Würselen: Eltern fordern Neubau für die Gesamtschule

Würselen: Eltern fordern Neubau für die Gesamtschule

Inhaltlich haben die Damen nichts an der neuen Gesamtschule Würselen auszusetzen. Da ist das Lob ob der Stundenpläne und der Stimmung groß. Nicole Kaußen und Susanne Rütten-Nilges drängen als Vorsitzende der Schulpflegschaft aber jetzt auf eine Standort-Entscheidung. Die soll nicht zugunsten der Tittelsstraße ausfallen, wo noch mehr als 600 Schüler zur Realschule gehen.

„Wir fordern einen Neubau des Schulgebäudes, der den pädagogischen Grundprinzipien der Gesamtschule gerecht wird“, ist in einem offenen Brief an die Fraktionen des Rates sowie Bürgermeister Arno Nelles zu lesen. „Vor dem Hintergrund der allgemein angestrebten Inklusion muss dieser (Neubau) vollständig barrierefrei sein und über ein modernes Raumkonzept verfügen, das auf die Anforderungen des Ganztagsunterrichts und der individuellen Förderung zugeschnitten ist.“

Schon seit Schuljahresbeginn sind 107 Schüler in der Hauptschule an der Lehnstraße untergebracht. Elf Lehrer bringen den Schülern, darunter 13 Schüler mit besonderem Förderbedarf in vier Klassen der 5. Jahrgangsstufe, jeden Morgen fächerübergreifendes Lernen bei, damit Schlüsselkompetenzen eingeübt werden.

„Da kommen die Schüler erst mal in der Schule an, um nach einer Schulstunde bereits um 8.45 Uhr eine zehnminütige Frühstückspause zu haben. Danach folgt der Fachunterricht in Doppelstunden“, erzählt die stellvertretende Vorsitzende der Schulpflegschaft Susanne Rütten-Nilges.

Weil schon in drei Jahren das Ende der Raumkapazität in der Übergangsschule an der Lehnstraße erreicht sein wird, muss nun ein Bauvorhaben schnell umgesetzt werden. Mehr als ein halbes Jahr ist bereits seit der Anmeldung der Schüler vergangen, ohne dass eine Entscheidung für den Standort gefallen wäre. Deshalb zeichnet sich ein verspäteter Umzug ab. „Wir befürchten, dass Eltern in den kommenden Jahren davon absehen könnten, ihre Kinder an der Gesamtschule anzumelden, wenn ein Großteil des Schullebens in Containern stattfände. Eine Abwanderung von Schülern in umliegende Kommunen hielte an“, befürchten sie.

Und sie haben ein weiteres Argument für einen Neubau zur Hand: „Die Möglichkeit der schnellen Nutzung sehen wir bei einem Neubau eher gegeben, da bei einer Sanierung der Realschule niemand abschätzen kann, welche Probleme sich im Laufe der Zeit hervortun, die zum jetzigen Zeitpunkt noch gar nicht abzusehen sind.“ Da könnten auch die Kosten bei einer Sanierung der Realschule aus dem Ruder laufen. Bisher ist die Ertüchtigung der Realschule mit 22,9 Millionen Euro von Kämmerer Ludwig Bremen veranschlagt. So plädieren die Eltern für den fast zehn Millionen teuren Neubau für veranschlagte 32,3 Millionen Euro. „Die Kosten dürfen nicht das zentrale Entscheidungskriterium sein“, urteilt die Schulpflegschaft.

Vorsitzende Kaußen sagt: „Der Neubau einer Schule ist eine nachhaltige Investition in die Zukunft der Stadt, denn moderne und gut ausgestattete Schulen tragen zu ihrer Anziehung auf junge Familien wesentlich bei. Die Stadt Würselen hat unseres Erachtens im Moment auch mit Blick auf die seit langer Zeit unbefriedigende Situation der Sportstätten die einmalige Chance, Würselen städtebaulich voranzubringen.“ Da komme es gar nicht in Frage, über zwei Orte nachzudenken, an denen unterrichtet werden könne.

„Die Erstellung sinnvoller Stundenpläne darf nicht dadurch erschwert werden, dass möglicherweise an zwei Orten unterrichtet wird oder Gesamtschule und Realschule am Standort Tittelsstraße in eine Konkurrenzsituation um Fachräume gebracht werden“, sagt Rütten-Nilges. Sie fordert, „dass die pädagogische Qualität der Gesamtschule gesichert sein muss“. Sie habe wie alle anderen Eltern den Mut bewiesen, ihren neunjährigen Sohn an der neuen Gesamtschule anzumelden. An einer Schule, die sich in einem Aufbauprozess befindet.

Sie wolle jetzt mit den anderen Eltern das Projekt „Gesamtschule“ zum Erfolg führen und die Entscheidung für einen Neubau vorantreiben. Sehr sozial liest sich im Offenen Brief an die Politiker: keine Beeinträchtigung des laufenden Schulbetriebes in der Realschule. Weil die Realschule als auslaufende Schule bereits Einschränkungen hinnehmen müsse, möchten die Eltern der Gesamtschule den verbleibenden Schülern keinen Baulärm über Jahre zumuten. „Gerade weil man der Realschule in der Vergangenheit so viel Wertschätzung entgegen gebracht hat, muss diese auch für die kommenden fünf Jahre gelten“, sagt Kaußen.

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