Alsdorf: Ein Plus von 2,3 Millionen Euro und doch nicht reich

Alsdorf: Ein Plus von 2,3 Millionen Euro und doch nicht reich

Der Eigenbetrieb Technische Dienste schließt im Jahr 2016 mit einem Überschuss von rund 2,3 Millionen Euro ab — und ist doch nicht reich. Denn wenn man genauer hinschaut, stellt man fest, dass der ehemalige Bauhof der Stadt Alsdorf gar nicht mehr Geld eingenommen hat, sondern dass „nur“ geleistete Investitionen auf der Ertragsseite verrechnet wurden.

Heißt für den Bürger, dass wenigstens auf dieser Basis in den Folgejahren nicht mit einer Gebührensenkung zu rechnen ist. Im Betriebsausschuss hatte Wirtschaftsprüfer Christoph Gatz sein Bestes gegeben, den Ausschussmitgliedern die einzelnen Facetten und Berechnungsmodelle des Jahresabschlusses darzulegen.

Grundsätzlich bescheinigte er dem Eigenbetrieb eine ordnungsgemäße Buchführung. Zu beanstanden gab es nichts. Lediglich über die Sicherheit des Rechenzentrums, auf das die Verwaltung zurückgreift, konnte er keine positive Bescheinigung ausstellen.

Der in der Bilanz auffälligste Posten war in der Sparte Abwasser zu finden — besagte 2,3 Millionen Euro. Bei der Gegenüberstellung von Gebühren und Abwasserentsorgung ist aber eine Null zu lesen. Die Millionen sind nämlich auf eine kalkulatorische Abschreibung zurückzuführen.

Der Leiter des Eigenbetriebs, Stephan Spaltner, erklärt das im Nachgang zur Sitzung so: Eine Gebührenkalkulation sei eine Vollkostenrechnung. „Das ist etwas anderes als ein Jahresabschluss.“ Der wesentliche Grund dafür ist, dass ohne größere Erträge ein höheres Saldo ausgewiesen sei, sei die Eigenkapitalverzinsung in der Vollkostenbetrachtung. Und als Eigenkapital wird nicht nur Geld gewertet, sondern auch beispielsweise der Kanal. Bei Privatleuten kann man das mit Immobilienbesitz vergleichen. Das Konto kann leer, aber das Anwesen 2,3 Millionen Euro wert sein.

Und genauso wie eine Geldanlage durch Verzinsung wachsen kann, wird auch der Kanal rein rechnerisch so betrachtet, als würde sein Wert steigen.

„Nach Handelsrecht darf man so nicht rechnen“, sagt Spaltner weiter.

Horst-Dieter Heidenreich (Grüne) stellte im Ausschuss die Frage, ob die 2,3 Millionen denn nicht als Rücklage dienen könnten. Beispielsweise, um eventuelle Gebührenerhöhungen zu späterem Zeitpunkt zu vermeiden. Gatz dazu: „Im Grunde ist das so etwas wie eine Rücklage für künftige Investitionen, um die Liquidität zu erhalten und um zu vermeiden, dass die Stadt Geld in den Eigenbetrieb pumpen muss.“

Was die Gebührengestaltung anbelangt, wies Spaltner außerdem am Donnerstag darauf hin, dass diese immer für die Dauer von drei Jahren eingefroren sind. „Auch für 2018 bleiben die Gebühren also stabil.“ Was den Zeitraum 2019 bis 2021 anbelangt, könne er noch keine Prognosen machen.

(vm)
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