerhin Partner für die Kinder und Jugendlichen geworden”, erklärt Diana Steen, Leiterin des evangelischen Jugendtreffs.

„Gekürzt werden die Fördermittel für Reinigung, Heizung oder Materialien. Die Arbeit für unsere Kinder wird darunter leiden. Und unsere gesetzlichen Rücklagen würden gerade mal ein halbes Jahr ausreichen”, ist sich Peter Timmermanns, Kreisgeschäftsführer des DRK, sicher.

Doch was können die besorgten Eltern und die Vertreter der Jugendeinrichtungen tun? Die Landtagsabgeordneten wären mit Sicherheit der richtige Ansprechpartner gewesen. Aber weder Hans Vorpeil noch Hildegard Nießen oder Axel Wirtz waren der Einladung ins Rathaus gefolgt, was den Unmut der Eltern weiter anheizte.