Würselen: Eine Backstraße weniger bei Kinkartz

Würselen: Eine Backstraße weniger bei Kinkartz

Die Gerüchteküche rund um den Großbäckerei-Standort Broichweiden kochte jetzt über — genährt von der Tatsache, dass Maschinen bei Kinkartz demontiert und auf Lastwagen verladen worden sind. Wie ist es um das Unternehmen, eine 100-prozentige Tochter der Lambertz GmbH, bestellt?

Sprecher Christian Schlosser bestätigte auf Anfrage unserer Zeitung: „Die Lambertz-Gruppe produziert in sechs Werken und hat darüber hinaus noch Beteiligungen an zwei weiteren Unternehmen, Otten in Erkelenz und Dr. Quendt in Dresden. Zwischen den Werken findet immer ein Austausch von Produkten statt. Ende des vergangenen Jahres wurden in diesem Zusammenhang nach Abschluss der Herbst-/Weihnachtssaison Produkte und auch eine von den Ofenlinien von Würselen aus verlagert.“

Solche Verlagerungen seien notwendig, um die Werke jeweils optimal auf das zu produzierende Produktportfolio auszurichten, erklärte der Sprecher weiter. „Gerade wenn zwei Werke praktisch am gleichen Standort liegen, wird eine enge Kooperation praktiziert. Sollten Verlagerungsmaßnahmen bei Kinkartz in Würselen Auswirkungen auf den Beschäftigungsumfang haben, würden wir den betroffenen Produktionsmitarbeitern Arbeitsplätze bei Lambertz in Aachen anbieten“, lautet die Antwort auf die konkrete Frage, ob Standort und damit rund 200 Arbeitsplätze an der Nassauer Straße gesichert sind. Ein klares Bekenntnis zur Zukunft des Backbetriebs in Broichweiden hört sich sicherlich anders an.

Im vergangenen Jahr hatte die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) und der Betriebsrat mit der Geschäftsführung einen Sozialplan ausgehandelt, Laufzeit bis Ende 2016. Leih- und Saisonarbeit sowie Befristungen wurden abgebaut, um die Stammbelegschaft zu retten. Nicht alle Produktstraßen konnten dabei erhalten werden.

1905 wurde der erste Kettenbackofen der einstigen Aachener Bäckerei in der Fabrik in Broichweiden in Betrieb genommen. Die Stammbelegschaft zählte in den 1980er Jahren bis zu 300 Köpfe, saisonal arbeiteten bei Kinkartz bis zu 800 Beschäftigte. Nach dem Verkauf an Schöller-Eis firmierte Kinkartz später unter Südzücker und wurde 1999 durch die Aachener Printen- und Schokoladenfabrik Henry Lambertz GmbH & Co. KG. übernommen. Die Marke Kinkartz ging vollständig in der Unternehmensgruppe Lambertz auf. Laut Jahresbilanz zum Geschäftsjahr 2013/14 konnte die Firmengruppe Lambertz dank eines guten Lebkuchenabsatzes ihren Umsatz um vier Prozent auf 585 Millionen Euro steigern.

Unter der Marke Kinkartz werden vor allem Dominosteine und Printen vertrieben, der Umsatz wurde mit 32,2 Millionen Euro angegeben.

Dem Vernehmen nach wurde die in Broichweiden demontierte Ofenlinie in der polnischen Produktionsstätte in Ruda Slaska aufgebaut. Der Umsatz von Lambertz Polonia wird in der jüngsten Jahresbilanz mit 38,4 Millionen Euro angegeben. Der Produktionsausbau soll dort nach Angaben der Lambertz-Gruppe für weiteres Wachstum sorgen.

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