Würselen: Ein Jahr nach dem Tod der Prostituierten in Würselen

Würselen: Ein Jahr nach dem Tod der Prostituierten in Würselen

Mehr als ein Jahr ist der Brand an der Hauptstraße 461 in Würselen her, in dessen Folge eine Prostituierte starb. Vordergründig hat sich seitdem nichts getan: Das Haus steht unverändert in dem Zustand von Anfang Oktober 2016, die Brandspuren sind geblieben, Überreste des Inventars liegen vor der Front.

Der Bauzaun hat Neugierige und Plünderer wohl nur in geringem Maße zurückgehalten. Und die Stadt Würselen sagt, dass sie nach wie vor auf das Urteil des Verwaltungsgerichts Aachen wartet, ob der Bordellbetrieb nun rechtens war oder nicht. Die Ermittlungen zur Brandursache hat die Staatsanwaltschaft längst eingestellt.

Steuerrechtliche Ermittlungen

Nichtsdestotrotz haben in der Zwischenzeit drei Gerichtsprozesse stattgefunden, in denen sich die Eigentümerin Tatjana S. (46) und ihr Ex-Mann Heinz S. (78) — gleichzeitig ehemaliger Eigentümer — verantworten mussten.

Diese Verfahren sind zwar für die Brandursache und den Tod der Prostituierten nicht von Relevanz, aber ein weiteres Indiz dafür, dass die Stadt Würselen seit langem vom illegalen Bordellbetrieb gewusst haben muss: Schon ab 2011 haben nämlich steuerrechtliche Ermittlungen stattgefunden. Hintergrund: Einkommen-, Umsatz- und Gewerbesteuerhinterziehung in den Jahren 2007 und 2008 sowie Umsatzsteuerhinterziehung von Januar 2009 bis April 2011.

Im Jahr 2007 war das Haus zum ersten Mal zwangsversteigert worden, wegen Schulden bei der Stadtkasse Würselen. Eine zweite Versteigerung, die das Amtsgericht im Jahr 2015 vorbereitet hatte, stand aus. Eine Untersagung des Bordellbetriebs oder einer anderweitigen gewerblichen Nutzung der Räume hat die Verwaltung aber erst 2013 ausgesprochen. Im Juli jenes Jahres hatte eine erneute Durchsuchung der Räume vonseiten der Steuerfahndung stattgefunden.

Michael B., der Pächter von „Kim‘s Privatclub“, der seit dem Jahr 2002 im Wechsel mit dem ursprünglichen Eigentümer Heinz S. die Räume nutzte, vertritt die Auffassung, dass ihm seit Jahren ein Gewerbeschein für eine gewerbliche Zimmernutzung vorliegt. Gegen ihn wurde auch nie ermittelt.

Außerdem sei die Stadt vor Ort gewesen, um die Räume auszumessen und die Höhe der zu entrichtenden Vergnügungssteuer („Sexsteuer“) festzulegen, so Michael B. weiter. Diese sei auch regelmäßig von seinem Konto abgebucht worden. Einen Nachweis über einen gültigen Gewerbeschein und die Abgaben an den Fiskus hat er allerdings auch auf mehrfache Bitte nicht erbracht, sondern auf seinen Anwalt verwiesen. Und der hüllt sich in Schweigen.

Stillschweigende Duldung

Gewerbeschein hin oder her — die Vorgänge in dem Haus wurden offenbar über einen langen Zeitraum gedudelt. Deshalb kann der Pächter darauf hoffen, dass das Gericht die Umstände zu seinen Gunsten auslegt. Wann voraussichtlich ein Verhandlungstermin anberaumt wird, bleibt angesichts der derzeitigen Überlastung der Verwaltungsgerichte Spekulation.

Alle Namen der handelnden Personen geändert.

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