Ein Wahlwürselener äußert sich zum Brexit

Liebe und neue Heimat gefunden : Wie ein Brite in Würselen Schützenkönig wurde

Der Brite Stuart Eason ist amtierender Schützenkönig der St.-Sebastianus-Schützengesellschaft Würselen 1624. Er ist nicht nur wegen der Liebe in Deutschland angekommen. Der drohende Brexit geht auch an ihm und seiner Familie nicht vorbei.

Sein 95-jähriger Vater schaltet weiter, wenn das Thema Brexit im britischen Fernsehen kommt. Auch Sohn Stuart Eason kann die Debatte um den Austritt seines Heimatlandes aus Europa nicht mehr so recht ertragen.

„Alle, die ich kenne, wollen endlich Gewissheit. So oder so“, sagt der Wahlwürselener. Auch wenn der heute 48-Jährige vor Jahren seinem Herzen und der Liebe folgte und eine „Einheimische“ heiratete – das Paar hat zwei Kinder –, ist er immer noch britischer Staatsbürger. „Sieben oder acht Mal im Jahr fahre ich übers Wochenende zu meinem Vater.“ Eason ist in der Kleinstadt Chesham bei London aufgewachsen. In den Osterferien will die Familie wieder dort Urlaub machen. Wenn trotz Brexit oder nach Brexit der europäische Tierausweis für Familienhündin Luna noch gültig sein sollte. Noch so eine Ungewißheit.

Nach fünf Jahren Arbeit im Baustoffhandel und bei einer Möbelspedition in England zog es ihn in die weite Welt hinaus. Eigentlich wollte Eason als junger Mann nach einem einjährigen Aufenthalt ganz in Australien bleiben. Aber da er trotz bester Sprachkenntnisse nicht die notwendige Ausbildung und Berufserfahrung nachweisen konnte, erfüllte er die strengen Einwanderungskriterien nicht ganz. Wieder zurück auf der Insel hielt es ihn nicht lange dort. Er packte seinen Schlafsack in den Kombi und machte sich auf, um Europa zu entdecken.

In Belgien oder in den Niederlanden musste es doch möglich sein, mit seinem Lkw-Führerschein bei einer Firma anzuheuern und durch die Lande zu fahren. Aber er fand keinen passenden Job. In Venlo lernte er eine Würselenerin kennen – nein, nicht seine heutige Frau. Kurz entschlossen besuchte er die Bekannte etwas später. „Ich habe dort drei, vier Wochen auf dem Sofa geschlafen.“ Und immer war er auf der Suche nach einem Job, wie er erzählt.

Brite hat zum Thema Brexit mehr Fragen als Antworten

Zu Jungenspielen „geschleppt“

„Zu der Zeit war meine Bekannte in der Spielspitze der Dobacher Jungenspiele und hat mich zu allen Veranstaltungen mitgeschleppt“, wie er schmunzelnd erzählt. Dass hier der Grundstock für die Teilnahme am Würselener Brauchtum gelegt werden sollte, konnte er nicht ahnen. Ein Bekannter fand schließlich in der Zeitung eine Stellenanzeige. Eine Spedition in Düren suchte Mitarbeiter. „Das Vorstellungsgespräch fand auf Englisch statt.“ Und schwups, war er für diese Firma zweieinhalb Jahre im Ausland tätig.

Seine große Liebe fand Eason schließlich vollkommen unverhofft in Würselen. Er hatte da ein Pferd. „Und wie das so ist, steht im Stall neben einem Pferd ein anderes Pferd“, sagt er lächelnd. Und dieses Pferd hatte seinerseits mit einer gewissen jungen Dame zu tun. Eason heiratete seine Würselenerin im Jahre 2001. Er arbeitete nun als Kraftfahrer. „Aber es war klar, wenn ein Kind kommt, höre ich damit auf.“ Aber dann? Eaton stieg in die Firma seines Schwiegervaters ein, Inhaber des Raumausstattungsgeschäft Claessen an der Kaiserstraße, absolvierte eine Ausbildung zum Raumausstatter.

„Ich war der Älteste unter den Auszubildenden.“ Er wurde Innungs- und Kammersieger. Und je heimischer er in Würselen wurde, desto mehr engagierte er sich im Vereinsleben, genauer bei der St.-Sebastianus-Schützen-Gesellschaft Würselen 1624. Dort ist er Schatzmeister und wurde im vergangenen Jahr nach 2015 zum zweiten Mal Schützenkönig. Befasst ist er dort mit dem Bau des Vogels, auf den beim Ausschießen der Majestäten angelegt wird.

Was wird sich für ihn ändern, wenn der Brexit kommen sollte? Dass er als britischer Staatsbürger weiterhin Einreisefreiheit genießt, dürfte außer Frage stehen. Aber wie steht es mit der Materialbeschaffung? Der Raumausstatter bezieht Stoffe aus England. Der Landhausstil ist hierzulande Trend. Es könnte wegen der Zölle teurer werden und wegen der Abfertigungsmodalitäten länger dauern. Aber im Verhältnis zu seiner ursprünglichen Heimat dürfte sich nichts ändern.