Würselen: Einen Krimi zum Picknick serviert

Würselen : Einen Krimi zum Picknick serviert

Eine Leiche liegt auf dem Fußboden im Schatten der alten Burg. Doch Wirtin Bella weiß gleich Rat: „Da muss man doch nen Doktor drauf gucken lassen!“ Das Publikum johlt. Der „Doktor“ ist schnell aus dem Publikum rekrutiert. Als auch er ratlos die Schultern zuckt, befiehlt die Wirtin: „Tut mir die in dat Billardzimmer.“ Wieder hat Bella die Lacher auf ihrer Seite.

Zum Krimipicknick waren rund 500 Zuschauer auf die Burg Wilhelmstein gekommen. Reichlich Kulinarisches trugen sie im Gepäck, wie angekündigt und aufgefordert. Hier ein kühles Blondes für Schatzi rechts, dort ein leckeres Häppchen für Töchterchen links — man ließ es sich gutgehen und konnte nebenher genüsslich rätseln, wer den verwöhnten Fernsehstar Mona auf dem Gewissen hatte. Vermissen tat sie so richtig niemand. Denn sie hatte die Nerven von Regisseur Olaf, Drehhelfer Taifun und Produzent Jan zuvor erheblich strapaziert.

Die mondäne Mona entpuppte sich post mortem als gebürtige Margot Dropske, die ihre Zwillingsschwester am liebsten gänzlich aus ihrem Leben gestrichen hätte — der Zufall wollte es, dass eben jene Zwillingsschwester als Außenstelle der Kriminalpolizei den Mord an Mona aufklären durfte. Dazu rekrutierte sich die Kommissarin noch eben einen Praktikanten aus dem Publikum, um ihre Sonderkommission zu vervollständigen. Andreas war der arme Tropf, der dafür herhalten durfte und sich später den lüsternen Avancen der Wirtin Bella erwehren musste.

Immerhin wurde er dafür schließlich mit einem Heliumballon belohnt, genau wie der Doktor. Dass die Auflösung des Kriminalfalls eher ins Reich der Märchen gehörte, man also mit logischen Schlüssen niemals auf diese Lösung gekommen wäre, tat der humorigen Stimmung an diesem lauen Sonntagabend überhaupt keinen Abbruch. Denn Mona hatte den in einer Schaffenskrise befindlichen Regisseur Jan zuvor erpresst, immer mehr Kinderbücher zu verfilmen, angefangen mit Hanni und Nanni, im Weiteren mit den Fünf Freunden, Pu dem Bär oder Burg Schreckenstein.

Als Jan diese Bevormundung nicht länger ertragen konnte, mischte er die verhängnisvollen Tropfen in den Wein, den Wirtin Bella dem Fernseh-Star schließlich unwissentlich kredenzte. Lustig und lecker war’s allemal, und damit hatte das Krimistück „Mord mit Aufschnitt“ alle Erwartungen erfüllt, die an dasselbige gerichtet worden waren.

Die Protagonisten spielten dabei insbesondere die Eifelkarte aus: Die friedlich-naive Landbevölkerung im nahegelegenen schönen Landschaftsstrich war nicht nur für ein oder zwei Scherzchen gut. Dass Bella sich letztlich als waschechte Kölnerin outete und der von ihr organisierte „altehrwürdige“ Eifeltag eigentlich ein Marketinggag war, bereitete dem Publikum nur um so mehr Vergnügen. Bella sprach das Publikum stets mit „liebe Eifelbauern“ an und machte damit ein für allemal klar, dass ihre Rolle an diesem Abend sicherlich die dankbarste von allen war.

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