Herzogenrath: Eine Busspur, die nicht genutzt wird

Herzogenrath: Eine Busspur, die nicht genutzt wird

Wer am Wochenende oder zu den Stoßzeiten mit dem Auto auf der Bicherouxstraße in Herzogenrath in Richtung Dammstraße unterwegs ist, muss häufig mit langen Rückstaus bis zum Parkhaus am Bahnhof rechnen. Der Grund: Die Busspur an der Kreuzung zur Geilenkirchener Straße und Dammstraße wird von den meisten Bussen nicht genutzt.

Stattdessen fahren sie auf der Spur für Autos und andere Fahrzeuge. Dadurch entstehen dementsprechend Staus. Unsere Leserin, Petra Schröder, die die Strecke mehrmals in der Woche fährt, bestätigt das gegenüber unserer Zeitung. Meistens ist es in der Mittagszeit zwischen 13.30 und 14 Uhr am schlimmsten, wie sie sagt. Häufig ständen sogar zwei Busse vor ihr. Das hat zur Folge, dass sie zwei Ampelphasen abwarten muss, bevor sie weiterfahren kann. Eine Verzögerung von etwa fünf Minuten. Manchmal auch mehr. Schröder hat schon mehrere Male bei der Aseag, der Aachener Straßenbahn und Energieversorgungs-AG, die den Nahverkehr in der Städteregion Aachen betreibt, angerufen. „Da sagte man mir, man kümmert sich“, sagt Schröder.

Doch ändern tut sich nichts. Das Problem ist bei der Aseag bekannt — und das nicht erst seit gestern. Erst vor etwa zwei Jahren hat die Aseag auf Drängen der Stadt Herzogenrath Messfahrten veranlasst. Die sollten feststellen, wie stark frequentiert die Strecke ist und wie die Situation der Linien in diesem Abschnitt konkret aussieht. Das Ergebnis war eindeutig. Schon damals wusste man, dass einige Busfahrer die Spur nicht benutzen.

„Aber das ist nicht nachhaltig genug gewesen“, sagt Joachim Hergesell, Verkehrsingenieur der Stadt Herzogenrath. Kurz danach habe es einige Wochen mit der Busspurnutzung geklappt. Dann aber nicht mehr. Und das, obwohl die Busfahrer in der Pflicht sind. Gibt es eine Busspur, muss die auch genutzt werden. In Ausnahmefällen — ist die Busspur zum Beispiel blockiert, wegen eines Unfalls oder Bauarbeiten —, dürfen die Busse die andere Spur benutzen.

Im Fachausschuss ist die Busspur seit Jahren ein Thema. Wie Hergesell sagt, falle der Stadt und Politik selbst auf, dass die Busspur nicht genutzt werde. „Die meisten wohnen in Herzogenrath. Sie fahren die Strecke jeden Tag und sehen das Problem mit den Rückstaus natürlich.“

Auf Anfrage unserer Zeitung heißt es von Seiten der Aseag, dass die Nutzung der Spur noch nicht optimal funktioniere. Das liege unter anderem daran, dass die Busspur zu kurz ist — die Fahrer hätten nicht genügend Möglichkeit, sich einzufädeln, sagt Anne Körfer, Pressesprecherin der Aseag. Käme es zu einem Stau, könnten die Fahrer dementsprechend nicht daran vorbeifahren. „Die Busspur ist zur Beschleunigung des ÖPNV gedacht. Das gelingt aber nur, wenn der Rückstau nicht da ist“, sagt Körfer.

Also vielleicht eine Fehlplanung der Signalschaltung?

Die Busspur wurde vor etwa 15 Jahren gebaut, (nähere Auskünfte konnte die Stadt Herzogenrath in der Kürze nicht geben) um eben diesen Rückstau, den es damals schon gab, zu minimieren, sagt Joachim Hergesell, Verkehrsingenieur der Stadt Herzogenrath. Im Zuge der Baumaßnahmen habe man damals zusätzlich eine Stützwand sowie weitere Ampelanlagen gebaut. Ebenso habe man die Signalschaltung angepasst. Das Ziel war es, damit eine Vorrang-Situation für die Busse zu schaffen. Klar.

Die Straße wird stark frequentiert. Sie führt zum Hauptbahnhof und einem großen Supermarkt sowie in Richtung Bardenberg, Kohlscheid und Alsdorf. Die Straße wird neben dem normalen Berufsverkehr von mehreren Bussen genutzt, unter anderem von den Linien 47 und 21, die nach Aachen fahren sowie der Linie HZ3. Die Linie 47 zum Beispiel fährt von 7 bis 22 Uhr alle 15 Minuten, das sind am Tag zusammen mit den Nachtbussen und den Bussen, die vor sieben Uhr eingesetzt werden, mehr als 60 Busse am Tag. Hinzu kommen die der anderen Linien. Dass es da zu Staus kommt, liegt auf der Hand. „Auch für unsere Fahrer ist die Situation nicht leicht“, sagt Körfer. Sie seien natürlich dazu angehalten, die Spur zu nutzen. Allerdings wollen sie auch pünktlich ankommen. Eine Zwickmühle.

Der Rückstau, gerade am Wochenende, ist auch für die Anwohner eine Belastung. Sigrid Muntenbeck, die in der Nähe der Kreuzung wohnt, bekommt die Situation seit vielen Jahren mit. „Manchmal stehen die Autos den ganzen Tag vom Parkhaus bis zur Kreuzung“, sagt sie. Dass viele Busse die Spur nicht nutzten, sehe sie täglich. Für Muntenbeck ist das eigentlich kein Problem, weil sie nicht mit dem Auto unterwegs ist, sondern als Fußgängerin. Aber verwunderlich sei es trotzdem. Sie könne nicht verstehen, dass die Spur fast immer leer bleibt.

Hergesell hat die Vermutung, dass die Busfahrer glaubten, schneller zu sein, wenn sie die andere Spur benutzten. Manchmal stimme das sogar. Denn häufig erreichten die Busse die Spur gar nicht bis zur nächsten Ampelschaltung, weil sie noch zu weit entfernt im Rückstau ständen. Im Zuge der Messungen müsse man das noch einmal überprüfen.

Weil das Thema Busspur erst vor kurzem wieder im Ausschuss zur Sprache kam, wurden erneut Messfahrten in Auftrag gegeben. Aktuell warte man bei der Stadt auf das Ergebnis. Die Stadt hofft, dass sie das Problem des Rückstaus zusammen mit der Aseag in den Griff bekommt. Das wäre dann bereits der vierte Anlauf.

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